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Fassungslos ist Hannes Kleißl über das dreiste Vorgehen des Diebes.

Geldbeutel war sein Talisman

Erinnerungsstück an verstorbene Freundin gestohlen

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Garmisch-Partenkirchen - Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das gilt auch für Hannes Kleißl, der in seinem Café dreist bestohlen wurde. Der Geldbeutel, den der Dieb mitgenommen hat, bedeutet dem Farchanter sehr viel. 

Es geht nicht ums Geld. Auch nicht um die Tatsache, dass ihn der vermeintliche Kunde so dreist hintergangen hat. Was Hannes Kleißl „wie ein Stich mitten ins Herz“ getroffen hat, ist, dass der Unbekannte einfach seinen hellblauen Kellner-Geldbeutel einsteckte. Den hatte er von seiner Resi geschenkt bekommen. Einer seiner besten Freundinnen, die im April vor sechs Jahren gestorben ist. Die Garmisch-Partenkirchnerin verunglückte bei einem tragischen Unfall auf der Bundesstraße 23 zwischen Grainau und Griesen. „Durch den Geldbeutel hab’ ich mich immer noch mit ihr verbunden gefühlt“, erzählt der 34-Jährige. Mehrfach brachte er ihn schon zum Schuster, immer wieder wurde er zusammengeflickt. Aussortiert hätte der Farchanter dieses Erinnerungsstück nie, genau wie die Zettel, die von der Verstorbenen noch in einem der Fächer steckten. „Der Geldbeutel war mein Talisman“, unterstreicht Kleißl.

Wirt hofft, dass er den Geldbeutel zurückbekommt

Inzwischen hat er sich Ersatz beschafft. Ein 0815- Exemplar. Schwarz. Seelenlos. Die Hoffnung, dass er seine hellblaue Börse doch noch zurückbekommt, hat er derweil noch nicht aufgegeben. „Vielleicht wirft ihn der Täter ja weg und jemand findet ihn.“ Oder er legt ihn vor seine Tür. Diesen Vorschlag macht Kleißl auch auf seiner Facebook-Seite, auf der er seinem Frust Luft machen musste – „weil’s mir dann einfach besser ging“. Und dafür enormen Zuspruch bekam. 1073-mal wurde sein Beitrag geteilt, 578 Nutzer drückten durch den Klick auf „Gefällt mir“ ihr Mitgefühl aus und 116 kommentierten seinen Post. „Ich bin absolut überwältigt von dieser Resonanz“, sagt der Konditormeister.

Außerdem setzt er auf die Polizei, die er gleich nach dem unschönen Vorfall vor einer Woche eingeschaltet hat. Der vermeintliche Sebastian Brandl, unter dem Namen stellte er sich bei seinem Besuch im Café vor, scheint nämlich kein unbeschriebenes Blatt zu sein. Offenbar mietete sich der junge Mann auch in Gästehäusern und Hotels im Landkreis ein – und verschwand, ohne seine Zeche zu bezahlen. Verlangte ein Wirt Vorkasse, wie es beispielsweise in einem Murnauer Betrieb der Fall war, machte sich der angeblich 28-Jährige aus Jena unverrichteter Dinge aus dem Staub. Ging es darum, ein Zimmer zu mieten, nutzte der Täter übrigens einen anderen Vornamen: Da trat er nicht als Sebastian, sondern als Johannes auf.

So hat der Täter den Diebstahl begangen

Bei Kleißl wollte der etwa 1,85 Meter große Mann, der durch seinen markanten Haarschnitt – millimeterkurz rasierte Seiten und nur oben blondes Haar – sowie etliche Muttermale auf der linken Wange auffällt, eine Hochzeitstorte bestellen. „Seltsam war, dass er das allein gemacht hat“, erinnert sich der Konditor. Normalerweise erscheine nur die Frau „oder sie suchen’s zu zweit aus“. Der falsche Kunde habe zudem erklärt, dass seine Verlobte Luana einen komplett laktosefreien Kuchen wünsche und extrem anspruchsvoll sei. Wohl um dem zu genügen, verlangte er dann auch, die beiden Etageren, mit denen Kleißl arbeitet, zu sehen. Und diesen Moment, den der Farchanter in seiner Backstube im Keller war, nutzte er, um aus der Küche das Portemonnaie mit gut 300 Euro zu klauen. „Dass ich den Geldbeutel da ablege, muss er beobachtet haben“, meint Kleißl. „Oder ein Komplize hat’s ausgekundschaftet.“ Vom Tresen oder von dem Tisch, an den er sich mit Sebastian gesetzt hatte, sei die Stelle nicht einsehbar. Auch die Zeit war wohlüberlegt. Der dreiste Dieb erschien mittags im Café, dann, wenn die Frühstücksgäste schon weg und die Kaffeetrinker vom Nachmittag noch nicht da sind.

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