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Betreuung von Asylbewerbern im Landkreis

Flüchtlinge im Abrams: Neue Pflichten - auf Kosten des Marktes

Garmisch-Partenkirchen - Im Juli hat Garmisch- Partenkirchen auf einen Schlag rund 200 neue Einwohner bekommen: Flüchtlinge, die nun gemeldet sein müssen. Ihre Kinder werden bald, wie es im Amtsdeutsch heißt, im Abrams „beschult“.

Busse, die mitten in der Nacht ankommen und erschöpfte Menschen bringen. Immer wieder Belegungswechsel, ständig neue Gesichter: So, wie es teilweise im Abrams in Garmisch-Partenkirchen, der Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge, zugegangen ist, soll es seit dem Halbjahreswechsel nicht bleiben. „Die Staatsregierung hat vorgegeben, dass bei der Unterbringung von Asylbewerbern insbesondere Bundesliegenschaften bestmöglich ausgenutzt werden“, erklärt Martin Nell von der Regierung von Oberbayern. Das heißt für den Landkreis: Die angekommenen Menschen sollen länger im Abrams-Komplex bleiben. Bis zu sechs Monate sind Nell zufolge rechtlich möglich. Die Ausschöpfung dieses Rahmens habe sich „tendenziell erhöht“. Damit verbunden sind aber Veränderungen, die den Markt Garmisch-Partenkirchen vor große Herausforderungen stellen.

Denn: „Seit 1. Juli müssen alle Asylbewerber melderechtlich erfasst werden“, erklärt Rathaus-Sprecher Florian Nöbauer. Auch die rund 200, die im Abrams untergebracht sind. Die Flüchtlinge sind dann zwar keine Bürger, die zum Beispiel Wahlrecht genießen. Sie gelten aber als Einwohner. Die Übermittlung der Personaldaten erfolgt durch die Regierung von Oberbayern. Im Rathaus müssen diese ins Register eingetragen werden. „Dies stellt unser Einwohnermeldeamt vor erhebliche Herausforderungen“, unterstreicht Nöbauer. Zumal sich die Daten tagesaktuell ändern. Bereits zwei Mal habe sich Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) an die Regierung von Oberbayern gewandt. „Um eine personelle Entlastung zu schaffen oder einen Personalkostenzuschuss zu erhalten.“ Doch Unterstützung ist bislang Fehlanzeige. „Die Reaktion bleibt abzuwarten“, formuliert Nöbauer das Ärgernis auf eher galante Weise. Dabei ist das nicht die einzige Flüchtlings-Baustelle, die der Markt neuerdings zu bearbeiten hat. Denn die Kinder der Asylbewerber sollen im Abrams auch Schulunterricht bekommen. „Die Planungen für die Errichtung von zwei Übergangsklassen sind abgeschlossen“, erklärt Regierungssprecher Nell.

Derzeit wird untersucht, ob die potenziellen Unterrichtsräume geeignet sind. Die Zimmer könnten bis voraussichtlich Mitte des Monats freigegeben werden. Vorgesehen ist eine Grundschul- und eine Mittelschul-Klasse mit jeweils 15 Buben und Mädchen. Die Kosten dafür hat ebenfalls Garmisch-Partenkirchen als Sachaufwandsträger zu übernehmen. „Die konkrete Höhe wird sich erst in den nächsten Wochen bemessen lassen“, sagt Nöbauer. Weiterer, wenig erfreulich Punkt für den Markt: Der Vertrag für die Erstaufnahme-Einrichtung wurde erneut verlängert: aktuell bis zum 31. Dezember. Ob dann wirklich Schluss ist, bleibt fraglich. Bis das Abrams-Gelände, wie gewünscht, für die Ortsentwicklung zur Verfügung steht, könnte es womöglich noch dauern.

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