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Erste Ruhestands-Etappe Finnland: Seinen Resturlaub nutzt Früh-Pensionär Dr. Volker Juds, um mit seiner Frau Uta 2200 Kilometer gen Norden zu radeln.

Dr. Volker Juds verlässt das Gesundheitsamt

Per Fahrrad in den Ruhestand

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Garmisch-Partenkirchen - Die Asylbewerber und der G7-Gipfel waren die wohl größten Herausforderungen seines Berufslebens. Und mit Gründe, warum Dr. Volker Juds zwei Jahre früher als geplant in den Ruhestand geht. Seinen Resturlaub nutzt der Leiter des Gesundheitsamts für eine Radtour nach Finnland.

„Zum Schluss dank ma am Herrgott für Sonne und Regen und b’sonders fürn Volker, unsern größten Segen“ – die letzte Strophe der Abschieds- Gstanzl seiner Mitarbeiter hat Volker Juds besonders berührt. Der Amtsarzt aus Garmisch-Partenkirchen geht offiziell zum 1. Juni in den Ruhestand – nach über 30 Jahren im Öffentlichen Dienst und 28 Jahren beim Gesundheitsamt Garmisch-Partenkirchen hat er ihn sich wohlverdient. Drei „wahnsinnig tolle Abschiede“ habe man gefeiert und Juds bekam von Landrat Anton Speer (Freie Wähler) die silberne Ehrenmedaille des Landkreises für seine Verdienste überreicht. „Das freut einen natürlich“, sagt der 63-Jährige, der nach seinem Medizinstudium in München, Promotion, Tätigkeiten als Assistenzarzt und bei den Staatlichen Gesundheitsämtern Bad Tölz und Miesbach 1988 in die Marktgemeinde versetzt worden war. Auch, dass nicht alle über seine vorzeitige Pensionierung glücklich sind. „Wenn die Leute einen vermissen, ist das doch schön“, meint der Früh-Pensionär lächelnd.

In seinem Haus direkt an der Loisach in Garmisch-Partenkirchen genießt er nun den Vor-Ruhestand, hat endlich mehr Zeit für seine Lieben, die sechs Kinder – vier Töchter und zwei Söhne im Alter zwischen 26 und 36 Jahren – und (bald) drei Enkelkinder. Und natürlich für seine Frau Uta, mit der Juds seit 37 Jahren glücklich verheiratet ist. Die beiden gehen regelmäßig auf gemeinsame Radl-Touren. Derzeit ist das sportliche Ehepaar Richtung Finnland unterwegs, wird insgesamt 2200 Kilometer, viele an verschiedenen Kanälen entlang, erstrampeln, bevor es dann nach sechs Wochen wieder mit dem Flugzeug von Helsinki zurück in die Heimat geht. „Ich liebe diese Reiseform, habe schon mehr als 50 Urlaube dieser Art hinter mir, mal mit meiner Frau, mal mit Freunden. Man sieht mehr, als wenn man mit dem Auto unterwegs ist und kommt, anders als beim Marschieren, doch auch richtig gut voran.“ Und das ganz ohne E-Bike.

Der 63-Jährige hat schon so manche Strecke hinter sich, vor sieben Jahren ging es 2200 Kilometer in die andere Richtung, nach Sizilien. Da war er allerdings noch im Dienst. Und hatte nicht im Sinn, sich frühzeitig pensionieren zu lassen. Doch die vergangenen zwei Jahre, geprägt von Asylproblematik und G7-Gipfel, haben Juds sehr viel abverlangt, so dass er sich dazu entschloss, zwei Jahre vor offiziellem Ende seiner Amtsperiode auszuscheiden und sein Privatleben zu genießen. „Als im Oktober 2014 die ersten Asylbewerber unangemeldet vor unserer Tür standen, begann die härteste Zeit meines Berufslebens“, betont der in Neila geborene Mediziner. Das Gesundheitsamt sei nicht rechtzeitig über die Flüchtlingsströme informiert worden. Und so habe man innerhalb von wenigen Tagen Untersuchungsbögen, Anleitungen für Stuhlproben, Informationsblätter über Infektionskrankheiten und Seuchen und vieles mehr entwerfen und erstellen sowie natürlich auch die Menschen aus den verschiedensten Ländern betreuen müssen.

„Sagen Sie mal einer Somalierin, die kein Wort deutsch spricht, wie sie sich bei Läusebefall verhalten soll“, schildert Juds eine der zahlreichen Problematiken, mit denen er sich plötzlich konfrontiert sah. Die Behandlung von Krankheiten wie Krätze, Hepatitis, Tuberkulose oder diverse Geschlechtskrankheiten, mit denen er sich bislang nur in Ausnahmefällen beschäftigen musste, standen mit einem Male auf der Tagesordnung. Bei gleichbleibender Personaldecke seien von einem auf den anderen Tag schier unüberwindbar scheinende Schwierigkeiten auf ihn und sein Team eingestürmt. „Das war eine wahnsinnige Dauerbelastung für alle“, erinnert sich der ehemalige Amtsarzt. Auch daran, wie er mit seiner EC-Karte in den umliegenden Apotheken Läusemittel besorgte, „weil die Kostenübernahme noch nicht geregelt war. Anfangs herrschte das reine Chaos“.

Und als dann noch die Aufgaben rund um den G7-Gipfel dazu kamen, sprich: Hygieneuntersuchungen, Maßnahmen zum Seuchenschutz, Entnahme von Wasserproben aus den 18 umliegenden Badeseen und insgesamt 75 Berghütten oder der Schutz vor Bio-Terror, da habe er oft nicht mehr schlafen können. „Es ging ja schließlich um das Renommee des gesamten Landkreises.“ Als beispielsweise bekannt wurde, dass die Wasserversorgung von Schloss Elmau an nur einer Pumpe hing, wurde auf Anraten des Amtsarztes kurzerhand eine Wasserleitung von Klais nach Ellmau verlegt, Kostenpunkt: fünf Millionen Euro – mal eben. „Da trägt man als Amtsarzt eine riesige Verantwortung, gerade in einem Ort wie Garmisch-Partenkirchen“, erklärt Juds und würde dem Ort und seinem Nachfolger wünschen, dass man diese künftig auf mehrere Schultern verteilt. „Die Landkreise müssten hier enger zusammenarbeiten, mehrere Ämter zusammenlegen, so dass rund um die Uhr ein Amtsarzt erreichbar ist.“

Rückblickend sei es trotz dieser Anforderungen „eine wunderschöne Zeit“ gewesen, auf die er, da ja alles immer gut geklappt habe, auch stolz sei. Und wenn Juds dann bald aus Finnland zurück ist, dann will sich der Hobby-Schriftsteller weiteren „Geschichten eines Amtsarztes“, widmen, etwa 30 liegen noch daheim in der Schublade. Und der aktive Rentner engagiert sich gemeinsam mit seiner Frau ehrenamtlich im Kindergottesdienst der freien evangelischen Gemeinde und in der Theatergruppe „Spotlight“ der Werdenfelser Werkstätten. „Mir wird sicher nicht langweilig werden“, prophezeit Juds, der sich auch schon auf die Geburt seines dritten Enkelkinds freut. „So wie ich begonnen habe – mit drei eigenen Kindern – so beende ich nun meine Zeit als Arzt – mit drei Enkelkindern."

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