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In diesem Gebäude ist das Spielzeugland Zitzmann untergebracht.

Zitzmann: Landratsamt lehnt Rechtsaufsichtsbeschwerde ab

Ein rechtlicher und ein moralischer Sieger

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Garmisch-Partenkirchen - Das Landratsamt stellte zwar keinen Fehler des Marktes fest, machte aber deutlich, dass der Antrag der Firma Zitzmann auf einen Fünf-Jahresmietvertrag noch nicht abschließend entschieden ist. Zuständig dafür ist nun doch der Gemeinderat.

Das Öffnen des Briefs war für Max Zitzmann ähnlich spannend, wie wenn ein Geburtstagskind sein Geschenk aufreißt und es kommt exakt jenes Spielzeug zum Vorschein, das es sich gewünscht hat. Meist sind glänzende Augen und große Freude die Folge. Ähnlich war es für Zitzmann, der seit Monaten um den Erhalt seines Geschäfts und damit um seine Existenz ringt, als er die Antwort des Landratsamt auf seine Rechtsaufsichtsbeschwerde gegen Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) in Händen hielt. Sachbearbeiter Günter Hopfensperger bestätigte der Gemeinde zwar bei der Behandlung von Zitzmanns Antrag vom 20. Januar 2016, als dieser um die Verlängerung seines Mietvertrags um fünf Jahre für die Räume am Richard-Strauss-Platz 2 bat – dort ist seit vielen Jahrzehnten das Spielzeugland Zitzmann zu Hause – keinen Fehler gemacht zu haben.

Zitzmann fühlt sich dennoch ein bisschen als Sieger, in einem Kampf, den er fast schon verloren glaubte. Was den 57-jährigen Kaufmann auf den Fortbestand seines Lebenswerks und des seines Vaters hoffen lässt: Hopfensperger macht klar, dass der Markt über seinen Antrag noch nicht entschieden hat. „Und dies kann meiner Meinung nach nur der Gemeinderat tun“, sagt Zitzmann. Um seinen Standpunkt zu untermauern, hatte er ein Gutachten bei Professor Dr. Ulrich Rommelfanger in Auftrag gegeben. Der ehemalige Thüringische Verfassungsrichter und Oberbürgermeister von Kornwestheim kam zu dem Schluss, dass nur der Gemeinderat über die Causa Zitzmann befinden könne, weil die Mietzahlungen für fünf Jahre bei 360 000 Euro liegen, der Finanzausschuss nur das Recht habe, bis zu einem Betrag von 250 000 Euro zu beschließen. Dass dem so ist, bestätigt Rathaus-Sprecher Florian Nöbauer.

In der Vergangenheit war Zitzmann mehrmals mit seinen Versuchen im Finanzausschuss gescheitert, einen neuen Mietvertrag zu bekommen. Der war zuletzt bis zum 31. Dezember 2016 verlängert worden. Ein Angebot des Gremiums, das bis zum 31. Dezember des kommendes Jahres datiert war, lehnte Zitzmann ab, weil er es „als sittenwidrige Erpressung“ empfand. Der Finanzausschuss war in seiner Sitzung vom 23. März einstimmig überein gekommen, die Miete um 1000 Euro auf 7000 pro Monat anzuheben. Zudem sollte in die Vereinbarung ein Räumungstitel aufgenommen werden und er seinen Antrag auf einen fünfjährigen Vertrag zurückziehen. „Ich finde das Vorgehen seitens der Gemeinde uns gegenüber nach wie vor befremdlich und unwürdig“, sagt Zitzmann.

Nach dem Schreiben des Landratsamt ist der Fall Zitzmann heute in nichtöffentlicher Sitzung Thema des Finanzausschusses. Der Gemeinderat wird sich frühestens in seiner Sitzung am 22. Juni damit beschäftigen. „Es besteht keine Eilbedürftigkeit“, stellt Nöbauer fest. Womöglich besteht die schon, denn Zitzmann sieht sich gezwungen, langjährige Beschäftigte bereits zum 30. Juni zu kündigen.

Zitzmann glaubt, einige Kommunalpolitiker auf seiner Seite zu haben. Dazu zählt er FDP-Mann Martin Schröter. Der hat einen Antrag eingebracht, das Anliegen des Spielzeugladen-Betreibers am 21. September zu behandeln. Andere Fraktionen sehen es kritisch, dass Zitzmann es gutheißt, dass sich Schröter, für viele Gemeinderatskollegen ein rotes Tuch, vor dessen Wagen spannt. „Ob er sich damit einen Gefallen tut?“, fragt ein Gemeinderat, der seinen Namen in dieser verfahrenen Angelegenheit lieber nicht in der Zeitung lesen möchte

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