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Auf Herz und Nieren prüft Dr. Michael Arnegger die oftmals schwer erkrankten Kinder im tansanischen Flüchtlingslager Nduta.

Ärzte ohne Grenzen

Nothilfe im Kriegsgebiet

Vielerorts beherrschen Kriege und Krankheiten den Alltag. So auch in der Demokratischen Republik Kongo und in Tansania. Der Arzt Dr. Michael Arnegger war in Afrika vor Ort und hat geholfen. Ein Bericht aus den Krisengebieten.

Krieg, Armut, Epidemien und Massensterben. Dinge, mit denen man im wohlhabenden und sicheren Deutschland zumeist nur in den Medien konfrontiert wird. Die schrecklichen Szenen und Berichte machen betroffen und stimmen nachdenklich. Sind aber gleichzeitig auch sehr weit weg und wirken, als wären sie aus einer anderen Welt. Ein Mann, der sich ein eigenes Bild vor Ort gemacht hat, ist Dr. Michael Arnegger. Der Internist aus dem Klinikum Garmisch-Partenkirchen reiste im Rahmen des internationalen medizinischen Nothilfeprojektes „Ärzte ohne Grenzen“ in afrikanische Krisengebiete.

Schon in jungen Jahren zog es den 34-Jährigen hinaus in die weite Welt. Seinen Zivildienst leistete er in Südamerika und Afrika. Im September vergangenen Jahres folgte nun das nächste Abenteuer. Für je drei Monate flog er zunächst in die Demokratische Republik Kongo und später nach Tansania. „Ich wollte unter anderen Bedingungen arbeiten und in einer Extremsituation Hilfe leisten.“

Auf seiner ersten Station bekam er dabei das ganze Grauen und Leid eines Bürgerkrieges vor Augen geführt. In einem kleinen Krankenhaus versorgte der Mediziner täglich die verwundeten und teilweise arg zugerichteten Zivilisten und Soldaten. Die Klinik befand sich in unmittelbarer Nähe zu den Kampfgebieten. „Man hat immer wieder Schüsse und Schreie gehört.“ Zu seinem Glück behandelte das Ärzteteam sowohl Regierungstruppen als auch Einheiten der revolutionären Miliz. „Die Neutralität war unser höchstes Gut“, betont Arnegger. So war gewährleistet, dass keines der beiden verfeindeten Lager die Krankenhaus-Mitarbeiter ins Visier nahm. Die Nächte verbrachte er mit anderen Freiwilligen in einem nahe gelegenen Basislager. Zur Sicherheit verordnete die Leitung eine Ausgangssperre. „Wenn man doch einmal das Camp verlassen durfte, musste man mit einem Funkgerät in regelmäßigen Abständen seinen Standort angeben.“

Im vergangenen Dezember war die Arbeit in der Demokratischen Republik Kongo für den Garmisch-Partenkirchner Facharzt beendet. Der Rückflug in die Heimat schon gebucht. Doch politische Unruhen im Ost-Afrikanischen Burundi brachten ihn ins Grübeln. Der dortige Präsident weigerte sich abzutreten. Gewalt und Angst brachen in dem kleinen Land aus. Mehr als 250 000 Menschen flohen ins benachbarte Tansania, um sich und ihre Familien zu schützen. In Nduta, einem der größen tansanischen Flüchtlingslager, wurden händeringend Ärzte gesucht. Arnegger sagte spontan für drei Monate Hilfe zu.

In der Grenzstadt angekommen, fand er chaotische Zustände vor. Jeden Tag trafen bis zu 300 neue Flüchtlinge ein, und die beiden eingerichteten Gesundheitsstationen waren völlig überfüllt. Geflohene, die Berufserfahrung als Krankenpfleger hatten, arbeiteten sofort mit. Arnegger selbst wurde derweil zum verantwortlichen Arzt der Kinderstation ernannt. „Eine anspruchsvolle, aber sehr spannende Aufgabe.“ Viele Kinder erreichten das Camp nach der strapaziösen Flucht stark unterernährt. Aufgrund des Platzmangels mussten sie zusammen mit zwei anderen Patienten und deren Müttern das selbe Bett teilen. Unvorstellbare Umstände, die eine adäquate Behandlung für jeden nahezu unmöglich machten. Die Folge waren häufige Todesfälle. Eine Tatsache, die Arnegger zwar professionell aufnahm, ihn aber auch nicht kalt ließ. Seine Mitstreiter halfen ihm, psychisch stabil zu bleiben. „Es war sehr wichtig, dass wir in unserem Team viele Gespräche über das Thema geführt haben.“

Nach sechs aufwühlenden Monaten trat Arnegger im März schließlich doch die Heimreise an. Zurück im Werdenfelser Land ist er zwar „froh, wieder hier zu sein“, denkt aber noch oft zurück an eine Zeit, in der er „unglaublich viel gelernt“ habe. Auch sein Verständnis für die Flüchtlinge in Deutschland sei durch die Erfahrungen in Tansania deutlich gestiegen. „Das halbe Jahr in Afrika hat mir einen Blick durch den Türspalt in eine andere Realität ermöglicht.“

Simon Nutzinger

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