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Ein Traditionshaus: das Modehaus Hartenstein in der Garmischer Fußgängerzone. Zum 31. Dezember wird es geschlossen.

Traditionshaus schließt nach 94 Jahren

Hartenstein schließt zum Jahresende

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Garmisch-Partenkirchen - Es ist eines der Traditionsgeschäfte im Garmischer Zentrum: das Modehaus Hartenstein. Seine Tage sind allerdings gezählt. Zum Ende des Jahres schließt der Betrieb. Die Mitarbeiter haben bereits ihre Kündigungen erhalten.

Mit Kolonial- und Gemischtwaren fing alles an. 1922 eröffnete Karl Hartenstein in dem alten Bauernhaus im Garmischer Zentrum sein Geschäft. Nach dem Krieg erweiterte er das Sortiment auf Bettwaren, Vorhänge, Teppiche und Stoffe. Sein Sohn und später sein Enkel, die beide ebenfalls Karl heißen, spezialisierten sich dann auf Mode. Und vergrößerten die Verkaufsflächen. Der letzte Umbau war 2014 vollendet. Circa vier Millionen Euro hatte Karl Hartenstein, der Enkel des Firmengründers, in dieses Projekt investiert. Auf 1200 Quadratmetern bieten der Inhaber und seine gut 20 Mitarbeiter seither Kleidung für Damen und Herren. Zwei Shops-im-Shop, ein Sportwaren- und ein Modegeschäft, komplettieren das Angebot. Ziel des Handelsfachwirts, der 1993 in den Familienbetrieb eingestiegen ist, war es dabei, seinen Angestellten und Kunden hochmoderne Einkaufsmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen zu bieten – „aus einem Guss“.

Damit ist allerdings zum Jahresende Schluss. Hartenstein hat bereits allen Mitarbeitern gekündigt und entschieden, das Geschäft zum 31. Dezember zu schließen. Über das Warum äußert sich der 47-Jährige nicht. Auch nicht darüber, ob immer neue Filialen von großen Modeketten, von denen es mittlerweile etliche in der Fußgängerzone gibt, bei seinem Entschluss eine Rolle spielten. Entlocken lässt er sich nur, dass es „persönliche Gründe“ sind, die ihn zu diesem Schritt veranlassten. Das Geschäft wird er dann weitervermieten. An wen, steht noch nicht fest.

„Schade“ findet Oliver Steinbach diese Entwicklung. „Und sehr bedauerlich.“ Mit dem Modehaus Hartenstein, dem der Wirtschaftsförderer der Marktgemeinde eine 1A-Lage bescheinigt, verliere der Ort ein familiengeführtes Unternehmen. Nachdem bereits feststeht, dass Hartenstein die Verkaufsflächen weitervermietet, „vermute ich, dass schon ein Großer in den Startlöchern steht“.

Den Trend, dass sich immer mehr Filialisten ansiedeln und kleine Geschäfte schließen, betrachtet Steinbach ganz nüchtern. „Diese Entwicklung liegt in erster Linie an den Konsumenten, deren Einkaufsverhalten sich massiv geändert hat.“ Die meisten nutzen das Internet – entweder um gleich online zu bestellen oder um sich umfassend zu informieren. Um dann aus dem gesamten Sortiment eines Markenherstellers auswählen zu können, „gehen sie in Filialen, da können kleine, inhabergeführte Läden gar nicht mehr mithalten“. Dieses Problem trifft aber nicht Garmisch-Partenkirchen allein: „In Deutschland und Österrreich werden 50 Prozent der Umsätze im Einzelhandel von Filialisten gemacht“, erklärt der Experte. In Polen sei dieser Satz in den vergangenen 20 Jahren von 7 auf 45 Prozent gestiegen. Die Folge: „Die Innenstädte und Fußgängerzonen werden immer austauschbarer.“

Wer durchs Garmischer Zentrum läuft, kann dieses Entwicklung ebenfalls beobachten. Auch wenn zwischen den Ketten, die es mittlerweile in fast allen großen Orten gibt, noch einige individuelle Geschäfte bestehen. Eines davon ist das Trachten- und Modehaus Grasegger. Die Weichen dafür hatte noch Hartensteins Vater gestellt, der 1978 das Grundstück kaufte, auf dem früher das legendäre Hotel Alpenhof stand und auf dem sich heute die Spielbank und besagtes Trachtenhaus befinden. Er und seine Schwester Annemarie Grasegger bauten dieses gemeinsam, teilten den Betrieb aber dann 1990 auf. Das Stammhaus, in dem vor 94 Jahren alles begann und das in Hartensteins Händen blieb, wird nun zum Jahresende geschlossen.

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