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Hoppala: Auf Tuchfühlung mit der Bande ging so manch ein Schlitten.

Titelfavoriten müssen sich geschlagen geben

Hornschlittenrennen: Garmischer Sieg in Partakurch

Garmisch-Partenkirchen - Insgesamt 77 Mannschaften haben am Dreikönigstag beim Hornschlitten-Rennen den Höllenritt ins Tal gewagt. Auf dem Siegertreppchen steht diesmal bei fast perfekten Bedingungen seit Jahren wieder ein einheimisches Team.

 „Das könnte knapp werden.“ Gespannt, aber auch ein wenig enttäuscht steht Rene Heinze im Ziel. 1:34,45 Minuten blinkt auf der Anzeigentafel. „Ob das wohl reichen wird?“, fragt sich auch sein Hornschlittenkollege vom Volkssport Trusetal Torsten Wolf. Zweimal in Folge hatten die wagemutigen Rodler aus dem Osten Deutschlands die traditionelle Raserei des Hornschlittenvereins Partenkirchen gewonnen. Und am Freitag sah es bis zur Startnummer 47 auch so aus, als hätten die sympathischen Thüringer erneut die Nase vorne.

Zwar kratzten bereits acht Startnummern später die vier Burschen vom Schlitten „Partnachalm“ an der Bestzeit. Mit 1:36,51 Minute lagen sie nur zwei Sekunden hinter dem Titelfavoriten.

Doch plötzlich ging alles Schlag auf Schlag: Als die Lokalmatadoren „D’Unheimlichen Feirigen“ aus Garmisch mehr als die Hälfte der 855 Meter langen Strecke hinter sich hatten, witterte Moderator Matthias Grasegger bereits einen neuen Titelkandidaten. „Noch ist nichts entschieden“, hielt er die feiernde Menge in Schach, die in diesem Moment gebannt auf die Leinwand starrte.

Einige machten Bekanntschaft mit der Bande

Dann war es soweit, die Feirigen waren in der Zielgeraden zu sehen – und tatsächlich: Mit 1:31,30 Minute schlugen die Einheimischen um mehr als drei Sekunden den Thüringer Schlitten.

„Hom mir den Bernhard verloren eigentlich?“ Das waren die ersten Worte, die dem frischgebackenen Erstplatzierten Michael Marx in den Sinn kamen. Zum Glück nicht, die Zeit wurde gewertet, die Überraschung bei den vier Burschen groß: „Dass wir so schnell waren, hätt i net glaubt“, meint Mannschaftskollege Josef Bader baff und gleichzeitig erfreut.

Doch war die Euphorie nach dem Garmischer Husarenstreich noch groß, schlug die Stimmung kurzzeitig in Schockstarre um: Die „Goaßara Bandnbrecher“ machten ihrem Namen alle Ehre. Die vier touchierten die Holzwand derart, dass ihr Schlitten kurzerhand in zwei Teile zerbrach. Tapfer trugen die unverletzten Bruchpiloten die beiden ramponierten Hälften ins Ziel und wären dabei fast noch vom „Wintersteiner Rennsteigblitz“-Schlitten überfahren worden. „Klopf auf Holz, dass net mehr passiert ist“, resümiert Hornschlittenvereins-Vorsitzender Peter Strodl. Denn heuer gingen gleich mehrere der Gefährte vor die Hunde: Bei mindestens dreien brach die Kufe, die Mädels vom WSV Schlehdorf verloren sogar beide Tatzen (Bremsen) während der Fahrt. Heil, auch ohne Tatzen, kamen sie dennoch glücklich als Erste im Ziel an. „Wir fuhren gegen jede Bande“, erzählt Silvana Führler, die nach dem Schrecken in der „Arena“ schon wieder lachen konnte.

Sogar die Bürgermeisterin fährt mit

Gefühle, die auch Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer künftig teilen wird. Mit Schneehose und Helm verkündet sie einem überraschten Publikum, dass auch sie an den Start gehen werde. „Es ist das erste Mal, dass ein Bürgermeister mitfährt“, teilt Strodl freudestrahlend mit.

Nervös war sie: Denn Zeit zum Üben hatte sie keine. „Meine Entscheidung war recht spontan“, gesteht sie. Weshalb ihr auch ein Platz in der sicheren Mitte des Schlittens angeboten wurde. Bevor es für Meierhofer losgeht, initiiert sie noch eine Laola-Welle im Zielraum.

Die tollsten Bilder vom Hornschlittenrennen

Trotz Temperatur weit unter zehn Grad Minus fanden dennoch tausende Zuschauer den Weg nach Partenkirchen. „Die Bedingungen sind sehr gut“, weiß auch Vereinsmitglied Philipp Dohmen. Einzig „der Schnee hätte zwei Tage früher kommen können“.

Das große Finale war heuer im wahrsten Sinne des Wortes groß: Der Schweizer Fritz Dönni kutschierte auf einem Pkw-Anhänger den momentan größten Hornschlitten der Welt von der südöstlichen Schweiz nach Garmisch-Partenkirchen. 6,5 Meter lang, 2,8 Meter breit und satte 474 Kilo misst das aus einem Dachstuhl gebaute Konstrukt. „Ursprünglich wollten sie von ganz oben starten“, berichtet Strodl lachend. Doch das war ihm dann doch etwas zu gefährlich, weshalb die Mannschaft von sage und schreibe zehn Mann ab der sogenannten Betonbrücke erst Schwung holte.

Bei der Siegerehrung war Landrat Anton Speer stolz auf die Garmischer auf dem Treppchen. Auch Strodl zeigte sich ganz als Sportsmann und freute sich für die Sieger enorm. „Auch wenn sie aus Garmisch kommen“, wie Moderator Grasegger augenzwinkernd in Anspielung auf den ausrichtenden Partenkirchner Verein feststellte.

Josef Hornsteiner

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