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Tauschen für Nichtkunden nicht möglich: Die Kreissparkasse will kein unnötiges Risiko eingehen.

Nichtkunden können keine Scheine tauschen

Geldwechsel vom Gesetz gebremst

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Garmisch-Partenkirchen - Der bürokratische Aufwand ist zu groß. Die Kreissparkasse lehnt Tauschgeschäfte bei Nichtkunden ab. Die VR-Bank Werdenfels erlaubt sie allerdings nur in Ausnahmefällen und bei Kleinbeträgen.

Norbert Tünz verbringt seit 40 Jahren in Garmisch-Partenkirchen seinen Urlaub. Immer gerne. Er wandert viel, genießt die Natur, kommt zur Ruhe. Auch vor kurzem wieder. Doch diesmal nahm der Wiesbadener nicht nur gute Erinnerungen von seinem Aufenthalt in der Marktgemeinde mit nach Hause. Tünz hatte Scherereien mit der Kreissparkasse. „Das sind Zustände“, sagt er erzürnt. „Damit vergrault man sich die Gäste.“

Der treue Tourist ist mächtig verärgert, weil die Bank seiner kleinen Bitte nicht nachgekommen ist. Tünz hatte Geld abgehoben, der Automat spuckte aber nur große Scheine aus. „Ich bin schon nicht gern mit einem 100-Euro-Schein unterwegs“, sagt er. Er weiß, dass er sich bei Hüttenbedienungen nicht gerade beliebt macht, wenn er die Rechnung für eine kleine Brotzeit und ein Getränk damit begleicht. Deshalb wandte sich Tünz an einen Mitarbeiter am Schalter, um die großen in kleine Scheine umzutauschen. Er bekam eine Abfuhr. 

Verständnis für Ärger der Nicht-Kunden

Der Wiesbadener kann die Vorgehensweise nicht nachvollziehen. Schließlich hat er seine EC-Karte vorgelegt. Er ist Kunde bei der Stadtsparkasse Hilchenbach (Nordrhein-Westfalen). Deshalb ist er davon ausgegangen, dass er bei der Kreissparkasse mit seinem Anliegen richtig ist, zumal er die Scheine auch aus deren Automat zog. Ein Mitarbeiter informierte ihn, dass der Geldwechsel nur bei Kunden der Kreissparkasse möglich ist. „Eine Unverschämtheit“, echauffiert sich der langjährige Gast – das sei alles andere als touristenfreundlich.

Von Seiten der Bank besteht für dieses Ärgernis durchaus Verständnis. „Es ist eine Handlungsweise, die uns keinesfalls glücklich macht“, heißt es auf Tagblatt-Nachfrage. Ändern kann es das Geldinstitut allerdings nicht. Es muss sich an die EU-Verordnungen zu den Embargo-Bestimmungen halten. Diese besagen, dass Finanztransfergeschäfte mit Nichtkunden nur unter sehr hohem Aufwand zulässig sind. Damit es dazu erst gar nicht kommt, lehnt die Kreissparkasse Bargeldgeschäfte ab, ausgenommen mit Kunden. Denn dieser Service verpflichtet sie zu einer vollständigen Legitimationsprüfung inklusive der Dokumentation mit Namensabgleich, Identitäts- und verschiedenen Geldwäsche- und embargorelevanten Kontrollen. Viel Zusatz-Arbeit schon bei kleinsten Summen. „Es gibt große Fehlerquellen“, teilt die Bank mit. „Es darf wirklich nichts vergessen werden, keine einzige Angabe.“

Schutz der Mitarbeiter 

Schon öfter in der Vergangenheit sind die Mitarbeiter mit Geldtausch-Wünschen konfrontiert worden. Auch mit Menschen, die ungehalten reagieren, wenn das Personal die Hintergründe für die Absage erklärt. Sie müssen so handeln – zu ihrem eigenen Schutz vor aufsichts- und strafrechtlichen Sanktionen. Für Kulanz gebe es in diesen Angelegenheiten keinen Spielraum, macht die Bank deutlich. „Bagatellregelungen haben die gesetzlichen Vorschriften nicht vorgesehen.“

Die Volks- und Raiffeisenbank Werdenfels handhabt die ganze Sache minimal lockerer. Bei Kleinbeträgen von 100 oder 200 Euro – ein genauer Wert ist nicht näher definiert – macht das Geldinstitut unter Umständen eine Ausnahme, sagt Michael Schuldes, der Bereichsleiter Vorstandsstab. Ob gewechselt wird, liege im Ermessen des jeweiligen Angestellten. Grundsätzlich versucht aber auch die VR-Bank, aus den gleichen Gründen wie die Kreissparkasse, solche Tauschgeschäfte zu vermeiden. In der Filiale in Partenkirchen sei dies erst gar nicht möglich, weil dort kein offenes Bargeld mehr deponiert ist.

Schuldes empfiehlt prinzipiell, die Stückelung der Scheine am Automaten entsprechend auszuwählen – falls diese Funktion bereits vorhanden ist. Ansonsten bleibt den Nicht-Kunden nichts anderes übrig, als ihr Wechsel-Glück in einem anderen Geschäft zu versuchen.

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