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Im April soll’s losgehen: Dann will Anton Leonhardt seinen Bauernhof abreißen und neu aufbauen.

Der Kreistag schlägt Alarm: Hilferuf an Minister Brunner

Landwirte bei Bauvorhaben nicht adäquat beraten

Garmisch-Partenkirchen - Der Kreistag schlägt Alarm: Landwirte der Region werden bei Bauvorhaben von den Fachstellen oft nicht adäquat beraten und beurteilt. Anlass ist das Baugesuch eines Grainauers. 

2011 hat Nebenerwerbs-Landwirt Anton Leonhardt (35) den elterlichen Hof im Grainauer Ortsteil Hammersbach übernommen. Viel verdient ist mit dem überschaubaren Anwesen nicht. „Im ganzen Werdenfelser Land kann keiner davon leben“, verdeutlicht Leonhardt, den wie so viele in der Region Idealismus und der Wunsch antreiben, das Erbe der Vorfahren fortzuführen.

Vor einigen Monaten kam er zu dem Schluss: „Mein Haus ist sehr alt und leicht baufällig. Ich muss was machen.“ Doch der geplante Abriss und Neubau von Wohngebäude und Stall für einen Landwirt, der im Außenbereich lebt und gerade mal knapp 20 Rinder (sieben Mutterkühe, der Rest Jungvieh) versorgt, gestaltete sich schwierig. Zum Entsetzen der Familie Leonhardt kam das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Weilheim zu einer ernüchternden Einschätzung: Laut Landratsamt soll die Fachbehörde in seiner Beurteilung sowohl in baurechtlicher Hinsicht eine Privilegierung des Vorhabens, als auch die Wirtschaftlichkeit des Betriebs in Frage gestellt haben.

Sondersitzung zur Sondersituation der heimischen bäuerlichen Betriebe

Ein Unding, findet der Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss des Kreistags. In einer Sondersitzung erörterte das Gremium den Fall Leonhardt im Speziellen und die Sondersituation der heimischen bäuerlichen Betriebe im Allgemeinen. Quintessenz: Die Landwirte der Region werden bei Bauvorhaben oftmals von amtswegen nicht adäquat beraten und beurteilt. Diese Diskrepanz sollte in einem Schreiben an Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner deutlich gemacht werden.

In dem dreiseitigen Papier wird der CSU-Politiker unter anderem auf die kleinstrukturierten Anwesen aufmerksam gemacht. „Bei den meisten ist es schon ohne kostspielige Neubaumaßnahmen schwierig, überhaupt größere Gewinne zu erzielen“, heißt es in dem Hilferuf. „Dabei sind es aber gerade diese kleineren Betriebe mit ihrer traditionellen Bewirtschaftung, die unsere einzigartige Kulturlandschaft geschaffen haben und erhalten werden.“

In Zahlen ausgedrückt: Landkreisweit bewirtschaften 339 Betriebe (35 Prozent) bis zu fünf Hektar. 491 landwirtschaftliche Anwesen (50 Prozent) sind kleiner als zehn Hektar. Im Isar- und Loisachtal seien sogar 70 Prozent kleiner als fünf Hektar und über 80 Prozent kleiner als zehn Hektar.

Höfe sind unverzichtbar für Erhalt der Wiesen, Weiden und Almen

Doch genau diese Höfe sind unverzichtbar für den Erhalt der Wiesen, Weiden und Almen, die möglicherweise schon bald das Etikett „Unesco-Weltkulturerbe“ tragen dürfen. „Es ist der ausdrückliche Wille der Politik, diese besondere Struktur zu erhalten und zu unterstützen.“

Der Ausschuss kommt in der Denkschrift an Minister Brunner zu dem Fazit: „Unserer Meinung nach brauchen wir neue und an die Situation in Berggebieten und anderen kleinstrukturierten Landschaften angepasste Kriterien bei der fachlichen Beurteilung landwirtschaftlicher Bauvorhaben.“ Den rein ökonomischen Aspekt bei der amtlichen Einschätzung sieht man „bei einer Reihe von Vorhaben“ als verfehlt an. „Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit alleine müsste der überwiegende Teil unserer Betriebe sofort aufgegeben werden.“

Inzwischen hat der Minister antworten lassen. In dem Brief an Landrat Anton Speer (Freie Wähler) kann Brunner zwar die besondere Lage der Landwirte vor Ort nachvollziehen, aber eine verbindliche Antwort bleibt er schuldig. „Gemeinsames Ziel ist doch, möglichst viele Bauernhöfe möglichst lange zu erhalten, um dauerhaft eine flächendeckende Landbewirtschaftung und Pflege und Erhalt der Kulturlandschaft sicherzustellen.“

„Es muss ein Mittelweg gefunden werden“

Mit solchen schwammigen Formulierungen will sich der Kreistags-Ausschuss nicht abspeisen lassen. „Wir brauchen eine andere Entscheidungsgrundlage“, schärfte Riegsees Bürgermeister und Landwirt Rudi Kühn (ÖDP) seinen Amtskollegen ein. Er betrachtet die Wirtschaftlichkeitsberechnungen des AELF als „abenteuerlich“. „Es muss ein Mittelweg gefunden werden“, meinte wiederum Berufskollege und Leidensgenosse Josef Glatz (CSU) aus Garmisch-Partenkirchen.

Ein weiterer Landwirt aus Murnau, CSU-Kreisrat Johann Scherrer, kam dabei auf ein anderes Baugesuch zu sprechen. Die Art und Weise wie der geplante Aussiedlerhof von Georg Möck (57) aus Großweil, seit 35 Jahren Landwirt, vom AELF begleitet wird, macht Scherrer „traurig“. Daher wollen Landrat Speer und der Ausschuss beim Minister nicht locker lassen.

Übrigens: Für Anton Leonhardt aus Grainau hat die Geschichte ein gutes Ende genommen. Inzwischen liegt die Baugenehmigung schwarz auf weiß auf seinem Tisch. Im April soll’s in Hammersbach losgehen.

Christof Schnürer

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