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Eines seiner Lieblingsstücke: Josef Kümmerle mit dem „Sündenfall“, den der Oberammnergauer Künstler Josef Fux 2004 gefertigt hat.

Leiter Josef Kümmerle feiert 70. Geburtstag

Werdenfels Museum: Herzensprojekt durchkreuzt Rentenpläne

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Garmisch-Partenkirchen - Sein Herz schlägt  fürs Werdenfels Museum - seit Jahren. Nachdem die Einrichtung derzeit erweitert wird, kann Josef Kümmerle seine Pläne nicht verwirklichen und zu seinem 70. Geburtstag aufhören.

Alt? Ob er sich alt fühlt? Josef Kümmerle schaut ein wenig ungläubig drein bei der Frage. Dann ziehen sich seine Mundwinkel unter dem dichten Schnauzer nach oben. Die über Jahre gepflegten Lachfalten um die blauen Augen und hinter den runden Brillengläsern tanzen. „Ach, ge“, sagt er, „dafür hab’ ich doch gar keine Zeit.“ Überall sieht Kümmerle Arbeit und Aufgaben. Gerade rund um sein Werdenfels Museum – das er doch nach seinen eigenen Plänen schon gar nicht mehr leiten sollte. So hat er sich das vorgestellt, als er vor sechs Jahren die Leitung übernahm. Mit 70 ist Schluss, hat er sich gedacht. Am heutigen Dienstag wird Kümmerle 70 – und macht weiter. Der Neubau hat seine Pläne durchkreuzt. Sein Herzensprojekt.

Josef Kümmerle – dieser Name ist so untrennbar mit dem Werdenfels Museum in Garmisch-Partenkirchen verbunden wie das Werdenfelser Land mit der Zugspitze. Dafür lebt er. Man könnte nun sagen: Das hat so kommen müssen. Schließlich ist Kümmerle direkt gegenüber an der Ballengasse zur Welt gekommen. Aber – weit gefehlt. Es war nicht abzusehen, dass er das Haus in der Historischen Ludwigstraße, Nummer 47 einmal gerne betreten, dass er einmal gerne die knarzenden Stufen nach oben gehen würde. Als kleinen Buben haben ihm genau die ordentlich Angst eingejagt. Damals, als im ersten Stock noch ein Zahnarzt seine Praxis betrieb. „Mit jeder Stufe sind die Zahnschmerzen schlimmer geworden.“ Da tanzen die Lachfalten.

Kümmerle: "Es gibt noch so viel zu tun"

Heute nennt Kümmerle die Ludwigstraße 47 sein zweites Zuhause. Seit 1973 ist dort das Museum untergebracht, für das sich der ehemalige Lokomotivführer seit etwa 35 Jahren engagiert. Seit bestimmt zehn Jahren setzt er sich für dessen Erweiterung und den barrierefreien Umbau ein. Als Ende Dezember 2015 der Kreistag das 2,12-Millionen-Euro Projekt endgültig absegnete, „da hab’ ich gewusst, dass das mit meinem Rückzug nichts wird“.

In dem Zusammenhang fallen Kümmerle tatsächlich zwei Gründe ein, weshalb er heute unter anderem mit seiner Frau, seinen beiden Töchtern und vier Enkelkindern doch lieber seinen 60. statt des 70. Geburtstags feiern würde. Erstens: Dann könnte er die neuen Räume des Museums noch zehn Jahre selbst als Leiter genießen. Zweitens: „Es gibt noch so viel zu tun.“

Großer Fan von Patenkind Felix Neureuther

Kümmerle ist voller Tatendrang. Das gilt für seine Begeisterung fürs Berggehen – mindestens einmal in der Woche besteigt er nach Möglichkeit einen Gipfel –, fürs Skifahren – selbstverständlich ist er größter Fan seines Patenkindes Felix Neureuther – und natürlich wie für sein Museum. So überlässt er dem noch unbekannten Nachfolger nicht nur neue, größere und schönere Räume, sondern auch Aufgaben. Zum Beispiel: gescheite Schaufenster. Noch nie hat Kümmerle verstanden, wie man in ein ehemaliges Handelshaus solche Mini-Fenster einbauen konnte. „Man muss die Ware und entsprechend unsere Ausstellungsstücke doch präsentieren.“ Zufällig fiel ihm ein Zeitungsartikel von der Museumseröffnung 1973 in die Hände – das Bild zeigt zwei große, einladende Fenster zur Ludwigstraße hin. Diese Umgestaltung aber, betont Kümmerle, „wird Arbeit für meinen Nachfolger“.

Namen kursieren noch keine. Kümmerle bleibt ja noch eine Weile – frühestens 2017 wird der Umbau abgeschlossen. „Dass ich das noch auf den Weg bringe, hätte ich nicht gedacht.“

Ur-Partenkirchner möchte kein Gemeinderat sein

Halbe Sachen stellen einen Josef Kümmerle nicht zufrieden. „Wenn ich was mach’, dann möcht’ ich es gescheit machen.“ Diese Haltung in Verbindung mit seiner schonungslos, aber doch charmant ehrliche Art und seiner Heimatverbundenheit – heute wohnt der Ur-Partenkirchen direkt an der Grenze zu Garmisch – prädestinieren ihn doch für den Gemeinderat. . .

Das haben schon mehrere gedacht, wollten Kümmerle als Kommunalpolitiker gewinnen. Doch er sagt: Gerade wegen dieser Eigenschaften würde er in dem Gremium nicht glücklich. „Ich will mich nicht verbiegen.“ Könnte er nicht. Die Vorstellung, dass er im Fraktionszwang eine Sache abnicken muss, die ihm nicht gefällt – ihn schüttelt’s gleich. Da marschiert er lieber als unpolitischer Josef Kümmerle direkt ins Rathaus, wenn ihm etwas nicht passt, und setzt sich dann für diese Sache ein. Zu 100 Prozent.

Was aber würde nun ein Josef Kümmerle als Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen als erstes anpacken im Ort? Da winkt Kümmerle gleich ab. Er habe sich grundsätzlich abgewöhnt, zu überlegen, was er als erstes machen würde. „Es gibt schließlich so viel zu tun.“ Da bleibt wahrlich keine Zeit, sich alt zu fühlen.

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