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Beschäftigungs-Boom im Hotel- und Gaststättengewerbe? Gerlinde Eickmann ist „Frühstücksfee“ im Rheinischen Hof. 

Hotel- und Gastgewerbe

Der Mindestlohn - ein Jobmotor?

Landkreis - Das Hotel- und Gastgewerbe im Landkreis ist ein Jobmotor. Nur: Woher kommt dieser Zuwachs? Gewerkschafter machen den 2015 gegen viele Widerstände eingeführten gesetzlichen Mindestlohn dafür verantwortlich – Unternehmer das gut laufende Tourismusgeschäft. 

Erstmals gilt in Deutschland seit dem 1. Januar 2015 ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde. Es ist kein Geheimnis, dass das Gastgewerbe – neben dem Gesundheitswesen ein wichtiges wirtschaftliches Standbein der Region – eine stark betroffene Branche ist. Der Grund: Hier arbeiten besonders viele Beschäftigte mit Niedriglöhnen – sei es als Bedienung oder Küchenhilfe.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die diese Arbeitnehmer vertritt, zieht eine positive Bilanz: „Der 8,50-Euro-Daumen ist oben“, jubelt die Organisation in einer Pressemitteilung – und denkt bereits über eine Erhöhung dieses Sockelbetrags nach. Die zentrale Botschaft: Der Mindestlohn habe sich nicht, wie anfangs von vielen Kritikern befürchtet, als ein Job-Killer und eine Konjunktur-Bremse entpuppt, sondern, ganz im Gegenteil, den Arbeitsmarkt belebt. „Anstatt Servicekräfte oder Küchenpersonal zu entlassen, haben Hotels, Pensionen, Restaurants und Gaststätten neue Kräfte eingestellt“, berichtet Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG Rosenheim-Oberbayern. Viele Arbeitgeber hätten aus Mini-Jobs reguläre Stellen gemacht. Schneider spricht von einem „Riesenerfolg“ – und von einem „Einstieg in den Lohn-Aufstieg für Menschen, die zuvor mit Niedrigstlöhnen abgespeist wurden“.

Seiner Meinung nach war zuvor das hohe Aufkommen an unbezahlten Überstunden das Problem. Dieser „Zeitdiebstahl am Rande“ habe die tatsächlichen Stundenlöhne nach unten gedrückt. Mit dem Mindestlohn sei dieser Missstand beseitigt worden, sagt Schneider. Denn jetzt müssten die Arbeitszeiten genau erfasst werden. Wer sich nicht daran hält, dem drohen empfindliche Strafen.

Um ihre These zu untermauern, dass der Mindestlohn der Wirtschaft nicht schadet, sondern gut tut, hat sich die NGG von dem unabhängigen Pestel-Institut in Hannover für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen Statistiken auswerten lassen. Demnach arbeiteten im Juni 2015 exakt 4251 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in den Branchen Gastronomie und Beherbergung – 5,6 Prozent mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres, als es den Mindestlohn noch nicht gab. Auch die Beschäftigtenzahl insgesamt habe sich positiv entwickelt: Im Sommer 2015 gab es laut NGG 889 Menschen mehr (insgesamt: 26 900), die einen Job hatten, als im Vorjahr.

Die entscheidende Frage ist: Ist dieser Anstieg tatsächlich auf den Mindestlohn zurückzuführen? Die Weilheimer Arbeitsagentur ist vorsichtig, spricht von einer „Interpretationssache“. „Das ist rein hypothetisch“, meint Sprecherin Elvira Thoma. Die Firmen meldeten zwar die Stellen, aber nicht, ob diese aufgrund des Mindestlohns entstanden sind.

Deutliche Worte zur NGG-Argumentation findet Jutta Griess, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes: „Das ist Käse“, sagt die Chefin des Hotels Rheinischer Hof im Kreisort. Verantwortlich für die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt seien die seit Jahren spürbar steigenden Übernachtungszahlen. Allein im Markt Garmisch-Partenkirchen waren es 2015 ihren Angaben zufolge über 1,4 Millionen. Dieser Aufschwung führe zu Investitionen und Einstellungen – und nicht der Mindestlohn, betont die Geschäftsfrau. Diesen nennt sie ein „bürokratisches Monstrum“. Griess weiter: „Das ist nur eine Belastung.“ Vor allem die Arbeitszeiterfassung bedeute einen enormen Aufwand. Löhne sollten ihrer Meinung nach leistungsbezogen festgelegt werden und seien Sache der Tarifpartner – und nicht des Staates. Die 8,50 Euro seien ohnehin hierzulande bezahlt worden.

Andreas Seiler

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