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Im Bann von Momo: (v. l.) Beppo (Gerd Lohmeyer), Gigi (Aris Sas), Liliana (Angela Hundsdorfer), Nino (Otto Beckmann) und die Titelheldin (Janina Stopper).

Momo beim Kultursommer in Garmisch-Partenkirchen

Kampf gegen Zeitdiebe

Garmisch-Partenkirchen - Die Wiederaufnahme von Momo berührt die Kultursommer-Zuschauer im Kongresshaus. Die Geschichte vom Kampf gegen die Zeitdiebe ist auch gut 40 Jahr nach ihrem Erscheinen noch hochaktuell. 

Michael Ende war ein Visionär. Davon können sich die Besucher der Momo-Inszenierung, die aktuell im Rahmen des Kultursommers in Garmisch-Partenkirchen gezeigt wird, selbst überzeugen. Bereits zum zweiten Mal steht die Geschichte von dem Mädchen, das so gut zuhören kann, auf dem Programm – die Premiere war 2013. Die Intensität des Stoffes, den Ende 1973 veröffentlicht hatte, ist nach wie vor ungebrochen. Dies bestätigte auch der Münchner Schauspieler Franz Josef Strohmeier, der 2015 im Theaterstück „Die Wirtin“ mitwirkte und sich Momo heuer zum ersten Mal ansah. „Es ist unglaublich, wie nah einem die Geschichte geht“, sagte er. „Wahnsinn, wie wahr sie heute noch ist.“

Das Mädchen, dass die wertvolle Gabe des Zuhörens besitzt und die Menschen mit ihrer bloßen Anwesenheit inspiriert, berührt. Angesichts der immer schneller werdenden globalen Welt und der rasenden Entwicklung von Technik und Internet tut sie dies vielleicht mehr denn je. „Wir denken, all diese Technologien sparen uns Zeit, dabei lenken sie uns eigentlich vom Wesentlichen im Leben ab“, sagt Strohmeier nachdenklich. Sind das die Zeitdiebe von heute? Die Regisseure Georg Büttel und Gaston lassen dies in ihrer liebevollen Inszenierung mit einem Augenzwinkern durchscheinen. Dass die Aufführung aufgrund des schlechten Wetters nicht im Amphitheater des Michael-Ende-Kurparks, sondern im Saal Werdenfels des Kongresshauses stattfand, tat dem Zauber keinen Abbruch.

Es brauchte nicht viel, um Erwachsene und Kinder in den Bann der Geschichte zu ziehen. Das Bühnenbild war minimalistisch, die Kunst der Darsteller groß. Neben Momo (Janina Stopper), Beppo (Gerd Lohmeyer) und Gigi (Aris Sas) erweckten Angela Hundsdorfer, Otto Beckmann, Tobias Eich, Johannes Schön, Florentine Schara, Korinna Krauss, Stefanie von Poser, Maximilian Pfnür und Lucas Clauss die Geschichte zum Leben.

Die Phantasie der Zuschauer konnte sich so frei entfalten. Dass die meisten Darsteller in mehrere Rollen schlüpften – mal in die der Erwachsenen oder der Kinder, mal in die der Grauen Herren – verdeutlichte, dass sich die einst fürsorglichen Freunde Momos mit ihrem Bestreben, immer mehr Zeit einzusparen, selbst nach und nach verlieren. Es zeigt, dass die Kinder, die zuvor unbeschwert waren, den Glanz in den Augen verlieren, weil sie ihr Leben „nicht mehr mit Spielen vergeuden dürfen“. Schließlich werden sie selbst seelenlos, habgierig und hektisch. Genauso wie die Zigarre rauchenden Zeitdiebe. Die wunderbare Musik von Willfried Hiller (live gespielt von dessen Sohn Amadeus und seiner Band) untermalte jede Szene mit und verlieh der Dramaturgie damit noch mehr Tiefe.

Magdalena Kratzer

Weitere Vorstellungen:

Am 23., 24. und 25. August jeweils um 20 Uhr im Amphitheater des Michael-Ende-Kurparks; bei Regen im Festsaal Werdenfes.

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