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Am Riessersee spielte heuer die "Kindertragödie".

Wie geht's jetzt weiter?

Nach Insolvenz: Zukunft des Kultursommers völlig offen

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Garmisch-Partenkirchen -Die Marktgemeinde ohne Kultursommer: Kulturschaffende im Ort scheinen sich mit dieser Vorstellung abfinden zu können. Nach der Insolvenz von Florian Zwipf-Zaharias Veranstaltungsgesellschaft sehen sie in einem möglichen Aus auch eine Chance.

Gute Nachrichten kann Dr. Christoph Elschenbroich gebrauchen. Schließlich helfen positive Gedanken bei der Genesung. Der parteifreie Gemeinderat hat im Krankenhaus davon erfahren, dass es den Kultursommer in Garmisch-Partenkirchen nach der Insolvenz des Veranstalters in dieser Form wohl nicht mehr geben wird. Seine erste Reaktion: „Ich begrüße das.“ Bekanntermaßen hat Elschenbroich andere Vorstellungen für die Kultur im Markt: Er will das Richard-Strauss-Festival und den Kultursommer zusammenlegen zu einem vielfältigen Festival mit Theater, Tanz, Konzerten, auf Basis von Gastauftritten und ohne sich nur auf Strauss zu fokussieren.

Dr. Christoph Elschenbroich weint Kultursommer keine Träne nach

Dr. Christoph Elschenbroich hat andere Kulturvorstellungen. 

Seit neun Jahren veranstaltet der Garmisch-Partenkirchner das Festival jazzGap, dessen Defizit jedes Jahr die Verantwortlichen tragen. Elschenbroich kennt also das schwierige Geschäft mit der Kultur, das Florian Zwipf-Zaharia das Genick gebrochen hat. Er hat am Freitagnachmittag mit seiner Veranstaltungsgesellschaft, die seit 14 Jahren den Kultursommer organisiert hat, am Amtsgericht Kempten Insolvenz angemeldet. Grund dafür war vor allem ein miserabler Kartenvorverkauf für den Kulturherbst in Geretsried, den Zwipf-Zaharia im Oktober erstmals umsetzen hätte sollen. Zudem kamen nach Garmisch-Partenkirchen 40 Prozent weniger Gäste als 2015. Durch diese Zahlen fühlt sich Elschenbroich bestätigt. „Jedenfalls weine ich dem Kultursommer keine Träne nach.“

So hart würde sich Margot Schäfer, Vorsitzende des Vereins Creme Frech, niemals ausdrücken. Auch zu möglichen hausgemachten Gründen für den Zuschauereinbruch in Garmisch-Partenkirchen äußert sich zurückhaltend. Natürlich sei ein mögliches Aus schade. Doch regt sie an, dies als Anlass zu nehmen, über das Konzept nachzudenken – und sich auf die Anfänge zu besinnen. Damals gestalteten heimische Gruppen das Programm, auch Creme Frech und das Kleine Theater, deren Leiter sich öffentlich zu diesem Thema nicht äußern wollen, waren dabei. Mehr und mehr setzte man jedoch auf auswärtige Mitwirkende. „Vielleicht ist das jetzt das Ergebnis“, sagt Schäfer.

Stücke nicht lustig genug - war das der Grund für den Besucherrückgang?

Dr. Sigrid Meierhofer beschäftigt sich mit den Gründen und Folgen.

Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer hat aus Reaktionen im Ort eine andere Kritik herausgehört: Die Stücke empfanden einige als zu wenig lustig; man konnte nicht „aus Herzenslust lachen“. Das Argument kennt Regisseur Harald Helfrich. Gelten lässt er es nicht. „Machst was Lustiges, kommen die Leute auch nicht.“ Das habe die Erfahrung gezeigt. Zudem: Das Stück „Das Verkaufte Dorf“ 2015 war nicht lustig – und gut besucht. Elschenbroich liefert eine andere Begründung, weshalb der Kultursommer 2016 schlecht gelaufen ist: Er hat sich überlebt. Jahr für Jahr präsentieren Zwipf-Zaharia und sein Team in Elschenbroichs Augen dasselbe. „Das ist einfach langweilig.“ Diese Einschätzung teilt Robert Allmann, Ehrenvorsitzender des Vereins Kulturbeutel und Kulturreferent der Gemeinde, nicht. Vielmehr habe die Veranstaltungsdichte zugenommen. In seinen Augen wird zu viel angeboten. Dieses erste Fazit zieht er aus einer Umfrage, die er initiiert hat, die jedoch noch läuft.

Die Frage nach dem Warum wird alle Beteiligten noch beschäftigen. Meierhofer zufolge wird sie auch im Gemeinderat behandelt. Ebenso wie die Frage nach der Zukunft. SPD-Gemeinderat Allmann hat sich hier schon erste Gedanken gemacht, könnte sich eine Art Rumpfprogramm vorstellen. Konkretes aber weiß auch er so kurz nach der „schlimmen Nachricht“ nicht zu sagen.

Gemeinde könnte auf Kosten sitzen bleiben

Im Oktober wollten sich die Kommunalpolitiker ohnehin den Kulturprojekten im Ort und ihrer Förderung widmen – eigentlich all jenen ab 2018. Denn der Vertrag mit Florian Zwipf-Zaharia und den Kultursommer samt Michael-Ende-Woche, was der Markt mit 220 000 Euro bezuschusst, läuft bis 2017. Angesichts der insolventen Firma aber „ist dieser Vertrag aller Wahrscheinlichkeit nach nichtig“, sagt Meierhofer, die sich über mögliche Folgen erkundigt hat. Auch darüber, ob die Gemeinde möglicherweise auf Kosten sitzen bleibt. Sie will es nicht ausschließen, „aber wenn, dann sind sie minimal“.

Erst seit Mittwochabend kennt Meierhofer das ganze Ausmaß. Wie es weitergeht, weiß sie nicht, hebt jedoch einmal mehr die Bedeutung von Kultur hervor. „Wie eine Art Kitt hält sie die Gesellschaft zusammen.“ Kultur wird also sicher Teil von Garmisch-Partenkirchen bleiben. Nur in welcher Form, das ist offen.

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