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Tag und Nacht sind die beiden Pistenraupenfahrer Roman Marterer (r.) und Jochen Wendler zum Präparieren der Kandahar unterwegs.

Unterwegs mit den Raupenfahrern

Das richtige Gefühl für den Schnee

Garmisch-Partenkirchen - Sie sind auf der Skipiste, wenn andere schlafen. Mit ihren Raupen präparieren sie Abfahrten: pures Hightech am Steuer. Dennoch vertrauen die Männer auf ihr Gefühl - und ihren „Popometer“.

Damit Skifahrer ihrem Sport frönen können, leisten andere Hightech-Nachtarbeit: Raupenfahrer. Sie präparieren die Abfahrten – und haben dabei auch ihren Spaß: Sie steuern ihre Gefährte von bequemen Sitzen aus, hören nebenbei Musik aus dem Radio oder unterhalten sich über Funk mit ihren Kollegen. Es geht lustig zu bei der Arbeit der Pistenraupenfahrer.

Die Raupen sind wahre Hightech-Maschinen: In einem Fahrzeug im Garmischer Skigebiet Classic zeigen drei Bildschirme alle notwendigen Daten zur Schneebeschaffenheit an und auch die Bilder einer Rückfahrkamera. Die Männer in ihren Fahrzeugen haben nun reichlich zu tun, um die Skipisten zu präparieren. Im Classic-Gebiet muss zudem zu den Weltcup-Rennen die berühmte Kandahar in Schuss gehalten werden.

Ein bisschen fühlt sich die Fahrt mit der Pistenraupe den Steilhang hinunter an wie in der Achterbahn – es kribbelt im Bauch. Jochen Wendler von der Bayerischen Zugspitzbahn spürt davon freilich schon lange nichts mehr. Der gelernte Informationselektroniker ist seit fünf Jahren im Team der Raupenfahrer. Bereits während der Schulzeit hat Wendler in den Ferien an Skiliften gearbeitet.

Das Steuern der Raupe ist für den 53-Jährigen der Traumberuf. „Ich hab’ einen Popometer eingebaut“, scherzt der Schichtleiter. „Ein guter Raupenfahrer hat das Gefühl für den Schnee im Hintern.“

Roman Marterer ist schon seit 20 Jahren dabei. Bagger und Raupen sind von jeher die Leidenschaft des 58-Jährigen. „Ich bin froh, wenn ich hier oben bin“, sagt Marterer über seine Arbeit auf der Piste. „Da genieße ich die Ruhe und die Aussicht ins Tal.“

Pistenraupenfahrer ist kein Ausbildungsberuf. Die meisten kommen aus der Branche der Bau- und Landmaschinen. Zumindest bei der Zugspitzbahn ist das Raupenfahren Männersache. Nicht eine einzige Frau gehört dort zum Team der 22 Fahrer. Dafür geben sie ihren Raupen weibliche Namen. „Katl“ heißt eine, „Vreni“ eine andere.

Im Aufenthaltsraum am Hausberg hängen ein Geweih und ein Kruzifix an der Wand, dazwischen der Kalender mit Pin-up-Girls. Die Fahrer fachsimpeln über ihren Job, für den Laien ist längst nicht alles verständlich.

Ein wenig Jägerlatein ist auch dabei. Als wenig Schnee lag, verschmutzte Wild beim Queren von Hängen die frisch präparierten Pisten. Das Rotwild hatte Matsch an den Hufen. „Wir wollten den Rehen schon Fußabstreifer hinlegen, damit der Schnee nicht braun wird“, sagt einer der Fahrer augenzwinkernd.

Gefahren wird in zwei oder drei Schichten, je nach Schneefall. Die erste beginnt um 4.30 Uhr, die letzte geht bis 1 Uhr – oder auch länger, wenn es sein muss. Die Raupenfahrer sind das ganze Jahr über beschäftigt und kümmern sich im Sommer um die Pistenpflege, erneuern Anlagen oder mähen die Abfahrtshänge.

Weniger nachhaltig: Tourengeher, die nachts auf gesperrten Pisten unterwegs sind. Der Horror für Raupenfahrer. Vor allem, wenn die Raupe an einer Seilwinde hängt, kann das für Tourengeher lebensgefährlich sein. Wehe, wem Schichtleiter Wendler vom Garmischer Classic-Skigebiet in die Quere kommt: „Es ist eine Begegnung der unheimlichen Art.“

Paul Winterer

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