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Ein Idyll haben sich Jacqueline und Max Staltmair in ihrem Schrebergarten beim Bahnhof Garmisch-Partenkirchen geschaffen.

Angst um Beete und Blumen

Schrebergärten bald Bauland?

Garmisch-Partenkirchen - Max und Jacqueline Staltmair fürchten, dass ihre gepachteten Schrebergärten in Nähe des Garmisch-Partenkirchner Bahnhofs bald verkauft werden

Sie können es nicht glauben. Diese Nachricht hat Jacqueline und Max Staltmair völlig unerwartet getroffen. Als sie vor kurzen ihre Beete auf dem gepachteten Schrebergarten nahe des Garmisch-Partenkirchner Bahnhofs bestellen wollten, teilte ihnen Vorsitzender Reneé Werzner mit, dass dieses lange nicht mehr möglich sein wird. Mehrere ihm unbekannte Männer hätten das Gelände betreten und mitgeteilt, dass die Gärten bald geräumt werden müssen. „Ich war völlig perplex“, sagt Staltmair. „Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet.“

Das Ehepaar bringt diesen Vorfall mit den Bauvorhaben des Investors Franz Hummel in Verbindung. Ihnen ist bekannt, dass Hummel am Areal des Garmisch-Partenkirchner Bahnhofs Ferienwohnungen, eine Kletterhalle, Hotels und Eigentumswohnungen für rund 70 Millionen Euro realisieren will. Dass jedoch die Schrebergärten – ein Grundstück der Bahn Landwirtschaft in München – davon betroffen sein sollen, war ihnen unbekannt. „Ich dachte, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, sagt Jacqueline Staltmair. Ihre Ängste wurden bei einer Info-Veranstaltung der Freien Wähler im Gasthof Zur Schranne geschürt. Dort ließ Hummel durchblicken, dass die 20 Parzellen auf dem Bahnhofsgelände in einigen Jahren einer geplanten Unterführung weichen sollen. Staltmair sagt, sie habe bereits ein Verkaufsangebot der Bahn im Internet gesehen.

Zu einem Handel ist es anscheinend noch nicht gekommen. Karl-Heinz Bender, Geschäftsführer der Bahn Landwirtschaft, ist von einem Verkauf des Garten-Grundstücks nichts bekannt. „Die Pachtverträge laufen nach aktuellen Stand normal weiter“, sagt er. Auf Tagblatt-Nachfrage beim Bauunternehmen Hummel teilte Prokurist Thomas Schamberger mit, dass es wahrscheinlich sei, dass die Pächter im Rahmen der Erneuerung des Bahnhofes ihre gemieteten Grundstücke in den nächsten Jahren verlassen müssen. „Damit sollten sie rechnen“, sagt Schamberger.

„Schrecklich“ findet Jaqueline Staltmair diese Aussage. Sie und ihr Mann fühlen sich „hingehalten“. Ihrer Meinung nach müsse die Marktgemeinde aktiv werden und für den Erhalt der Schrebergärten sorgen. „Ich erwarte einfach, dass die Gemeinde was für ihre Bürger tut“, sagt Staltmair. Doch die Kommune kann wenig Auskunft über die Nutzung auf dem Bahngelände geben. „Da der Markt Garmisch-Partenkirchen nicht Eigentümer dieser Flächen ist, können wir zu diesem Thema leider nichts beitragen“, sagt Gemeinde-Sprecher Florian Nöbauer.

Vonseiten des Bauträgers bemühe man sich, im Falle der Nutzung der Schrebergarten-Fläche für die Pächter eine Alternative zu suchen. Dies habe Hummel im Gasthof Schranne zugesichert, sagt Staltmair. Bislang sei aber noch keine Lösung gefunden worden. Laut Gemeindesprecher Nöbauer bietet der Markt sowohl in Burgrain, als auch in der Breitenau insgesamt 39 Parzellen Grabeland an. „Hierfür gibt es jedoch eine nicht unerhebliche Warteliste.“

Jacqueline Staltmair will für ihren Garten weiterkämpfen. Demnächst möchte sie mit ihrem Mann bei der Bürgersprechstunde mit Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) das Gespräch suchen. „Es muss eine Lösung geben. Wir haben so viel Arbeit und Liebe in unsere Beete und Blumen investiert“, sagt sie. „Die lassen wir uns nicht einfach wegnehmen."

Magdalena Kratzer

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