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Wer will fleißige Pistenarbeiter sehn, der muss zum Ski-Weltcup auf die Kandahar gehn: Nur dem Einsatz der Mannschaft aus BZB und SC Garmisch ist es zu verdanken, dass die Damenrennen gefahren werden können.

Lob, Anerkennung, Schweigen

Ski-Weltcup von Kampf geprägt

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Garmisch-Partenkirchen - Die Ski-Weltcup-Rennen 2016 sind Geschichte. Sie waren geprägt von Kampf. Offen ist noch, wie es mit Peter Fischer weitergeht.

Solch starke Emotions- und Temperaturschwankungen kennt man sonst nur von der Kneipp-gerechten Krampfadernbehandlung mit Heiß-kalt-Wechselgüssen: Licht und Schatten, Freude Leid: Ein Extrem jagte beim alpinen Ski-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen das andere. Als am Sonntag vor einer Woche wegen der Wetterkapriolen der Riesenslalom der Männer auf der Kandahar abgesagt werden musste, herrschte bei Peter Fischer Weltuntergangsstimmung, nach den Damenrennen am Samstag und Sonntag wieder beste Laune. Der Frust war bei Fischer vor einer Woche derart groß gewesen, dass er den Zwang sah, etwas zu ändern. Nichts Grundlegendes, aber etwas, von dem er hoffte, es würde das Glück zurückzwingen. Die orange-rot-weiß gestreifte Mütze, in den vergangenen Jahren seine stete Kopfbedeckung – er hatte sie auch am Herren-Wochenende getragen –, mottete er ein und ersetzte sie durch eine blau-weiße im Kristallmuster. „Ich bin stark abergläubisch, deshalb habe ich die Mütze gewechselt“, sagt der Chef des Weltcup-Organisationskomitees. Und es scheint etwas genutzt zu haben. Beide Damenrennen konnten gefahren werden – womit nur die größten Optimisten gerechnet hatten.

Sein Versicherungsgesellschaft, die finanziell erneut das Schlimmste erwartet hatte, zählte nicht dazu. Der dortige Tenor: „Ihr bringt die Rennen niemals durch.“ Eine Ansicht, die durchaus realistisch erschien. Aber die Pessimisten hatten die Rechnung ohne die Pistenteams und deren Willen und Einsatzbereitschaft gemacht. Die Kandahar, vor einer Woche nur eine Strecke sulzigen Schnees, präsentierte sich in einem guten Zustand – fair von der ersten bis zur letzten Läuferin. Dass die Weltelite der Speed-Spezialistinnen diese Bedingungen vorfand, dafür hatten die freiwilligen Helfer des Ski-Clubs Garmisch und die Pistenarbeiter der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) fast Tag und Nacht gearbeitet. „Hut ab, was sie geleistet haben“, lobt Fischer. Und auch die Nationalteams zollten Respekt. „Es gab viele, die unseren Arbeitern auf die Schulter geklopft haben.“

Peter Fischers möglicher Rückzug sorgt für Gesprächsstoff

Hohe Weihen gab’s auch für das Publikum – in Garmisch-Partenkirchen bislang eher spröde, zurückhaltend und wenig enthusiastisch. Auch hier vollzog sich ein Wandel. Zwar sind die Zahlen nicht explodiert – zu allen drei Rennen sollen nach Veranstalterangaben 13 000 Besucher gekommen sein – die Stimmung aber schon. Die bei den Damen-Rennen stand der bei der Männer-Abfahrt, die Fischer „die beste aller Zeiten“ bezeichnet hatte, in fast nichts nach. Zudem fand das Verhalten des Publikums, nicht nach den Besten 30 die Tribüne zu verlassen, höchste Anerkennung. „Dass unsere jungen Läuferinnen mit hohen Startnummern in ein volles Stadion einfahren durften, hat sie begeistert“, sagt Ralph Eder, Pressesprecher des Deutschen Skiverbands (DSV).

Weltcup in Garmisch-Partenkirchen: So war's am Samstag

Einen Maulkorb hat sich der DSV bei einer Personalie angelegt, die in den vergangenen Tagen den SC Garmisch und das Weltcup-OK bewegte: Peter Fischer hatte angekündigt, dass er seinen am Jahresende auslaufenden Vertrag als OK-Geschäftsführer wahrscheinlich nicht verlängern werde. „Dazu will ich mich nicht äußern“, sagt Skiverbands-Präsident Franz Steinle. Bei den Menschen, die Fischer kennen und schätzen, sollen seine Rückzugsgedanken Gesprächsthema Nummer eins gewesen sein. „Sie haben bei den Leuten an der Strecke eingeschlagen wie ein Bombe“, teilte Rennleiterin Steffi Wild mit. Und auch bei den Medien hatte die Tagblatt-Exklusiv-Meldung laut Fischer „ein brutales Echo. Ich wurde bei jedem Radio- oder Fernseh-Interview darauf angesprochen“. Viele seiner Mitarbeiter versuchten, ihn in Gesprächen umzustimmen. Deren Bemühen, ihn zum Bleiben oder Weitermachen zu bewegen, sieht er als Bestätigung „meiner Arbeit“. Seine endgültige Entscheidung will Fischer (62) zeitnah bekannt geben.

Bilder: Tolle Stimmung bei der Damen-Abfahrt

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