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Super Stimmung bei der Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen

Kleine Entschädigung für Ticket-Besitzer

Ski-Weltcup: Absage des Riesenslaloms schmerzt

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Garmisch-Partenkirchen - Die Absage des Riesenslaloms ist für das Weltcup-OK ein Schlag ins Kontor. Der finanzielle Schaden lässt sich noch nicht beziffern. 

Außen ganz hart und innen ganz weich. Peter Fischer ist ein Mann, der seine Gefühle nur selten zeigt. Er wirkt unnahbar, ist aber eigentlich eine Seele von Mensch. Gestern war so ein Tag, an dem der Geschäftsführer des Weltcup-Organisationskomitees einen Einblick in seine - verwundbare - Seele gewährte. Die Absage des Riesenslaloms hatte den 62-Jährigen derart mitgenommen, dass ihm in der Lagerhalle an der Kandahar, als er zu rund 200 seiner Mit-Arbeiter sprechen wollte, die Stimme versagte und die Augen feucht wurden. Psychisch an die Grenze der Belastbarkeit hatte ihn die wetterbedingte Absage des Riesenslaloms auf der Kandahar gebracht, nachdem ihn die Abfahrt am Samstag, die bei besten äußeren Bedingungen gefahren werden konnte, noch in Hochstimmung versetzt hatte. „Wir haben uns an diesem Wochenende zwischen Himmel und Hölle bewegt“, sagt Fischer. Und ganz besonders er, der vorlebt, was er verlangt, bewegte sich zwischen diesen beiden Extremen. „Das, was ich hier mache, ist für mich kein Job, sondern eine Herzensangelegenheit.“ Und eine Leidenschaft, die Leiden schafft.

Als Wintermärchen hatte sich Garmisch-Partenkirchen am Samstag präsentiert. Außer großem Sport mit einem Überraschungssieger Aleksander Aamodt Kilde aus Norwegen transportierte das Bayerische Fernsehen Bilder von Schnee, Sonne und einer perfekt präparierten Piste in die Wohnzimmer - und machte Fischer und seine Mannschaft aus 400 Helfern froh. Dass der Sonntag schwierig werden würde, war klar. Der Wetterbericht hatte Regen prognostiziert. Es kam aber noch schlimmer. Pappschnee, der der geschundenen Strecke den Todesstoß versetzte. Selbst ein verkürztes Rennen ab Reservestart 2 (Hölle) ließ sich nicht realisieren. Alle Müh’ und aller Einsatz der Männer und Frauen, die bereits seit 4.30 Uhr in der Früh wieder auf der Kandahar gearbeitet hatten, waren vergebens. „Die Absage war absolut richtig“, sagt Fischer. „Renn-Direktor Markus Waldner hat die richtige Entscheidung getroffen. Die Sicherheit der Rennläufer geht vor.“

Versicherung gegen Rennausfall abgeschlossen

Für das Weltcup-OK und Fischer ganz persönlich ein Schlag, der freilich nur schwer zu verdauen ist - emotional und vor allem finanziell. „Es ist uns ein wirtschaftlicher Schaden entstanden“, erklärt er, „weil uns unser Hauptrennen weggebrochen ist.“ Der Riesenslalom mit Felix Neureuther und Fritz Dopfer hatte in den Kalkulationen eine bedeutende Rolle gespielt. Die Höhe des Verlusts kann Fischer noch nicht beziffern. Natürlich hat das Weltcup-OK gegen einen Rennausfall eine Versicherung abgeschlossen. „Die deckt aber nicht alles ab“, erklärt er. Zudem will er sich bei den Zuschauern, die für den Riesenslalom eine Karte gekauft hatten, kulant zeigen und bietet den Super-G der Damen als Ausgleich an. „Wir hoffen, das ist zumindest eine kleine Entschädigung“, sagt Birgit Seipp vom OK.

Es ist nicht das erste Mal, dass SC Garmisch und Organisationskomitee in der jüngeren Vergangenheit einen derartigen Nackenschlag verkraften müssen. Der härteste passierte 2014, als alle vier Rennen nicht stattfinden konnten. Der Super-Gau. So schlimm kann es diesmal nicht kommen. Am kommenden Samstag und Sonntag stehen auf der Kandahar eine Abfahrt und ein Super-G der Damen auf dem Programm. Atle Skardal, FIS-Renn-Direktor im Damen-Weltcup, erkundigte sich bereits gestern Mittag auf der Rückfahrt von Maribor - das dortigen Slalomrennen wurde ebenfalls ein Opfer der Witterung - über den Stand der Dinge.

Nach der Absage ist für das Pistenteam vor dem nächsten Rennen. Fischer zufolge stehen ab Montag wieder die Helfer mit ihren Gerätschaften bestückt auf der Kandahar, um die Piste in einen befahrbaren Zustand zu versetzen. Auch der Chef wird wieder präsent sein und moralische Unterstützung leisten. Das hatte am Samstagmorgen auch Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) getan, die plötzlich in der Lagerhalle stand und miterlebte, wie sich die SCG-Mitglieder einbringen und wie sie sich mit dem Weltcup identifizieren. „Dass Frau Meierhofer da war, ist gut angekommen“, sagt Fischer. Vielleicht lässt sich die Rathaus-Chefin in dieser Woche noch einmal blicken. Quasi als Motivationsspritze in diesen - physisch, aber auch psychisch - anstrengenden Tagen.

Weltcup in Garmisch-Partenkirchen: So war's am Samstag

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