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Stein des Anstoßes: die Tribüne, auf der hunderte Fans bei Weltcup-Rennen die Skifahrer anfeuern.

Landwirt klagt gegen Organisationskomittee 

Ski-Weltcup: Zwist um Tribüne

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Garmisch-Partenkirchen - Ein Landwirt aus Garmisch-Partenkirchen bereitet seit Jahren den Veranstaltern des Ski-Weltcups graue Haare. Grund dafür ist sein Grundstück im Kandahar-Zielbereich. Dort will er keine Zuschauer-Tribünen dulden.

Viele Jahre bereitete das Ski-Spektakel in der Marktgemeinde dem Landwirt keine Probleme. Die Tribünen endeten vor der Wiese des Klägers, ein Teil seines Grundes wurde lediglich für den Auslauf der Piste benötigt, kaum jemand trampelte auf seinem Eigentum herum. Doch dann bekam Garmisch-Partenkirchen die Ski-Weltmeisterschaft 2011 zugesprochen. Im Vorfeld musste der Pistenverlauf abgeändert werden, und nun stand auch ein Teil der Tribüne (1300 von 2400 Sitzplätze) auf dem Grundstück des Garmisch-Partenkirchners.

Mehr noch als diese Tatsache ärgerten ihn die Eisenteile, die nach dem Abbau der Tribüne dort zurückgelassen wurden. Sie waren ein ewiger Streitpunkt. Das musste auch Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) erfahren, als sie am 1. Mai 2014 ihren neuen Posten antrat. „Er war der erste Bürger in meiner ersten Bürger-Sprechstunde“, sagte die Politikerin gestern als Zeugin vor dem Landgericht München II. Meierhofer versprach Verbesserung, ahnte aber nicht, dass der Landwirt sie im Februar 2015 gehörig unter Druck setzen sollte. Damals forderte er 10 800 Euro Schadenersatz, ansonsten würde er die Zuschauer nicht auf die Tribüne lassen. Das Ski-Weltcup-Organisationskomitee (OK), dem vor vielen Jahren von der Gemeinde die Veranstaltungsrechte übertragen worden waren, zahlte zähneknirschend, „plus 6000 Euro Anwaltskosten“, wie OK-Jurist Peter Samstag bemerkte. Denn ohne Tribüne hätten die Rennen nicht veranstaltet werden können.

Dieses übertragene Nutzungsrecht von der Marktgemeinde auf das Organisationskomitee und die Kenntnis des Klägers darüber waren dann auch der Dreh- und Angelpunkt des Verfahrens. Tatsächlich gibt es keine schriftliche Vereinbarung, sondern nur eine mündliche. Aber natürlich wusste jeder Bescheid, behaupteten die Anwälte des OK. Auch der Kläger, der regelmäßig wie alle anderen 27 Grundstücksbesitzer zu den Rennen eingeladen worden war, musste dieser Umstand spätestens mit dem Antrag auf zwei Karten inklusive Sitzplatznutzung auf der Tribüne klar geworden sein. Davon jedenfalls gingen die Organisatoren aus.

Weltcup auf der Kandahar: Die Bilder vom Super-G

„Einen Sch.... war ich auf der Tribüne“, rief der Landwirt dazwischen. Auf Nachfragen der Richterin gab er zwar zu, viermal bei Weltcup-Rennen gewesen zu sein, er habe aber immer nur einen Stehplatz im Zielbereich bekommen, weil er nie auf die Tribüne gelassen worden wäre. Er ging auch stets davon aus, dass die Gemeinde der Ausrichter der Rennen sei. „Das wurde mir nicht mitgeteilt, bis jetzt habe ich das nicht gewusst“, schimpfte er. Auch für den ehemaligen Bürgermeister Thomas Schmid (CSB), der als Zeuge geladen war, stand es außer Frage, dass die übertragene Nutzung stets publik gemacht worden war. Der Prozess dauert an.

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