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Ausgesperrt: Walter Netzberger vor dem Zaun des Spielplatzes am Kirchweg in Burgrain.

Spielplatz in Burgrain

„Das ist ein Trauerspiel“

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Garmisch-Partenkirchen - Der Kinderspielplatz am Kirchweg in Burgrain ist seit längerer Zeit gesperrt. Die GBW, Eigentümerin des Geländes, hat mit dem Areal Pläne. Es soll verkleinert und teilweise mit Wohnungen bebaut werden. Walter Netzberger kämpft für die Wiederöffnung.

„Wo sollen unsere Kinder denn spielen?“, fragt Walter Netzberger. Der Rentner setzt sich seit Jahren für den Erhalt des Spielplatzes am Kirchweg in Burgrain ein. Von hohen Zäunen umgeben weist ein Schild mit der Aufschrift ,„Zutritt verboten“, darauf hin, dass der Platz nicht betreten werden darf. Für etwa 280 der unter 14 Jährigen, den Großteil der insgesamt 395 Kinder des Ortsteiles, ist das traurig. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als zwischen den Wohnblöcken, auf den Gehwegen oder auf der Straße zu spielen.

Bäume wurden bereits gefällt, Sträucher gerodet. Nach und nach verfallen und vermodern die noch verbliebenen Spielgeräte. Rost und Patina setzen sich durch. Die Gemeinde ist für das Areal seit Januar 2015 nicht mehr zuständig. Heutige Inhaberin ist die GBW-Gruppe, ursprünglich eine Immobilientochter der Bayern LB, die 2013 92 Prozent ihrer Anteile an die Augsburger Patrizia Immobilien GmbH abgegeben hat. Von der Patrizia GmbH übernahm dann die Kavun-Gruppe nach eigenen Angaben am 1. Januar diesen Jahres einige Wohnblöcke rund um den Spielplatz. Dieser selbst sei nicht mit angeboten worden. „Leider, wir wollten für die Häuser selbstverständlich auch einen Platz zum Spielen erwerben“, sagt Firmeninhaber Ibrahim Kavun. Für die Kinder – und weil zu den Häusern schließlich ein Spielplatz gehöre. „Wir wissen gar nicht genau, wem das Gelände nun letztendlich wirklich gehört“, so der Boss der Kavun-Gruppe. „Und wenn wir dürften, wir würden sofort 50 000 Euro in den Spielplatz investieren.“ Er wundere sich auch darüber, so der Baulöwe, dass man ihm die Häuser ohne Spielplatz überhaupt habe verkaufen dürfen. „Wo sollen die Kinder spielen, die hier einziehen?“, fragt er sich.

Von Seiten der GBW, offiziell Besitzerin des Areals am Kirchweg, heißt es in einer schriftlichen Erklärung, die dem Tagblatt vorliegt: „Der Spielplatz am Kirchweg in Burgrain wurde 2015 von der Marktgemeinde an die GBW Gruppe übergeben. Wir haben eine umfassende Begutachtung des Spielplatzes und der vorhandenen Spielgeräte durchführen lassen. Da diese nicht in einem verkehrssicheren Zustand sind, wurde der Spielplatz im Herbst 2015 zur Sicherheit für die Kinder bis zur vollständigen Beseitigung der Mängel gesperrt.“ Die GBW will den Spielplatz sanieren. Dabei sollen die Kosten im Rahmen bleiben. Die Wohnungsbaugesellschaft prüft deshalb in enger Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde, „ob wir durch eine vernünftige Verkleinerung der Spielfläche und gleichzeitige Schaffung wichtigen neuen Wohnraums auf diesem Grundstück die Wohnanlage aufwerten können“. Einen konkreten Termin zur Wiedereröffnung könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genannt werden. „Wir informieren aber unsere Mieter natürlich zeitnah über Planungsfortschritte und bitten darum, die momentane Sperrung aus Sicherheitsgründen ernst zu nehmen.“

Ob sich die Kritiker und Anwohner mit dieser Aussage vertrösten lassen, ist mehr als ungewiss. „Wir hoffen sehr, dass der Spielplatz bald wieder öffnet“, sagt Martin Bader. Eventuell werde man am Lahnewiesgraben, der irgendwann einmal verlegt werden soll, einen neuen Spielplatz errichten. „Aber das ist Zukunftsmusik“, erklärt der Sprecher der Marktgemeinde weiter.

Geduld ist also gefragt. Doch die haben Walter Netzberger und seine Mitstreiter schon lange nicht mehr. „So geht es nicht weiter. Eine Lösung muss zeitnah her“, fordert er. Von seiner Wohnung im zweiten Stock am Kirchweg blickt er direkt auf den verwaisten Spielplatz. „Das ist ein Trauerspiel. Ich habe mich immer wieder selbst um die Spielgeräte gekümmert, hier mal eine Schraube erneuert und dort ein Seil gerichtet. Es ist mehr als schade, dass ich dabei zusehen muss, wie nun alles immer mehr verkommt.“ Er habe etwa 200 Anhänger auf seiner Facebook-Seite, die ihn in seinen Bemühungen unterstützen. „Der Zuspruch der Anwohner ist riesig. Wir können alle nicht verstehen, warum man den Platz nicht endlich wieder öffnet.“

Der ehemalige Soldat lebt seit 1978 in Burgrain, seine beiden Kinder und die Enkel sind hier groß geworden, hatten Spaß auf den beiden bereits abgebauten großen Rutschen und den Schaukeln und Wippen. „Früher haben wir hier gegenseitig auf unsere Sprösslinge aufgepasst, jeder war froh um den Spielplatz“, sagt der 73-Jährige. Ein Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, in dem er sie um Hilfe bittet, blieb bislang unbeantwortet. „Warum baut man für viel Geld eine Verkehrsinsel, die nichts bringt, anstatt in den Spielplatz zu investieren?“, fragt der streitbare Rentner.

Harry Helfrich beschwichtigt und versucht, die Wogen zu glätten: „Es wird sicher eine Lösung geben“, glaubt der SPD-Gemeinderat, der selbst in Burgrain wohnt. „Die Betroffenen“, so schlägt er vor, „sollen sich doch an der Bürgerstunde, die alle drei Monate an einem Freitagnachmittag stattfindet, beteiligen und ihr Anliegen dort der Bürgermeisterin und dem Gemeinderat persönlich vortragen“.

Ob das die Dinge beschleunigt, auch das ist ungewiss. Und der Sommer steht vor der Tür. Lange Tage, an denen die Familien mit ihren Kindern auswärts nach Spielmöglichkeiten suchen müssen.

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