Gericht behandelt Familiendrama 

Stiefvater verprügelt: Freizeitarrest und Sozialarbeit für 18-Jährigen  

Garmisch-Partenkirchen - Folgenschwerer Streit: Ein Stiefvater und -sohn aus dem Ammertal waren kräftig aneinandergeraten. Der Fall beschäftigte jetzt das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen.   

Im Märchen ist es zumeist die Stiefmutter, die ständig an der Stieftochter herummäkelt. Im Ammertal war es ein 56-jähriger Stiefvater, der den 18-jährigen Sohn seiner Ehefrau immer wieder mit Worten wie „Hurensohn“, „Nichtsnutz“ oder „Taugenichts“ beschimpfte. Und zwar solange, bis der junge Mann eines Abends durchdrehte und den Alten so schlug, dass dieser Riss- und Platzwunden am Kopf, Prellungen am Brustkorb und Hämatome erlitt. Das brachte ihm jetzt bei einer Verhandlung im Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen Freizeitarrest und Sozialarbeit ein. Das Verfahren gegen den ebenfalls angeklagten Stiefvater wurde gegen eine Geldauflage von 1000 Euro eingestellt – obwohl er mit einer Rempelei den Vorfall ausgelöst hatte. 

Staatsanwältin Magdalena Gellner schilderte den Hergang: Vor einer Gaststätte in einem Ammertaler Kurort habe am 30. Oktober des vergangenen Jahres gegen 21 Uhr der Streit seinen Anfang genommen. Zuerst schubste der Senior den Stiefsohn auf einer Treppe – und dann der Junior den Stiefvater. Zuhause beleidigte der mittlerweile mit einigen Bieren alkoholisch angereicherte Senior den 18-Jährigen und löste damit eine schlimme Reaktion aus: Der junge Mann warf den 56-Jährigen zu Boden „und schlug ihm, nachdem er wieder aufgestanden war, mehrmals mit der Faust ins Gesicht, um ihn zu verletzen“, schilderte die Staatsanwältin vor Gericht.

Nur gut, dass die 49-jährige Ehefrau und Stiefmutter die beiden Streithähne auseinanderbrachte. Dennoch nahm der gekränkte Stiefvater ein Steakmesser zur Hand und fuchtelte damit drohend vor dem Jüngeren herum. Doch diesem gelang es mühelos, ihm das gefährliche Werkzeug zu entreißen, ehe die Stiefmutter erneut die Lage unter Kontrolle brachte. Vor Gericht erzählte sie, dass ihr Sohn nach dem Vorfall „völlig aufgelöst war und längere Zeit geweint hat“. Der Stiefvater hingegen, der mittlerweile die Frau verlassen hat, begründete seine brutalen Beschimpfungen vor allem damit, „dass es mit dem Stiefsohn von Anfang an nicht gepasst hat“.

Angesichts der Tatsache, dass der von Anwalt Florian Oppenrieder verteidigte Mann niemanden verletzt hatte, stellte Richter Paul Georg Pfluger dessen Verfahren gegen die Geldauflage ein. Doch der vorbestrafte und schlagkräftige 18-Jährige, für den Verteidiger Christian Langhorst 120 Sozialstunden und ein Anti-Aggressionstraining für angebracht hielt, bekam als Jugendstrafe nicht nur zwei Freizeitarreste aufgebrummt, sondern obendrein 40 Stunden Sozialarbeit. „Denn er beging die Körperverletzungen an seinem Stiefvater zwar unter dem Eindruck seiner Beleidigungen, jedoch zeigen die Faustschläge auch einen ganz erheblichen Hemmungsverlust“, sagte der Richter.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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