Türken in Garmisch-Partenkirchen stehen zu umstrittenem Präsidenten

Sympathien für Erdogan

Garmisch-Partenkirchen - Recep Tayyip Erdoğan ist international umstritten. In diesen Tagen mehr denn je. Seine Anhänger aber stehen treu zu ihm, loben seine Erfolge als Präsident der Türkei. Auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

Der Militärputsch in der Türkei beschäftigt auch die Menschen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Der gescheiterte Umsturz sowie die Reaktion von Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan – Massenverhaftungen von angeblichen Verdächtigen, die so genannte „Säuberung“ in der Justiz, im Bildungs- und Staatswesen und die schreckliche Debatte um die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei – haben die Menschen aufgeschreckt. Erdogan bezeichnet sein hartes Durchgreifen als einen „Segen Gottes“. Hierzulande wird starke Kritik an seiner Vorgehensweise laut. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ermahnte den Staatsmann nachdrücklich, sich an die Rechtsstaatlichkeit zu halten. Auch Landkreis-Bürger mit türkischen Wurzeln blicken mit Sorge in Richtung Bosporus. Auf Tagblatt-Nachfrage wollten nur wenige ihre Meinung zu diesem Thema äußern. Diejenigen, die dazu bereit waren, scheinen hinter dem umstrittenen Präsidenten zu stehen.

"Mir fehlen die Worte"

Ömer Anilir

Traurig ist Ömer Anilir, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde (DITIP) in Garmisch-Partenkirchen, dass in der Türkei der Ausnahmezustand herrscht. „Mir fehlen die Worte“, sagt er. Demnächst wollte er nach Istanbul reisen, ist sich aber nun unsicher, ob dies eine gute Idee ist. „Soweit ich mitbekommen habe, hat sich die Lage wieder beruhigt. Aber wer weiß, ob nicht doch noch etwas passiert.“ Er fürchtet einen weiteren Anschlag der Putschisten. Theorien, dass der Präsident den Umsturz inszeniert habe, um mehr Handhabe über die Justiz und den Staat zu bekommen, hält Anilir für „absolut abwegig“. Das harte Durchgreifen von Seiten der Regierung kann er nachvollziehen. „Sehr viele Unschuldige sind bei dem Attentat ums Leben gekommen. Dafür müssen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.“

"Erdogan hat dem Land Gutes getan"

Gülabi Erkoç

Auch Gülabi Erkoç, Dialogbeauftragter der islamischen Gemeinde in Penzberg und Garmisch-Partenkirchen, ist dieser Meinung. Er glaubt jedoch nicht daran, dass Erdogan die Todesstrafe wieder einführen wird. Dies sei „im Eifer des Gefechts“ gesagt worden, vermutet er. Die Türkei sei zu westlich, um auf diese Form der Exekutive zurückzugreifen. „Selbst wenn die Todesstrafe zur Debatte stünde, müsste erst einmal das Parlament darüber abstimmen“, sagt er. Seiner Ansicht nach werde in den Medien immer „recht einseitig“ über die türkische Regierung berichtet. „Manchmal kommt es mir so vor, als würde jeder Anlass hergenommen, Erdogan zu kritisieren.“ Vom Präsidenten könne man halten, was man wolle. Für Erkoç steht allerdings fest: „Erdogan hat die Türkei in vielerlei Hinsicht vorangebracht und dem Land Gutes getan.“ Positiv ist nach Ansicht des Farchanters, dass viele Bürger in Istanbul und Ankara in der Nacht zum Sonntag Erdogans „Wache für die Demokratie“ gefolgt sind und sich auf den Straßen gegen das Militär zur Wehr gesetzt haben. „Die Menschen haben aus freien Stücken gegen den Putsch demonstriert“, sagt Erkoç. „Das ist doch der Inbegriff von Demokratie.“

„Es wird schnell geschimpft“

Hakan Atlas

Diese Meinung teilt Hakan Atlas, Fußball-Trainer des VTA Garmisch-Partenkirchen. Er weist darauf hin, dass schließlich auch Nicht-Befürworter von Erdogan auf den Straßen gewesen seien. Atlas bezeichnet sich selbst als einen „unpolitischen Menschen“, vermutet aber, dass viele Bürger der Türkei von dem Militärputsch in den 1980er Jahren geprägt sind und sich auch aus diesem Grund gegen die Soldaten gestellt haben. „Meine Verwandten haben die Situation damals mitbekommen“, sagt der Garmisch-Partenkirchner. „Sie wollen so etwas nicht mehr erleben.“ Atlas fordert, dass sich die Menschen hier auch einmal in die Situation der Türkei versetzen sollten. „Es wird schnell geschimpft“, sagt er. „In Deutschland würde auch der Ausnahmezustand herrschen, wenn es einen Militärputsch geben würde."

Magdalena Kratzer

Rubriklistenbild: © dpa

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