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Die Arbeitsabläufe im Klinikum werden jetzt noch einmal unter die Lupe genommen.

Frust bei der Belegschaft

Überstunden-Wahnsinn im Klinikum

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Garmisch-Partenkirchen - 40 Überstunden sollen künftig das Maximum sein, das ein Klinikums-Mitarbeiter auf seinem Konto anhäufen darf. Aktuell schieben manche aber wesentlich mehr vor sich her. 

60 000 Überstunden, das entspricht 7500 freien Tagen, tausende Tage Resturlaub und dementsprechend Rückstellungen in Höhe von fünf Millionen Euro. Zahlen, die Bernward Schröter die Sorgenfalten auf die Stirne trieben. „Das ist eine Größenordnung, die ich so nicht kannte“, sagt der Geschäftsführer des Klinikums Garmisch-Partenkirchen. Ein Wahnsinn. Und dabei wurde in den vergangenen Jahren schon reduziert: 2013 waren es noch 80 000 Überstunden.

Daher packte er die Angelegenheit gleich zum Anfang des Jahres an – und sorgte erst einmal für gewaltige Verunsicherung unter den Mitarbeitern. Sein Schreiben vom 5. Januar, in dem es unter anderem hieß, dass Überstunden, die vor 2015 angefallen sind, verfallen, kam allerdings gar nicht gut an. „Das ist ein Skandal“, meint ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden will, gegenüber dem Tagblatt. Was dem Betroffenen besonders sauer aufstößt, ist, dass erst kurz zuvor die neue Magistrale, der Eingangsbereich des Krankenhauses, eingeweiht worden war: „Da fragt man sich, wie man 3,5 Millionen Euro für das ,Wohnzimmer‘ ausgeben kann, jedoch nicht die seit Jahren wegen personeller Unterbesetzung aufgebrachten Stunden vergüten will.“

Auch wenn hier Vergleiche bemüht werden, die in keinem Zusammenhang stehen, kann Schröter den Frust nachvollziehen. Gegenüber dem Betriebsrat seien derartige Sorgen ebenfalls geäußert worden, betont Dr. Martin Rothe, stellvertretender Vorsitzender dieses Gremiums. „Da haben wir dazu gelernt“, sagt Schröter. Und eine zweite Runde samt Informationsterminen angesetzt. Das Ergebnis kommt ihm und Rothe zufolge an. Demnach können Überstunden von 2015 ausbezahlt – „bei 17 000 ist das schon erfolgt“, sagt der Geschäftsführer – oder durch freie Tage ausgeglichen werden. Die aus den beiden Vorjahren seien von den Führungskräften zu bestätigen und würden dann ebenfalls finanziell oder durch Freizeit vergütet. Sollte der Abteilungsleiter besagte Liste nicht unterschreiben, müssten die Mitarbeiter bis zum 15. Februar Anträge stellen – „40 bis 45 liegen schon vor“. Wichtig ist Schröter, „dass nichts pauschal gestrichen wird“. Aber auch, dass es bei aller Wertschätzung des Personals nie mehr zu derart vollen Überstundenkonten kommt.

Von den 1300 Mitarbeitern des Klinikums sind von diesem Dilemma etwa 220 betroffen. „Das zieht sich nicht durchs ganze Haus.“ Vielmehr gebe es einzelne Abteilungen, in denen der Abbau von Überstunden offenbar nicht konsequent verfolgt wurde. „Daher nehmen wir diese Angelegenheit jetzt auch zum Anlass, das zu analysieren“, betont Schröter. „Dabei geht’s aber auch darum, ob die Arbeitsbelastung dort stimmt.“ In das Vorgehen sei der Betriebsrat von Anfang an involviert gewesen, bestätigt Rothe. „Das läuft sehr vertrauensvoll ab.“

Positiv findet der Mediziner, dass das Procedere unabhängig von der Abteilung, in der der Betroffene arbeitet, gleich geregelt wird. Das heißt, egal welchem Tarifvertrag er unterliegt, hat er die Möglichkeit, seine Überstunden zu nehmen. Für den Freizeitausgleich bleibt Zeit bis zum 30. Juni. Wer lieber das Geld will, für den versucht Schröter, beim Finanzamt einen günstigeren Steuersatz auszuhandeln. „Der Antrag wird derzeit geprüft.“

Für diejenigen, die auch noch Urlaubstage vor sich herschieben, steht ein weiteres Gespräch an. Allerdings gilt grundsätzlich, dass der Urlaub bis spätestens 31. März des Folgejahres genommen werden muss. Das bestätigt auch Rechtsanwalt Urs Peter Janetz, der unter anderem auf Arbeitsrecht spezialisiert ist. Eine Ausnahme sei beispielsweise, „wenn der Arbeitnehmer Urlaub beantragt hat, diesen aber von Arbeitgeberseite nie nehmen konnte“.

Um derartige Geschichten künftig zu vermeiden und zudem die Rückstellungen auf eine Million Euro zu reduzieren, arbeitet Schröter neue Betriebsvereinbarungen aus. Sein Ziel ist, dass Mitarbeiter maximal 40 Überstunden auf ihrem Konto haben dürfen. „Da sind dann auch die Führungskräfte gefordert, darauf zu achten“, betont er. In einigen Bereichen müssten auch die Prozesse unter die Lupe genommen und dann verbessert werden. Fänden Visiten beim Patienten etwa nicht wie üblich am Morgen oder Vormittag statt, „dann bedeutet das wesentlich mehr Aufwand für die Pflegekräfte“.

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