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Die Macher der „Feuer“-Ausstellung vor einer alten Feuerwehrspritze (l. Bild): Museumsleiter Josef Kümmerle (l.) und Peter Schwarz – im Hintergrund links ein aus dem brennenden Kirchturm abgestürzter Glockenschwengel.

Fast gesamter Partenkirchner Obermarkt wurde Opfer der Flammen

Werdenfels Museum: Zeugnisse der Brand-Katastrophe

Garmisch-Partenkirchen - Eine eindrucksvolle Ausstellung im Werdenfels Museum erinnert an die bislang größte Brandkatastrophe im Werdenfelser Land: das Feuer von 1865. Beinahe der gesamte Partenkirchner Obermarkt wurde ein Opfer der Flammen.

„Feuer!“ Das Wort sagt alles. Die Sonderausstellung im Werdenfels Museum, die bei großem Publikumsandrang eröffnet wurde, zeigt überdeutlich, was Feuer anrichten kann, wenn man leichtfertig damit umgeht. Ein kleines Versehen beim Abfüllen eines Strohsacks zu nah an einer brennenden Kerze in einem Bauernhaus löste vor 150 Jahren, am Nikolaus-Vorabend 1865, die größte Feuerkatastrophe aus, die sich jemals im Werdenfelser Land ereignet hat. Damals ging binnen ein paar Stunden der gesamte Partenkirchner Obermarkt mit 67 Häusern samt Kirche, Rathaus und Armenhaus in einem Feuermeer unter (wir berichteten). Nur das Simon’sche Haus, in dem sich heute das Werdenfels Museum befindet, blieb erhalten: Das alte Kaufmannsgebäude war im Gegensatz zu den vielen hölzernen Bauernhäusern gemauert, hatte eiserne (!) Fensterläden und sein Inhaber engagierte Leute, die halfen, von der umgebenden Hitze zum Schwelen gebrachte Balken zu löschen.

„Weil es nur relativ wenige Aufzeichnungen über das Feuer gibt, war es nicht ganz leicht, Exponate für diese Schau zusammenzubringen“, sagt Museumsleiter Josef Kümmerle. Doch die 60 Gegenstände, die vom „Nikolausfeuer“ zeugen, sind anschaulich genug: Beispielsweise sind zwei alte handbetätigte Feuerspritzen zu sehen, von denen eine aus Partenkirchner Beständen schon damals dabei war. Auch eine uralte Schlauchhaspel, eine Feuerwehr-Signaltrompete, Ausrüstungsgegenstände einstiger Wehrmänner und ein lederner Wasser-Löschbehälter, den seinerzeit jedes Haus haben musste, können die Besucher begutachten. Das einzige Foto, das nach dem Brand von der Kirchenruine gefertigt wurde, und ein Glockenschwengel veranschaulichen die Katastrophe. Letzterer war beim Kirchturmeinsturz nach unten gefallen und so im Gegensatz zu den Glocken, die vor Hitze schmolzen, erhalten geblieben.

An Helfern habe es am 5. Dezember 1865 nicht gefehlt, berichtete Peter Schwarz, der die Schau mit Kümmerle konzipiert hat. „Als erste kamen die Garmischer, dann die Obergrainauer, die Farchanter, die Oberauer, Ohlstädter und Eschenloher Feuerwehren, zum Teil auch mit ihren Spritzen. Es war gut organisiert, doch letztendlich hatten sie keine Chance. Das Problem war nämlich das Wasser, es war ein extrem regenarmer Herbst, Kanker und Fauken führten kaum Wasser, die wenigen Brunnen waren schnell leer und Schnee war noch nicht vorhanden. Hinzu kam ein Föhnsturm.“

Zwei Ehrengäste hatte Kümmerle gleich als Brandberichter engagiert, Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) und Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Die Rathaus-Chefin schilderte zunächst den Hergang der Katastrophe von der vermutlichen Ursache bis hin zu Rettungsmaßnahmen und den Folgen: „Aus ganz Bayern kamen Hilfsgelder und Kleiderspenden und ähnlich wie schon König Max nach dem Brand 1863 zweitausend Gulden in bar bringen ließ, wies Ludwig II. sofort die Forstverwaltung an, allen Geschädigten Bau- und Schnittholz zur Verfügung zu stellen.“ Das Bezirksamt habe dann beim Wiederaufbau auf gemauerte Außenwände und ein festes Dach geachtet. Teilweise durfte nicht mehr so eng bebaut werden wie ehedem, was unter anderem zur Folge hatte, dass manche Familien sich an der späteren Hindenburg-, der Münchner- und der St. Anton-Straße niederließen.

„Das Ereignis hat letztlich dem Ortskern das Gesicht verliehen, wir wie es heute kennen“, betonte Speer. Das malerische Straßenbild von einst sei durch die Brände im 19. Jahrhundert fast vollständig vernichtet worden: „Viele Familien verloren ihr Hab und Gut und das Ensemble, das wir heute kennen, ist ein Denkmal des Wiederaufbaus des 19. Jahrhunderts und der Lüftlmalerei im 20. Jahrhundert.“

Wolfgang Kaiser

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