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Verhör mit fünf Zeugen

Faustschlag kostet 3600 Euro

Garmisch-Partenkirchen - Eskalation in der Diskothek: Zwei Garmisch-Partenkirchner mussten sich vor Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. 

„Wir sind uns sehr nahe gekommen“, sagte der Angeklagte, und Amtsrichter Paul Georg Pfluger antwortete trocken: „Das klingt nett“. Das was sich freilich beim „Näherkommen“ in einer Garmischer Disko ereignet hat, war alles andere als nett: Der 23-jährige Taxifahrer und sein Spezl (22), beide aus Garmisch-Partenkirchen, wurden nämlich der gefährlichen Körperverletzung beschuldigt, begangen an einem Oberauer (24), mit dem der Taxifahrer „geschäftliche Differenzen“ gehabt hatte. In Erinnerung an den vorangegangenen Streit soll nämlich der 23-Jährige, als er seinen Ex-Kunden in dem Lokal sah, ihn am Hals gepackt haben. Danach griff sein Kumpel ein und verpasste ihm einen derart heftigen Schlag an den Kopf, dass der Oberauer eine Schädelprellung erlitt, die ihn tagelang schmerzte. Während das Verfahren gegen den Taxler gegen Bezahlung einer Geldauflage von 1500 Euro eingestellt wurde, kostet der Kopfschlag seinen hilfreichen Kumpel eine Geldstrafe von 3600 Euro. Richter Pfluger konnte sich obendrein einen Hinweis auf den Zweck von Diskos nicht verkneifen: „Nachtlokale sind nicht dazu da, Schlägereien auszutragen, sondern ausschließlich zur Entspannung.“

Das seltsame „Näherkommen“ in dem Lokal hatte sich laut Staatsanwältin Anja Hermann am 19. Juli 2014 gegen 4 Uhr früh ereignet: Nachdem der Taxifahrer schon früher am Abend an der Silberackerstraße in Partenkirchen die Beförderung des Oberauers verweigert hatte, weil er eine Flasche Bier dabei gehabt habe, trafen er und sein Freund in dem Garmischer Nachtlokal zufällig den abgewiesenen Fahrgast wieder. Prompt sei Streit zwischen beiden ausgebrochen. Der damit endete, dass sowohl der Taxler als auch sein Nicht-Kunde am Boden landeten.

Wie es dazu gekommen war, das musste Richter Pfluger erst durch das Verhör von fünf Zeugen ermitteln. Denn immerhin behauptete der 23-Jährige zunächst, dass erst der Oberauer ihm eine „reingehauen“ habe. Er selbst habe ihn anschließend nur an der Gurgel gepackt, bevor sein Freund die Faust benutzte. Diesen Sachverhalt zu ermitteln, bedurfte langwieriger Befragungen. Beispielsweise war von einer Zeugin (20) nur zu hören, „dass der 23-Jährige einen Schlag bekam, von wem, weiß ich aber nicht“.

Auch betrachteten die Verhandlungsbeteiligten einen kurzen Videofilm aus der dunklen Disko, aus dem sie auch nicht alle Details entnehmen konnten. Immerhin stand für Richter Pfluger anschließend fest, „dass der 22-Jährige dem Oberauer einen Faustschlag an den Kopf gegeben hat“. Andererseits sei aber ein von diesem behaupteter vorangegangener Schlag des Taxlers nicht nachzuweisen.

Wolfgang Kaiser

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