Die Wallgauer im Anmarsch: Bei der Eröffnung der Ruder-WM in München im August 2007 ist die Kompanie dabei. foto: fkn

Wallgau feiert seine Gebirgsschützen

Wallgau - Vor 25 Jahren haben es sich einige Mannsbilder in den Kopf gesetzt und kurze Zeit später wahr werden lassen: die Wiedergründung der Wallgauer Gebirgsschützen-Kompanie.

Plötzlich klingelt bei Hans Baur das Telefon. „Herr Hauptmann, wir haben einen Gefangenen“, tönt es ihm am anderen Ende entgegen. Der Anruf kommt aus Ohlstadt. Dort sitzt der „Klos’n-Hiasl“ nach einem Ausrücker seiner Wallgauer Gebirgsschützen-Kameraden fest. „Dann haben wir ihn halt befreien müssen“, meint Baur, der beim Erzählen dieser Anekdote über den inzwischen verstorbenen Mathias Schöpf immer noch herzhaft lachen muss.

Es sind diese Geschichten und unauslöschlichen Erlebnisse, die die Wallgauer Gebirgsschützen zur verschworenen Gemeinschaft zusammen geschweißt haben. Kommende Woche (26. bis 29. Juni) feiert die Kompanie ihr 25-jähriges Wiedergründungsfest.

Begonnen hat alles wie so oft mit einer Vision: Warum sollten die Krüner und Wallgauer ihre von König Ludwig II. aufgelöste Kompanie nach knapp 120 Jahren nicht wiederbeleben? Diese Frage warf Ende der 1980er Peter Schäfer senior (gestorben 2011) auf. Daraufhin stöberte dessen Spezl Hans Baur im Hauptstaatsarchiv in München - und wurde tatsächlich fündig. Ihren Antrag auf Wiedergründung bei Joseph Wengermayer, dem damaligen Geschäftsführer des Bundes der Bayerischen Gebirgsschützen, begründeten die Wallgauer und seinerzeit auch Krüner wie folgt: „Die Bewohner dieser Gemeinden waren immer in irgendeiner Form in Mittenwalder Wehrformationen inkorporiert.“ Als Quelle berufen sich Baur und Co. unter anderem auf die Standliste der Nationalgardisten 3. Klasse im Markt Mittenwald von 1809/1810 und auf das Kirchenbuch der Mittenwalder Pfarrei. Kurz und gut: Der Gründungsversammlung am 4. August 1989 im Gasthof Post stand nichts mehr im Weg. „Es sind unheimlich viele Leute gekommen“, erinnert sich Baur - 82 um genau zu sein. Dort wird der langjährige Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes zum - zunächst kommissarischen - Hauptmann gewählt.

Bis zum heutigen Tag steht der redegewandte Jurist bei den Gebirgsschützen an der Spitze - mit viel Humor und Überzeugungskraft. „Wir sind der letzte Rest der bayerischen Armee. Sonst ist von der bayerischen Souveränität nicht viel übriggeblieben.“ Damit zielt der 65-Jährige, der im Herbst noch einmal für drei Jahre kandidieren möchte, auf alle 47 im Freistaat registrierten Gebirgsschützen-Einheiten ab (Wallgau ist Nummer 41). Waren es zunächst nur 25 Gleichgesinnte, so wuchs die Zahl im Isartal-Dorf auf nun mehr 195 an, darunter 98 Aktive. Diese sind mit ihren grünen Joppen, roten Westen Westen, weißen Strümpfen und natürlich mit ihren Karabinern 98 schon unzählige Male ausgerückt - unter anderem 1995 zur berühmten Steuben-Parade in New York und 2007 zur Eröffnung der Ruder-Weltmeisterschaft in München.

Die Gebirgsschützen leben mehr denn je. Da ficht es Baur auch nicht an, wenn Kritiker diese Waffenträger als rückwärtsgewandte Folklore-Truppe titulieren. „Wir haben nichts pickelhaubenhaftes“, stellt er klar. „Und so lange wir in der Satire eine Rolle spielen, sind wir auch wer.“

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