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Der Herodes in der Richard-Strauss-Oper Salome gehörte zu Gerhard Stolzes Paraderollen.

Zum 90. Geburtstag von Gerhard Stolze

Gerda Prochaska erzählt von ihrem Mann, dem Opernstar

Garmisch-Partenkirchen - Er war ein gefeierter Opernsänger, viel zu früh ist er gestorben: Gerhard Stolze hätte am 1. Oktober seinen 90. Geburtstag gefeiert. In Garmisch-Partenkirchen hatte er mit seiner Ehefrau nach den vielen Reisen ein Zuhause gefunden.

Der große Sänger mochte seine Frau Gerda so gern, dass er sich seit der Hochzeit Gerhard Prochaska geborener Stolze nannte. In Garmisch-Partenkirchen wollte sich das Sänger-Ehepaar zur Ruhe setzen.

Einmal hat Gerda Prochaska ihren Mann Gerhard Stolze nach Paris begleitet. Er sang den Herodes in Richard Strauss‘ Salome, die als „schwarze Venus“ bekannte Grace Bumbry die Titelrolle. Sie war aus New York angeflogen, litt unter der Zeitumstellung, war stimmlich nicht in Form. Als das Publikum zischt, verlässt sie einfach die Bühne. Darauf legt der Dirigent Georg Solti den Stab nieder und tritt ab. Dann erscheint Herodes. Er hat hinter dem Vorhang das Geschehen nicht mitbekommen, singt: „Wo ist die Prinzessin? Wo ist Salome?“ „Es war ein Skandal“, erinnert sich Gerda Prochaska. Ihr Mann reagierte damals gelassen: „Was regst Dich auf?“, sagte er zu seiner Frau: „So schnell hab’ ich noch nie meine Gage verdient.“

Es war ein turbulentes Leben an seiner Seite. Nur endete es viel zu früh. Mit 52 Jahren erlag der Sänger 1979 in Garmisch-Partenkirchen, wo er seit wenigen Jahren lebte, einem Gehirnschlag. An diesem 1. Oktober wäre er 90 Jahre alt geworden. „Für die Oper bedeutete Gerhard Stolze unendlich viel“, schrieb damals „Die Zeit“: „Seine Ausdruckskraft sprengte gewohnte Grenzen. Alle, die seine Rollen jetzt übernehmen, seine Charakterstudien nun nachprägen müssen, werden es sehr schwer haben.“

Wenige Tage vor seinem Tod hatte er ergreifend den Schwachsinnigen in Boris Godunow in München gesungen, sollte zwei Wochen später in Stuttgart als Mime in Rheingold auftreten. Was damals die wenigsten im Opernbetrieb wussten: „Er wollte nach 30 Jahren auf der Bühne seine Karriere ausklingen lassen“, erzählt Gerda Prochaska. Sie hatte ihrem Mann zuliebe die Sängerlaufbahn aufgegeben und ihr Engagement an der Wiener Volksoper beendet. „Ich bin in Garmisch-Partenkirchen aufgewachsen. Er fühlte sich hier sehr wohl, und wir hatten uns ein schönes Heim geschaffen. Endlich waren wir nach unserer vielen Reiserei angekommen.“

Gereist war Stolze wahrlich genug. Als bester Wagner- und Strauss-Charaktertenor seiner Generation war er gefragt im Covent Garden London und an der New Yorker Met, bei den Salzburger Festspielen und fast alljährlich in Bayreuth, in Berlin, München und Wien. Die Regisseure Wieland Wagner und Günther Rennert haben den gebürtigen Dessauer als „Sing-Schauspieler“, als großen Darsteller, der er im Musiktheater wurde, geprägt. Der Dirigent Herbert von Karajan unterstützte ihn bedingungslos. „Als mein Mann mit 32 Jahren mit Kinderlähmung in der eisernen Lunge lag, hat Karajan als Direktor der Wiener Staatsoper dafür gesorgt, dass sein Vertrag so lange gehalten und bezahlt wird, bis er wieder singen kann“, sagt Gerda Prochaska. Als Stolze kaum genesen in Bayreuth im Tannhäuser auftrat, war er noch so schwach, dass die Lyra am Kostüm aufgestützt werden musste. Er ließ sich von der Krankheit nicht niederringen, sang sich durch viele Rollen von der Operette bis zum Heldenfach, arbeitete mit Persönlichkeiten wie Karl Böhm, Leonard Bernstein und Carlos Kleiber zusammen.

„Ich wünsche mir, dass die Leute nicht sagen: ,Ach, der Stolze singt immer noch.‘ Sie sollen sagen: ,Schade, dass er nicht mehr singt.‘“ An diesen Satz fünf Monate vor seinem Tod denkt Gerda Prochaska oft. Dieser Wunsch ging ihm – auch wenn er es wohl anders gemeint hatte – in Erfüllung.

Eva Stöckerl

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