Produktion eines VW ID.3. Der Mangel an Mikrochips und anderen wichtigen Elektronik-Bauteilen setzt der Autoindustrie zu.
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Produktion eines VW ID.3. Der Mangel an Mikrochips und anderen wichtigen Elektronik-Bauteilen setzt der Autoindustrie zu.

Chipmangel und andere Lieferprobleme

Geduld beim Autokauf gefragt: Lange Wartezeiten für Kunden - in Extremfällen bis eineinhalb Jahre

  • Peter Reinbold
    VonPeter Reinbold
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Die Hersteller weltweit bauen gezwungenermaßen deutlich weniger Autos, als sie könnten. Kunden, die eines kaufen wollen, brauchen oft Geduld. Das hat auch Folgen für den Gebrauchtwagenmarkt. Wie sind die Autohändler im Landkreis betroffen – und wie reagieren sie auf die Situation? Eine Bestandsaufnahme.

Landkreis – Wer ein neues Auto kauft, muss immer länger darauf warten. „Je nach Fabrikat und Modell hat sich die Lieferzeit bei einem Großteil auf drei bis sechs Monate eingependelt“, sagt Marcus Weller, Marktexperte beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe. Bei manchen Premiummodellen müssten sich Kunden sogar neun Monate bis ein Jahr lang gedulden, bis sie den Wagen in Empfang nehmen können. Hintergrund sind vor allem die Lieferengpässe bei wichtigen Bauteilen, darunter Halbleiter. Hersteller drosseln deshalb die Produktion. Stefan Reindl, Leiter des Geislinger Instituts für Automobilwirtschaft, sagt voraus: „Die Problematik langer Lieferzeiten könnte sich im Herbst 2021 bis weit ins Frühjahr 2022 verschärfen.“ Die Folge: Rabatte auf den Listenpreis werden seltener, auch Gebrauchtwagenpreise ziehen an.

Diesen Trend bestätigen auch Autohändler aus dem Landkreis. „Uns plagen alle die gleichen Probleme, weil die meisten Firmen mit denselben Zulieferern zusammenarbeiten“, sagt Robert Seidl, Geschäftsführer von Mercedes Hornung in Garmisch-Partenkirchen. Seidl kennt Extremfälle, in denen Kunden sogar bis zu eineinhalb Jahre auf ihr bestelltes Fahrzeug warten müssen. „Bei den großen SUV kann das schon mal vorkommen“, sagt er. Derartige Fälle sind auch für Karl Keilhauer für die Sportkarossen von Premiumhersteller Porsche aktuell. „Auch wir kennen derartige Lieferzeiten“, sagt der Geschäftsführer von Auto Heitz in Garmisch-Partenkirchen, der neben Porsche zudem die Marken VW, Skoda und Audi vertreibt.

Neuwagengeschäft schwächelt

Aber auch einige Modelle der Massenmarken verzeichnen lange Wartezeiten. Ein Golf mit Verbrennermotor erreicht je nach Ausführung schon mal eine Wartezeit von bis zu neun Monaten, das Elektromodell ID.3 kann erst nach zehn Monaten zur Auslieferung kommen. Wer sich für ein kleines Modell der Marken Mercedes oder VW entscheidet, erhält hingegen bedeutend schneller den Schlüssel für sein fabrikneues Auto überreicht. Als Zeitraum nennt Seidl drei bis sechs Monate, ein VW T-Roc zum Beispiel steht schon nach vier Monaten zur Auslieferung bereit.

Das Neuwagengeschäft schwächelt – in Deutschland dürften heuer statt der anvisierten 3,1 Millionen lediglich 2,78 Millionen verkauft werden –, der Absatz von Gebraucht- und Jahreswagen hingegen boomt mit hohen Stückzahlen und Preisaufschlägen. „Damit können wir die Ausfälle gut auffangen“, sagt Keilhauer. Ähnlich äußert sich Seidl.

Von Hyundai gut beliefert

Die Aussagen seiner Kollegen kann Hans Noll, der seit Jahren die Geschicke des Autohauses Stanglmair, Vertragshändler für Opel und Hyundai mit Niederlassungen unter anderem in Murnau und Garmisch-Partenkirchen, leitet, nur in Teilen bestätigen. Was für Mercedes, VW, Audi und Porsche gilt, belastet auch die Traditionsmarke Opel, deutsche Tochter des Stellantis-Konzerns. Der Chipmangel und weitere Bauteile verzögern die Auslieferung bestimmter Neuwagen. Betroffen ist ganz besonders der Zafira, der als Familien-Van und als Transporter zum Einsatz kommt. „Bei bestimmten Modellen kann die Wartezeit schon ein Jahr betragen“, sagt Noll. Da ist es von Vorteil, dass beim zweiten Standbein, seit 2005 vertreibt das Autohaus Stanglmair auch die südkoreanische Marke Hyundai, von Mangelwirtschaft keine Rede sein kann. „Wir werden von Hyundai sehr gut beliefert, die Liefertreue ist hoch“, erklärt Noll. Ausfälle fast Fehlanzeige. „Wir haben gut bestellt und viel erhalten.“

Ganz besonders positiv läuft der Handel mit Elektrofahrzeugen des südkoreanischen Volumenherstellers. 40 Prozent entfallen auf batterieangetriebene Autos, hinzu kommen diverse Plug-in-Modelle, bei Opel liegt der Anteil zwischen 10 und 15 Prozent. Zum Nischenprodukt verkommen ist der Diesel, der nur noch drei Prozent der Hyundai-Stückzahl ausmacht, die Stanglmair verkauft, bei Opel liegt der Anteil wegen der Nutzfahrzeuge etwas höher. Eine großere Rolle spielt der Selbstzünderantrieb bei Mercedes Hornung und Auto Heitz. „Wer mehr als 20 000 Kilometer im Jahr fährt, der entscheidet sich für einen Diesel“, stellt Keilhauer klar.

Das Geschäft mit Elektroautos hat auch in seinem Haus enorm zugenommen. Auf 25 Prozent beziffert er es – Tendenz steigend. Dass ab 2030 keine Pkw mit Verbrennermotoren mehr auf die Straße kommen sollen, hält er ebenso für sicher wie Noll. „Das ist realistisch“, sagt Keilhauer. Noll geht noch weiter: „In fünf Jahren verkaufen wir wahrscheinlich nur noch Elektroautos.“

Lieferzeiten Verbrenner

Modell (beliebteste Modelle von Januar bis September 2021)Lieferzeit
VW Golf 6-9 Monate
VW Tiguan6-9 Monate
VW T-Roc4 Monate
VW Passat3-4 Monate
Fiat Ducato5 Monate
BMW 3er 4 Monate (Plug-in-H.)
VW Up6 Monate
Mini4-5 Monate
Skoda Octavia6 Monate

Lieferzeiten Elektro

Modell (beliebteste Modelle von Januar bis September 2021)Lieferzeit
Tesla Model 31-2 Monate
VW ID.3 10 Monate
Renault Zoe 5 Monate
Hyundai Kona Elektro4 Monate
Smart Fortwo 8 Monate
VW ID.4 6-9 Monate
Skoda Enyaq 5 Monate
Fiat 500 Elektro3 Monate
BMW i3 5 Monate

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