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Die letzten Punkte vergeben die Juroren (v.l.) Serge Stam, Hieronymus Köstler, David Gusset, Roland Baumgartner und Christoph Graff. Bürgermeister Adolf Hornsteiner (4.v.l.) schaut ihnen dabei über die Schulter. foto: Tokarski

Geigenbau-Wettbewerb: Das Geheimnis der Bewertung

Mittenwald - Endspurt beim Geigenbau-Wettbewerb: Am Samstag werden die Sieger gekürt. Wir haben der Jury über die Schulter geschaut...

Schema F reicht nicht. Damit überzeugt kein Geigenbauer die Jury. Massenware, die sich nicht abhebt, scheidet aus. „Das ist Schreinerhandwerk“, unterstreicht Hieronymus Köstler. Nicht aber hochwertiger Geigenbau, der künstlerische Anspruch fehlt. Diese Geigen, Celli und Bratschen bekommen von ihm und seinen vier Kollegen Serge Stam (Niederlande), David Gusset (USA), Roland Baumgartner (Schweiz) und Christoph Graff (Frankreich) nicht besonders viele Punkte.

Doch allzu viele schlechte Instrumente hatten die Experten nicht in der Hand. Noch bis zu diesem Samstag sitzen sie in der Mittenwalder Geigenbauschule, vergeben Punkte, rechnen sie zusammen, diskutieren. Die Entscheidung fällt am Vormittag nach der öffentlichen Klangprobe (11 Uhr). Dann stehen die Sieger des 7. Internationalen Geigenbau-Wettbewerbs fest. Verkündet werden sie am Samstagabend beim festlichen Abschlusskonzert im TSV-Saal (18 Uhr).

Dann ist die Arbeit von Köstler und seinen Kollegen beendet. Ebenso wie für die drei Juroren Josef Gabriel, Eric Grandchamp und Peter Oxley, die die eingereichten Bögen bewerten. Hinter den Experten liegt eine lange, anstrengende Woche. Mindestens acht Stunden saßen sie täglich in der Schule zusammen. Sie inspizierten die Instrumente der rund 200 Teilnehmer aus 30 Ländern ganz genau. Das Modell, das verarbeitete Holz, der Lack, die Montage - alles zählt. Nach der ersten Begutachtung fielen rund zehn Prozent der Geigen raus. „Entweder waren sie handwerklich sehr schlecht, oder es war die Signatur zu sehen“, nennt Stam Beispiele fürs Ausscheiden. Der Name des Erschaffers gehört nicht aufs Instrument. Zudem spielen professionelle Musiker auf ihnen. Denn gesucht wird „ein handwerklich sehr gutes Instrument, das auch herausragend klingt“, gibt Köstler das Ziel vor. Das schaffen nur die wenigsten Geigenbauer. Heuer haben die Juroren „ein breites Mittelfeld und eine ganz dünne Spitze“ ausgemacht, schildert sein Schweizer Kollege Baumgartner seinen Eindruck. Die Spitzenreiter trennen etliche Punkte vom Durchschnitt.

Nicht immer haben es die Experten leicht. Manchmal sind sich die Geigenbauer in fünf Minuten einig, dass eine Bratsche nur Mittelmaß ist. Dann wieder beratschlagen sie eine halbe Stunde über ein Exponat. „Umso länger es dauert, desto besser“, verrät Stam. Ein Cello bereitet der Jury richtig große Sorgen. „Es ist handwerklich äußerst hochwertig, klingt aber überhaupt nicht“, erzählt Baumgartner. Noch ist nicht klar, ob es bei den Celli überhaupt einen Sieger geben wird. Denn Instrumentenbau „ist kein Leistungssport“, unterstreicht Stam. Es gewinnt nicht der Beste, sondern nur, wer wirklich überzeugt - in Handwerk und Klang. Schließlich geht es um hochwertige Kunst, die Jahrhunderte übersteht. Noch heute wird auf Geigen gespielt, die über 350 Jahre alt sind. Dafür reicht kein Schema F.

(nine)

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