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Leicht übermüdet, aber glücklich präsentieren die Geigenbauschüler ihre Werke. 

Instrument entsteht im Schnelldurchlauf

Experiment geglückt: Geige in 24 Stunden gebaut

Mittenwald - Eine komplette Geige innerhalb von 24 Stunden bauen? Geht nicht? Zwei Dutzend Geigenbauschüler bewiesen kürzlich in Mittenwald das Gegenteil.

Georg Morgenstern reibt sich die Augen. Müde ist er jetzt schon, meint er. Es ist kurz vor acht Uhr morgens am Samstag. Mit den letzten kleinen Arbeiten ist er nach 24 Stunden endlich fertig mit seiner Geige. „Dazu war ein straffer Zeitplan nötig“, erklärt der Geigenbauschüler. Gegen zehn Uhr morgens trudelten nach und nach die fünf Gruppen bei der großen Holzgeige im Mittenwalder Ortsteil Gries ein. „Vier Stück waren mit bezogenen Saiten sogar spielfertig“, zeigte sich Morgenstern erfreut. Bei einer Gruppe war noch eine Zwinge auf dem Hals. „Kleine Nacharbeiten sind bei allen noch zu machen.“ Denn komplett fertig sind die Geigen natürlich erst, wenn der Lack aufgetragen ist. Nach gegenseitigem Bewundern und Begutachten der kleinen Meisterstücke strömten alle 25 angehenden Geigenmacher erschöpft in die Betten. Was für ein Tag.

Doch warum nahmen die Schüler der Mittenwalder Instrumentenbauschule diese Tortur überhaupt auf sich? Für den guten Zweck natürlich. Fünf Gruppen mit je fünf Schülern bauten innerhalb von 24 Stunden eine komplette Geige. „Das Projekt wurde mit Holz von Alpentonholz Pahler sowie durch geliehenes Werkzeug und „Spielfertigmach-Zubehör“ wie Wirbel oder Saiten von der Instrumentenbauschule unterstützt“, so Morgenstern.

Die Organisation lag ganz bei den Schülern selbst. Gebaut wurde ab Freitag um 8 Uhr morgens in der Geigenbauschule, nach Unterrichtsschluss in den jeweiligen Wohngemeinschaften. „Die fertigen fünf Instrumente werden nun an ein soziales Projekt gespendet, worüber die Schülerschaft noch entscheiden muss“, erklärt Morgenstern das weitere Prozedere des Experiments.

Doch nicht nur reine Geigenbauer waren am Werk. „Ich habe als Auszubildende im ersten Lehrjahr Gitarrenbau nur aus Interesse mit gemacht“, erklärt beispielsweise Christina Müller. Sie verrichtete „einfache Arbeiten wie Bassbalken hobeln oder Sachen sägen beziehungsweise fräsen“. Die meiste Zeit kümmerte sie sich jedoch um die Verpflegung mit Kaffee und Kuchen. Zudem sorgte sie nachts für die perfekte Ausleuchtung durch Lampen: „Schließlich wurde es immer dunkler am Küchentisch.“

Auch die Gruppen wollten bei Laune gehalten werden. „Es war ein großartiger Zusammenhalt unter den Schülern spürbar“, lobt Müller. So brachten jene, die aufgrund ihrer Abschlussarbeiten nicht mitmachen konnten, Gebäck vorbei oder „beehrten“ die verschiedenen WG’s mit aufmunternden Besuchen und Kommentaren. Ein syrischer Freund von Müller machte gar Falafel, Popcorn und gefüllte Teigtaschen. „Es war auch interessant, mal zu sehen, wie ein Ort in der Früh so langsam erwacht.“ So war es unterm Strich für alle Beteiligten „eine tolle Erfahrung“, die Entstehung einer Geige im Schnelldurchlauf miterlebt zu haben.

Josef Hornsteiner

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