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Ungewisser Blick in die Zukunft: Rektor Dr. Frederik Habel

Geruchsbelästigung in Mittenwalder Einrichtung

Geigenbauschule: Ein Spuk und kein Ende

Mittenwald - Nun rücken erneut Experten an, um dem Geruchsproblem in der Geigenbauschule auf die Spur zu kommen. Einige Kreisräte hingegen wollen am liebsten einen Schluss-Strich ziehen.

Guntram Gattner, ÖDP-Kreisrat aus Murnau, hat mit Dr. Frederik Habel, dem Rektor der Mittenwalder Geigenbauschule, selbst noch nie gesprochen. Dennoch fragte Gattner in der Schulausschuss-Sitzung im Landratsamt plötzlich in die Runde, ob schon einmal über einen Aufhebungsvertrag für Habel nachgedacht worden sei. Denn dessen Verhalten – „das ist ja fast pathologisch“. Was der Murnauer mit dieser forschen Analyse bei Landrat Anton Speer (Freie Wähler) erntete, war zunächst ein ungläubiger Blick. Offenbar wusste sein Murnauer Gegenüber nicht, dass der Landkreis in puncto Geigenbauschule nur sogenannter Sachaufwandsträger ist, für Personalfragen zeichnet die Regierung von Oberbayern verantwortlich. Ein Detail, das Gattner nach zweieinhalb Jahren im Schulausschuss offenbar entgangen zu sein scheint.

Mit der drastischen Wortwahl „pathologisch“ liegt er hingegen gar nicht so falsch. Habel und eine Mitarbeiterin leiden nachweislich und zwar chronisch an der Krankheit „Mehrfache Chemikalien-Sensivität“ (MCS) – möglicherweise hervorgerufen durch Öle, die beim Umbau des alten Forstamts zum Verwaltungstrakt der Geigenbauschule vor über drei Jahren in den Parkettboden eingelassen wurden. Zumindest – welch Zufall – begann genau zu dieser Zeit die Leidensgeschichte von Habel und seiner Sekretärin. „Bereits in den Herbstferien 2013 war ich so sehr geschädigt, dass ich dieses Handwerk (Anm. d. Red.: Instrumentenbau) nicht mehr ausüben konnte.“

Habel, stets um Haltung bemüht, schmerzen Gattners Formulierungskünste natürlich, aber das lässt er sich nicht anmerken. „Wenn er meint, er muss so etwas zum Besten geben.“ Näher möchte er sich über die Pathologie-Analyse des Kreisrats, mit den er laut eigener Auskunft gar nicht kennt, nicht äußern. „Für mich zählen nur Fakten“, betont Habel. Und die besagen, dass es seit Bezug des alten Forstamts in drei Räumen (Direktorat, Sekretariat und Besprechungszimmer) das Geruchsproblem nach wie vor nicht aufgearbeitet ist. Wobei Guido Kamp, der oberste Beamte im Landratsamt, in bestem Juristendeutsch mit Nachdruck feststellt: „Objektiv ist die Raumluft nicht mehr belastet.“ Das ist das Ergebnis mehrerer Untersuchungen. Doch woher kommen dann Übelkeit, Kopfschmerzen, Augenbrennen, Hustenreiz und Atemnot bei Habel. „Diese Reaktionen können nur auf die starke Schadstoffbelastung der Raumluft in den frisch renovierten Räumlichkeiten zurückzuführen sein“, betonte Habel bereits im April gegenüber dem Tagblatt. „Weil die Betroffenen vorher alle gesund und mit einem Schlag alle gleichermaßen betroffen waren.“

Eine Lösung bringt möglicherweise eine weitere Untersuchung, die von Kreisbaumeister Alkmar Zenger für diese Woche angekündigt wurde. Im Parterre soll das denkmalgeschützte Parkett herausgenommen werden, weil darunter in den Kellerräumen Hohlräume entdeckt wurden. Vielleicht schlummert dort die Antwort auf alle Fragen? So recht glauben wird wohl keiner daran.

Exemplarisch für diese Debatte um subjektive Wahrnehmung steht die Einschätzung von Kreisrätin Alexandra Roos-Teitscheid (CSB). „Wenn man in das Gebäude geht, hat man ein schlechtes Gefühl.“ Damit spielte die Garmisch-Partenkirchnerin auf die Schulausschuss-Sitzung vor einem Jahr in den ominösen Räumen an. Irgendwie hätte sie danach „ein bisschen Kopfweh“ verspürt.

Michael Gansler (Freie Wähler) dagegen stellte die pragmatische Frage, warum bei der ausführenden Firma seinerzeit keine Mängel-Anzeige gestellt wurde – in der Baubranche nicht zuletzt aus Regressgründen üblich. Achselzucken beim Kreisbaumeister. Seinem Chef Speer blieb nur das Schlusswort, das sehr allgemein, um nicht zu sagen, hilflos klang: „Wir bleiben am Ball, wir nehmen die Sache sehr ernst.“

Christof Schnürer

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