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Ernste Miene in einer bitterernsten Sache: Rektor Dr. Frederik Habel ist beim Disput um das sanierte Forstamtsgebäude das Lachen schon längst vergangen.

Dauerdisput mit Landratsamt

Geigenbauschule: Rektor erwägt juristische Schritte

Mittenwald - Dr. Frederik Habel war immer um Ausgleich und Konsens bemüht. Nun aber schlägt selbst der besonnene Leiter der Geigenbauschule Mittenwald schärfere Töne an. Ihm stinkt das Verhalten des Landratsamts in puncto Geruchsbelästigung im neuen Verwaltungstrakt (altes Forstamt) gewaltig.

Wollen die Verantwortlichen im Landratsamt das Problem aussitzen? Dr. Frederik Habel (45) kommt’s fast so vor. Seit November 2015 hat er von ihnen nichts mehr gehört. „Es gab keine Informationen – weder schriftlich noch telefonisch.“ Dabei geht es um eine ernste Angelegenheit: Bis heute hat die Kreisbehörde als sogenannte Sachaufwandsträgerin nichts gegen die Geruchsprobleme im neuen Verwaltungstrakt der Geigenbauschule (Altes Forstamt) getan – und das, obwohl bei Rektor Habel und einer seiner Sekretärinnen die chronische Krankheit „Mehrfache Chemikalien-Sensivität“ (MCS) diagnostiziert worden sei.

Seitdem plagen sich die beiden mit Übelkeit, Kopfschmerzen, Augenbrennen, Hustenreiz und Atemnot herum. „Diese Reaktionen können nur auf die starke Schadstoffbelastung der Raumluft in den frisch renovierten Räumlichkeiten zurückzuführen sein, weil die Betroffenen vorher alle gesund und mit einem Schlag alle gleichermaßen betroffen waren“, zeigt sich Habel überzeugt. Nun erwägt der erkrankte Schulleiter sogar rechtliche Schritte gegen das Landratsamt.

Dort wiederholt man das, was Kreisbaumeister Alkmar Zenger schon in einem sehr fahrigen Interview gegenüber dem Bayerischen Fernsehen mitgeteilt hat. „Die Möglichkeit einer alternativen Unterbringung der Mitarbeiter der Geigenbauschule in andere Büroräume ist bereits seit August 2015 im Gespräch und wurde vom Kreisbauamt mit den Gutachtern und Planern diskutiert“, lässt Sprecherin Franziska Klein wissen. „Eine Nutzungsänderung der Räume soll in Abstimmung mit der Schulleitung und mit den jeweiligen Nutzern erfolgen.“ Immerhin: Das Landratsamt kündigt für Ende April ein „internes Gespräch“ mit dem Rektor an, der seit fünf Monaten auf ein Lebenszeichen der Behörde wartet.

Rektor: Landratsamt soll Verantwortung übernehmen

Aber Habel fährt jetzt schwere Geschütze auf: „Der erste verhängnisvolle Fehler war, dass das sanierte Gebäude noch während der Ausführung der Restarbeiten zur Nutzung freigegeben wurde. Hier sehe ich ein großes Handlungsverschulden von Seiten des Kreisbauamts.“ Der „zweite ganz große Fehler“ sei gewesen, dass man bis heute versucht, durch Einbau einer Luftdurchzugsanlage die Anreicherung der Raumluft zu mindern, „aber nicht daran denkt, die Ursachen zu beseitigen, obwohl diese bekannt sind“. Damit zielt der Rektor auf die Lacke und Fußbodenöle, die bei der Umgestaltung des Forstamts verwendet worden sind und bei ihm und seiner Sekretärin diese chronische Chemikalien-Unverträglichkeit ausgelöst hätten. „Bis zum Einzug in die renovierten Schulverwaltungsräume (Anm. d. Red.: 2. September 2013) war ich ein vollkommen gesunder Mensch“, verdeutlicht Habel. „Bereits in den Herbstferien 2013 war ich so sehr geschädigt, dass ich dieses Handwerk nicht mehr ausüben konnte.“ Ein längerer Besuch in einem Werkstattraum ist seitdem nicht mehr möglich.

Bis heute fragt sich der Rektor, warum das Landratsamt auf Empfehlung des Sachverständigen Dr. Uwe Erfurth aus Bad Kohlgrub („Das ist ein Behörden-Skandal“) aus den drei betroffenen Räumen (Direktorat, Sekretariat und Besprechungszimmer) nicht die Böden herausreißt und neues Parkett verlegt. Doch böse Zungen behaupten, das käme einem Schuld-Eingeständnis gleich. Und diesen Eindruck möchten Landrat Anton Speer (Freie Wähler), dessen Vorgänger Harald Kühn (CSU), die Sanierung veranlasst und umgesetzt hatte, und seine Verwaltung offenbar keinesfalls erwecken.

Schon lange sind der Gestank in der Geigenbauschule und dessen gravierende Folgen ein absolutes Reizthema, mit dem man nicht allzu gerne konfrontiert werden möchte. Da jedoch sind sie bei Frederik Habel mittlerweile an der falschen Adresse. „Vom Landratsamt erwarten wir, dass die Verantwortung für die MCS-Erkrankung übernommen wird und man sich für uns einsetzt, damit diese schnellstmöglich als Berufskrankheit anerkannt wird.“

Starker Tobak eines durch und durch integeren Mannes. Aber genau in Habels Forderung liegt möglicherweise das Problem: Denn Verantwortung übernehmen, heißt aus Sicht des Landratsamts im schlimmsten Falle auch, mögliche Schadensersatz-Zahlungen zu leisten.

Christof Schnürer

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