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Geiger Automotive steht zum Verkauf

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Neuer Eigentümer gesucht: die Geiger-Zentrale im Murnauer Ortsteil Neu-Egling. Foto: Kolb
Neuer Eigentümer gesucht: die Geiger-Zentrale im Murnauer Ortsteil Neu-Egling. Foto: Kolb

Murnau - Beim einstigen Sorgenkind unter den Unternehmen im Landkreis, der Geiger Automotive GmbH, brummt inzwischen wieder das Geschäft. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen soll der Autozulieferer, der seinen Stammsitz im Murnauer Ortsteil Neu-Egling hat, verkauft werden.

Die Logik der globalisierten Wirtschaft ist manchmal schwer zu verstehen. Beim einstigen Sorgenkind unter den Unternehmen im Landkreis, der Geiger Automotive GmbH, brummt inzwischen wieder das Geschäft. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen soll der Autozulieferer, der seinen Stammsitz im Murnauer Ortsteil Neu-Egling hat, verkauft werden. Dies hat unsere Zeitung aus gut informierten Kreisen erfahren. Es liefen bereits Verhandlungen mit etwa einer Handvoll Interessenten, heißt es.

Die Geiger-Chefetage hält sich bedeckt: „Es laufen Gespräche mit Interessenten über eine neue Gesellschaftsstruktur“, sagt Geschäftsführer Helmut Hinkel – und verweist auf die niederländische Investmentgesellschaft HTP, zu der die Geiger-Gruppe mit insgesamt sechs Niederlassungen in Deutschland, Polen und den USA gehört. Die HTP-Pressestelle in Frankfurt wollte einen Verkauf nicht kommentieren. In der Branche ist jedoch das Vorhaben kein Geheimnis. Einer der HTP-Gesellschafter soll in den niederländischen Medien schon entsprechende Andeutungen gemacht haben.

Im Murnauer Betrieb wird anscheinend der Informationsfluss klein gehalten. Es sei die Rede davon, dass ein internationaler Partner oder Gesellschafter gesucht werde, ist aus Gewerkschaftskreisen zu erfahren. Es hat allerdings niemand Zweifel daran, dass damit eine Übernahme gemeint ist. Für heute ist ein Treffen der Betriebsräte mit der Geschäftsleitung geplant.

Wolfgang Nebl, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates, ist alarmiert. „Wir wollen frühzeitig in den Prozess eingebunden werden“, sagt er. Oberstes Ziel müsse es sein, die Standorte und die Arbeitsplätze zu erhalten. Nebl, der in dem Murnauer Werk arbeitet, fordert zudem, dass die Tarifsicherheit erhalten bleibt, sollte ein neuer Eigentümer das Kommando übernehmen. In der Belegschaft sei eine „gewisse Unsicherheit“ zu spüren. In der gesamten Gruppe arbeiten an die 1000 Menschen, in Murnau rund 260.

Ihre Sorge: Sollte ein Konkurrent den Zuschlag erhalten, dann würde dieser mit Sicherheit Synergien nutzen. Was in der Sprache der Betriebswirte und Kaufleute harmlos klingt, hat oftmals gravierende Folgen in Form von Entlassungen oder gar Werkschließungen.

Es ist gerade mal vier Jahre her, da stand das traditionsreiche Familienunternehmen, das zu den größten Arbeitgebern im Landkreis gehört, vor dem Aus (wir berichteten). HTP schluckte damals den schwer angeschlagenen Kunststoff-Spezialisten und brachte ihn wieder auf Vordermann. Die neue Firmenspitze meldete Ende 2011 volle Auftragsbücher, satte Umsätze und schwarze Zahlen.

Wieso HTP die Geiger-Betriebe nach so kurzer Zeit wieder abstoßen will, darüber kann nur spekuliert werden. Insider machen den harten Wettbewerb in der Branche dafür verantwortlich. Großaufträge von BMW, Audi & Co. bekämen meist nur Firmen, die auch in Asien und Südamerika produzierten, argumentieren sie. Denn dort seien in den Augen der Autobauer die Absatzmärkte der Zukunft. Das Problem, das Geiger habe: Das Unternehmen sei auf den besagten Kontinenten nicht vertreten. HTP müsste entweder viel Geld in neue Standorte stecken – oder (gewinnbringend) verkaufen. Die Niederländer haben sich offenbar für Letzteres entschieden.

(as)

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