Letztes Geleit: Pfarrer Manfred Reitlinger geht vorneweg, Mitglieder des Skiclubs Partenkirchen transportieren den Sarg. Fotos: Thomas Sehr

Ein Geist voll Kraft und Energie - Abschied von Inge Wörndle

Garmisch-Partenkirchen - 250 Trauergäste hatten sich auf dem Friedhof Partenkirchen versammelt. Sie verabschiedeten Inge Wörndle.

Der 23. Januar 2011. „Es war ein schöner, sonniger, ein winterlicher Tag“, erinnert sich Pfarrer Manfred Reitlinger von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Partenkirchen. Damals gratulierte er Inge Wörndle zu ihrem 95. Geburtstag. Gestern nun sprach er Worte des Abschieds bei der Aussegnung und Beerdigung der Ehrenbürgerin der Marktgemeinde. Und wieder war es ein schöner, ein sonniger Tag.

Die Mitglieder des Skiclubs Partenkirchen schritten zwischen den rund 250 Gästen hindurch. Sie brachten den Sarg zum Grabe. Begleitet wurden sie von der Familie Wörndles, von Freunden, Vereinskollegen und Vertretern der Gemeinde, darunter die drei Bürgermeister.

Rathaus-Chef Thomas Schmid (CSB) richtete ein paar Worte an die Trauergemeinschaft. Er könne sich noch gut daran erinnern, wie er als Kind Inge Wörndle erlebte. „Ich habe ihre Stimme gehört. Jeden 1. Januar.“ Als Bub war er beeindruckt, wieviele Sprachen die Stadionsprecherin des Neujahrsskispringens konnte. „Da nahm ich mir vor, auch eine zu lernen. Sie war ein Vorbild.“ Und das bis zuletzt - weil sie sich bis ins hohe Alter engagierte. Sie kommentierte Wettkämpfe für die Rennrodler, half beim Lotsendienst im Klinikum und setzte sich für ihren Traum von Olympia 2018 in Garmisch-Partenkirchen ein. „Sie war eine Botschafterin, ein Idol und Ideal für die jungen Menschen“, sagte Schmid, der das „Glück und Privileg hatte“, Wörndle kennen zu lernen.

Bekannt war die gebürtige Berlinerin auch beim SC Partenkirchen. Dem Club war sie 1934 im Alter von 18 Jahren beigetreten, weil sie davon träumte, als Langläuferin bei den Olympischen Spielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen zu starten - doch weil die Disziplin der Frauen nicht olympisch war, wurde daraus nichts. Teil nahm sie trotzdem: als Dolmetscherin. Dafür hatte sie extra Italienisch gelernt. Viele weitere Einsätze bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und anderen Sportveranstaltungen folgten für die Sprecherin, die von den Amerikanern den Spitznamen „The voice“ bekam. Sie blieb dem SCP treu, wurde 1996 zum Ehrenmitglied ernannt. „Der Skiclub Partenkirchen verliert mit Inge Wörndle einen liebenswerten Menschen“, betonte Vereinspräsident Michael Maurer. Die Zustimmung war ihm gewiss.

Ebenso Pfarrer Reitlinger, der über Wörndle berichtete: „Gott hat ihr einen Geist gegeben voll Energie und voll Kraft.“ Die Wahl-Garmisch-Partenkirchnerin sei ausgestattet gewesen mit einem unglaublichen Willen. „Sie war für alle Menschen, die sie kennen lernen durften, ein Geschenk“ Und sie war es auch für jene, die einst ihre Worte durch den Ort hallen hörten, die sie mit Informationen und auch mit den Emotionen des Sports fütterte. Die Stimme ist nun verstummt. Doch die Erinnerung bleibt. Bei jedem einzelnen, der sie getroffen - oder gehört - hat.

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