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Hickhack beendet: Die Gemeinde investiert nun doch. Bei dem Kauf geht es um den hinteren linken Teil des Bierling-Hauses.

Langes Hickhack vorbei

Gemeinde kauft das Bierling-Haus

Bad Bayersoien - Entscheidung hinter verschlossener Tür: Die Gemeinde investiert nun doch ins Bierling-Haus und nimmt dafür 350.000 Euro  in die Hand. 

 Überraschende Kehrtwende in Bad Bayersoien: Die Gemeinde hat doch das Bierling-Haus von der Geschwister-Bierling-Stiftung gekauft. Dazu entschloss sich der Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung. Der Preis liegt laut Bürgermeisterin Gisela Kieweg bei 350 000 Euro plus Maklergebühren. Das ist weniger als ursprünglich gefordert. Der notarielle Kaufvertrag wurde vorletzte Woche geschlossen.

Einen Tag vor Jahresende saßen die Soier Räte nochmals über das Bierling-Haus zusammen. Nur dieses Thema stand auf der Tagesordnung. Nach einer Stunde umfangreicher Diskussion ging es an die Abstimmung. Und siehe da: Die knappe Mehrheit sprach sich für einen Kauf aus.

Dies hatte im Juli vergangenen Jahres anders ausgesehen, als das Angebot der Stiftung bei Stimmengleichheit durchfiel. Manche Räte fürchteten, sich mit dem Gebäudeteil aus den 1950er Jahren einen Klotz ans Bein zu binden, außerdem habe der Ort kein Geld dafür. Für 380 000 Euro hätte die Kommune den hinteren Teil des markanten Gebäudes an der Dorfstraße mit 614,70 Quadratmetern Geschossfläche samt 1023 Quadratmetern Grundstück bekommen. Das Ganze zahlbar ab Januar 2016 zu 1500 Euro Monatsraten plus einem festen Zins. Die Stiftung ging sogar auf 360 000 Euro herunter.

Sinn macht der Kauf vor allem vor dem Hintergrund, dass der Gemeinde bereits ein Stück des alten Kaufmanns-Ensembles gehört. Dort sind das Museum und die Blaskapelle untergebracht. Bürgermeisterin Kieweg dachte für den Ankauf an eine soziale Nutzung, vielleicht für einen Seniorentreff samt Schüler-Mittagsbetreuung. Außerdem gebe es dafür Fördermittel, warb sie vergebens.

Entsprechend enttäuscht war die Stiftung über die Abfuhr. Sie bot ihr Anwesen auf dem Immobilienmarkt an und hätte an privat veräußert. Laut Vorsitzendem Mathias Beckstein gab es „konkrete Interessenten“. Umso überraschter sei man nun über die Nachricht vom positiven Ratsbeschluss. „Aus unserer Sicht war die Gemeinde bereits aus dem Spiel, als wir das Gebäude auf dem Markt angeboten haben.“

Kieweg begründet ihren erneuten Vorstoß mit der Dorfentwicklung: Es sei ihr ein Anliegen, „dass komplette Gebäude für die Gemeinde zu sichern“. Dass die Stiftung sich darüber freut, will Beckstein nicht verhehlen. Man sei von „Anfang an der Auffassung gewesen, dass die Gemeinde als Eigentümer des kompletten Bierling-Hauses auf Grund dessen Geschichte am ehesten dem Stifterwillen entspricht“. Die Stiftung war am 20. August 2005 von den Schwestern Agnes und Maria Bierling, den letzten Nachkommen des alten Kaufmannsgeschlechts, gegründet worden. Zweck und Ziel: Die Förderung des Heimatgedankens, der Jugendarbeit und der Unterstützung bedürftiger Personen vorrangig in Bayersoien. Dennoch wäre es „der Stiftung lieber gewesen, die Gemeinde hätte sich früher zu einem Kauf entschlossen und nicht erst unmittelbar vor einem Verkauf an einen externen Interessenten“, teilt der Vorsitzende mit.

Dass es nun zum Stimmungsumschwung einiger Räte kam, kann man wohl auch mit der Kritik erklären, die die Nein-Sager im Dorf zu hören bekamen. So mancher Bürger hatte kein Verständnis dafür, dass sich die Gemeinde den Kauf entgehen lässt. Zweiter Bürgermeister Georg Haseidl war vor allem aus baulichen Gründen einer der Wortführer gegen die Investition gewesen. Wie er jetzt abgestimmt hat? Haseidl hält sich bedeckt und verweist auf den nicht-öffentlichen Beschluss: „Ich will mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu äußern.“

Auch die künftige Nutzung ist unklar. Kieweg zufolge wird sich der Gemeinderat in den nächsten Monaten damit beschäftigen. Auf Wunsch der Gemeinde gehen Nutzen und Lasten erst im Juli an sie über. Kieweg jedenfalls sieht im Bierling-Haus bekanntlich eine große Entwicklungsmöglichkeit für den Ort.

Andreas Baar

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