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Hat mit dem Gemeinde-Krankenhaus, hier die Großküche, viel vor: Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger.

Altes Murnauer Gemeinde-Krankenhaus

Ehrgeizige Ziele: Wirtschaftsförderer will Innovationsschmiede

Murnau - Das Vorhaben, aus dem verwaisten Murnauer Gemeinde-Krankenhaus ein Zentrum der Kreativbranche zu machen, nimmt konkrete Formen an: Laut Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger ist ein großer Teil der Räume bereits reserviert – für vielversprechende Firmen und Projekte.

Für Bittlinger, der als neuer Wirtschaftsförderer die Marktgemeinde voranbringen soll, steht einiges auf dem Spiel: Die Umsetzung des Kreativquartier-Konzepts in dem Klinikgebäude, das vorerst nur als Zwischenlösung geplant ist, gilt als seine Bewährungsprobe. So viel ist sicher: Vor allem die Ortspolitiker, die gegen die Anstellung des Experten waren, werden sehr genau hinsehen – und irgendwann Bilanz ziehen.

Die gesteckten Ziele sind hoch: Bittlinger will junge Unternehmen aus Zukunftsbranchen im Ort ansiedeln, um qualifizierte Arbeitsplätze und damit Perspektiven für junge Menschen zu schaffen. Er denkt dabei etwa an den Bereich der Software-Programmierung. „Wir wollen der wirtschaftliche Motor im Landkreis sein“, sagt Bittlinger auf Nachfrage. Dafür brauche man jedoch einen langen Atem. Der Hintergrund ist bekannt: Bittlinger tritt – wie sein Dienstherr und Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) – dafür ein, den Wirtschaftsstandort Murnau breiter aufzustellen und nicht nur auf die beiden großen, bestehenden Standbeine Tourismus und Gesundheitswesen zu setzen.

Seit Oktober ist nun der Ansprechpartner für Betriebe dabei, mögliche Mieter für die leerstehende Immobilie an der James-Loeb-Straße – Eigentümer ist der Markt – zu gewinnen. Ihm zur Seite steht die Münchner Beraterin Zehra Spindler (wir berichteten). Offenbar ist die Vermarktung gut angelaufen: Bittlinger spricht jedenfalls von vielen Interessenten und Besichtigungen. Die Mietverträge – angeboten werden ausgesprochen günstige Konditionen und Förderungen – seien zwar noch nicht unterschrieben, aber es habe schon mündliche Vereinbarungen gegeben. Etwa 60 bis 70 Prozent der freien Räume seien auf diese Weise so gut wie vergeben. „Ich bin mit dem Verlauf rundum zufrieden“, sagt Bittlinger. Im Frühjahr könnte man, wenn alles glatt läuft, starten.

Und um welche potentiellen Mieter handelt es sich dabei? Der Rathaus-Mitarbeiter nennt Vertreter der Startup-Szene aus der Region und München, die hier loslegen wollen – zum Beispiel aus den Bereichen App-Programmierung, IT und Software, Holzdesign sowie Kunstleasing. Auch sei man in Verhandlung mit einem örtlichen Gastronom, der sich dafür interessiert, die vorhandene Großküche zu betreiben. Bittlingers Herzensprojekt ist eine Art Labor für 3D-Druckverfahren, mit dem sich alle möglichen Teile herstellen lassen. Dem Wirtschaftsförderer schwebt die Gründung eines Vereins durch die Gemeinde vor, dem Schüler und Entwickler beitreten können. Er sieht darin ein Zukunftsthema: „Das ist keine Hobby-Veranstaltung. Daraus entstehen heute schon Komponenten für Industriezweige.“ Insgesamt soll ein offenes Haus der Begegnungen und Netzwerke entstehen.

Das politische Okay des Gemeinderats für diese Ideen steht jedoch noch aus. In einer der nächsten Sitzungen will Bittlinger dem Gremium einen konkreten Wirtschaftsplan vorlegen. Die Grundsatzentscheidung, es mit dem Kreativquartier zu probieren, wurde bereits gefällt. Bittlinger hofft, dass daraus eine Dauereinrichtung wird. Murnau setzt beim alten Gemeinde-Krankenhaus auf eine Mehrfachverwertung, die in dieser Form ungewöhnlich ist. Neben den Kreativmenschen sollen auch noch Flüchtlinge und – für die Zeit des Rathaus-Umbaus – die Verwaltung untergebracht werden. Was langfristig aus der Liegenschaft werden soll, steht noch nicht fest.

Andreas Seiler

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