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Über den Dächern Mittenwalds: Ein Forstwirtschaftsmeister entfernt am Gröblweg mit einer Handsäge dürre Äste in einer großen Linde, ehe diese abbrechen.

Von 800 Exemplaren bereits 160 abgearbeitet

Baum-Katalog als Beweismittel

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Mittenwald - Aufwändige Arbeit: Die Marktgemeinde Mittenwald führt nun ein Baumkataster. Zum Schutz der hölzernen Gewächse, der Bürger - und zur eigenen Absicherung.

Ein mächtiger Ast kracht im Sturzflug zu Boden. Dann noch einer und noch einer. Beabsichtigt. Denn in schwindelerregender Höhe hängt ein Mann, ein Forstwirtschaftsmeister, an Seilen gesichert zwischen dem kahlen Geäst einer der großen Linden am Mittenwalder Gröblweg. „Er schneidet mit einer Handsäge die dürren Äste raus“, erklärt Thomas Bockhorni vom Forst. Eine Aktion, die nicht ganz ungefährlich sei. Aber nötig – für die Verkehrssicherheit und für die Gesundheit der zwei Bäume in Hanglage, denen am Donnerstag ein paar Zweige abgetrennt wurden. „Wir wollen vermeiden, dass wir sie umschneiden müssen.“

Während die zwei betroffenen Riesen auf Forst-Grund liegen, beschäftigt sich auch die Marktgemeinde jetzt verstärkt mit dem Thema Baumbestand. Mit einer Fremdfirma zusammen erstellt sie derzeit einen Kataster. Jeder der rund 800 Bäume auf kommunaler Flur soll künftig mit einem Silberplättchen mit eigener Nummer markiert werden. „So kann man sie identifizieren“, sagt Josef Fütterer. Angaben zur Höhe, Größe, Vitalität sowie zum Zustand der Krone und des Stamms notiert der Gemeindegärtner oder einer seiner Kollegen detailliert in einer Art Katalog. Ebenso ist daraus zu entnehmen, wie dringend etwaige Sanierungs-Maßnahmen zu tätigen sind. Diesen Überblick zusammenzustellen „ist ein enormer Aufwand“, verdeutlicht Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU). Schon allein, weil in den meisten Fällen eine Hebebühne zum Einsatz kommt. Dennoch: 160 der Pflanzen, die im Schnitt zwischen 100 und 150 Jahre auf dem Holzbuckel haben, konnten Fütterer und Co. bisher abarbeiten. Je nach Dringlichkeit kontrollieren sie deren Beschaffenheit in entsprechenden Zyklen.

Wer übernimmt die Verantwortung?

Bei der Dokumentation des Bestands geht es aber nicht nur um die Gesundheit der Bäume und den Schutz der Bürger. Die Marktgemeinde sichert sich damit ab. „Die Frage der Haftung, wenn etwas passiert“, sagt der Gärtner, „ist eine schwierige und schwammige Sache“. Mit den Angaben kann Mittenwald zumindest nachweisen, welche Vorkehrungen bereits unternommen wurden.

Und Fütterer hat gute Nachrichten: Von den bisher erfassten Bäumen muss voraussichtlich keiner gefällt werden. Nur Sanierungen stehen auf dem Programm. Ohnehin ist die Gemeinde bemüht, es zu vermeiden, einem Baum den Todesstoß zu verpassen. „Es wird wohlüberlegt“, betont Hornsteiner, „ob wir ihn umschneiden oder nicht.“ So wie in der Kuranlage Puit. Dort müssen zehn Exemplare weg, weil „der Bestand nicht gut ist“, erläutert Fütterer. Die Entscheidung ist schwer, aber so sei der Lauf der Dinge. Auch ein Baum erkrankt und ist im schlechtesten Fall nicht mehr zu retten.

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