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Murnaus Zukunftsprojekt: das alte Krankenhaus.

„Kreativquartier“ ist Idee des neuen Wirtschaftsförderers

Unternehmer und Flüchtlinge unter einem Dach

Murnau - Außergewöhnliche Zwischennutzung: Murnaus Gemeinderat beschließt, im Gemeine-Krankenhaus Flüchtlinge und Unternehmer der  Kreativbranche unterzubringen. 

Die Marktgemeinde Murnau plant ein Projekt, das in dieser Form im Landkreis einmalig ist: Ins alte und leerstehende Gemeinde-Krankenhaus sollen – vorerst im Zuge einer Zwischenlösung bis Ende 2018 – junge Unternehmen der Kreativbranche gelockt werden. Außerdem soll die großflächige Immobilie eine Unterkunft für bis zu 50 Flüchtlinge sein. Dies teilt das Rathaus in einer Pressemitteilung mit.

Der Gemeinderat beschloss das Konzept vergangenen Mittwoch in einer Sondersitzung, die hinter geschlossenen Türen stattfand. Das Bemerkenswerte: Auf eine räumliche Trennung von Gewerbetreibenden und Asylsuchenden wird bewusst verzichtet, um „durch die vielfältige Nutzung des Areals Integration und Begegnung“ zu fördern.

Mit dem „Kreativquartier“ setze Murnau „ein klares Zeichen für eine wirtschaftliche Weiterentwicklung im kreativen und innovativen Bereich“, heißt es weiter in der besagten Erklärung. Und Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) macht deutlich: „Wir wollen uns als Premium-Wirtschaftsstandort positionieren, als Motor für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen.“

Die Zukunft des Krankenhauses, einst ein Geschenk des US-Bankiers und Mäzens James Loeb (1867 bis 1933), ist seit Jahren Ortsgespräch und beschäftigt die Lokalpolitik. Nun hat sich diese zumindest auf eine Übergangslösung verständigt, die auf ein Multifunktionsgebäude abzielt. Es sollen nicht nur Flüchtlinge (befristet auf zwei Jahre) und Kreative einziehen. Längst beschlossene Sache ist es, dass auch die Verwaltung während des Rathausumbaus einen abgetrennten Trakt als Ausweichquartier nutzen wird. Die Grundsatzentscheidung, was langfristig aus der alten Klinik wird, die dem Markt gehört, steht jedoch noch aus. Dazu zählt die heikle Frage, ob auch ein Abriss denkbar wäre.

Wie dem auch sei: Das „Kreativquartier“ ist eine Idee des neuen Murnauer Wirtschaftsförderers Jan-Ulrich Bittlinger. Konkret geht es um die Kultur- und Kreativwirtschaft, die als Wachstumsbranche gehandelt wird. Darunter fallen etwa Werbeagenturen, Designer, Software-Programmierer oder Künstler. Bittlinger ist davon überzeugt, dass dieser Bereich gut zum Staffelsee-Ort passen würde – als weitere Wirtschaftssäule. „Das ist eine Chance“, sagt der Fachmann. Es gebe schon Interessenten. Frühestens im März 2016 könnten die ersten einziehen. Rathaus-Chef Beuting betont die wirtschaftspolitische Bedeutung: „Wir müssen Murnau für junge Menschen attraktiv halten, um so die Folgen des demografischen Wandels abzumildern.“

Das Ganze gilt als Versuch. Eine Garantie, dass tatsächlich spannende Jobs entstehen und sich Gewerbesteuerzahler ansiedeln, gibt es nicht. Als Anreiz sollen günstige Mieten dienen. Das Risiko der Kommune dürfte sich in Grenzen halten. Denn die Klinik soll ohne Sanierung bezogen werden.

Dass potentielle Mieter Hemmungen haben könnten, sich in diesem Umfeld niederzulassen, glaubt Bittlinger nicht. Die Kreativbranche sei weltoffen und lasse sich auf dieses Modell ein. Bei der Betreuung der Migranten setzt die Gemeinde auf den Verein Murnau Miteinander, der ebenfalls in dem Komplex Räume bekommen soll, etwa für Deutschkurse.

Das Landratsamt spricht von einem „wichtigen Beitrag, um die weiterhin steigende Zahl von Flüchtlingen im Landkreis unterzubringen“. Murnau hat – wie gefordert – geliefert. Neben dem Krankenhaus wird – zusammen mit Seehausen – das BRK-„Seehaus“ als weitere Unterkunft angeboten.

Andreas Seiler

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