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Getrübte Idylle: Nach massiven Protesten von Badegästen wird nun endlich der Erdrutsch im Kainzenbad beseitigt.

Kainzenbad-Debatte flammt auf

Kräftemessen zwischen Koch und Meierhofer

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Garmisch-Partenkirchen - An der Diskussion ums Kainzenbad hat sich im Gemeinderat ein Machtspiel entzündet. Elisabeth Koch, Fraktionsvorsitzende der CSU, nutzte diese Plattform, um massiv gegen Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) zu schießen.

Sie kennen sich seit Jahren, haben Seite an Seite gegen den früheren Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) gekämpft. Und doch wird aus einer „Sigi“ plötzlich wieder die „Frau Bürgermeisterin“, wenn’s um kritische Themen geht. Was sich am Mittwochabend im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat abspielte, hatte Unterhaltungswert – und war irgendwie befremdlich. Ob damit schon der Vorwahlkampf eingeleitet wird, ob Elisabeth Koch, Fraktionsvorsitzende der CSU, Ambitionen auf den Chefsessel im Rathaus hat, darüber darf nun eifrig spekuliert werden.

„Wir müssen das, was wir haben, auch bewahren“, wetterte Koch in Richtung Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). Dafür seien allerdings nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer nötig, die die Arbeit verrichten. Genau die vermisst sie aber, wenn sie sich im Kainzenbad umschaut. Und auch auf den Wanderwegen oder im Kurpark. „Da müssen Sie mal Ihre Leute rausschicken“, forderte sie. Die habe die „Frau Bürgermeisterin“ jedoch offenbar nicht im Griff.

Kainzenbad: Sicherheitsbegehung mit unerfreulichem Ergebnis

Vorwürfe, die sich Meierhofer selbstredend nicht von der „Sissi“ gefallen ließ. „Ich lasse meine Mitarbeiter nicht an die Wand stellen. Und es kann auch nicht sein, dass hier der Ort nur schlecht geredet wird.“ In puncto Kainzenbad ist viel falsch gelaufen, das räumte sie unumwunden ein. Insbesondere nannte sie es „keine Glanzleistung“ von Seiten ihres Hauses, dass der Hangrutsch aus dem vergangenen Jahr erst jetzt beseitigt wird. Ein Problem dabei waren aber die Spuren von giftigem Benzol, die in dem Erdmaterial gefunden wurden und die nicht einfach so auf die Deponie gelangen dürfen. Ein Dilemma, das inzwischen aber gelöst ist.

Im Rahmen der Auseinandersetzungen um das 96 Jahre alte Naturbad, in dem früher durch den Einsatz von Glyphosat kein Unkraut wucherte, fand jüngst auch eine Sicherheitsbegehung der Anlage statt. Dabei kam Meierhofer zufolge Unerfreuliches heraus: Die Sprungbecken sind nämlich statt 4 nur 3,80 Meter tief, weshalb der Fünf-Meter-Turm nicht mehr geöffnet werden darf. Ähnliche Probleme bestehen bei den Startblöcken. Wann diese Mängel behoben werden und welche Kosten dafür anfallen, konnte die Bürgermeisterin im Gemeinderat nicht sagen.

Während sie fraktionsübergreifend Rückendeckung für ihr Vorgehen erfuhr, ließ Koch nicht locker. Sie hatte sogar die Fraktionskasse geplündert, selbstverständlich mit Zustimmung der übrigen Unionsvertreter, um fürs Kainzenbad einen Unkrautbrenner zu kaufen. Das Gerät hatte sie dabei und übergab es gleich – wortgewaltig – an Meierhofer. Eine Geste, die Harald Helfrich (SPD) „absolut polemisch“ fand.

Thema "freier Eintritt" ging in hitzigen Debatte unter

Das Problem jedenfalls, dass in der Sportanlage an der Auenstraße nicht alles rund läuft, ist angekommen im Rathaus. Deshalb seien auch Mitarbeiter vor Ort, um die Schäden zu beheben. „Kleinere Beanstandungen haben wir schon erledigt“, betonte die Bürgermeisterin. Was sie allerdings nachdrücklich bestritt, war Kochs Vorhaltung, das Bad werde seit Jahren nicht gepflegt.

Auf den Vorschlag von Martin Schröter (FDP), den Gästen, die seit vergangener Saison höhere Gebühren zahlen müssen, doch mit einem freien Eintritt oder einem anderen Zuckerl entgegen zukommen, ging in der hitzigen Diskussion niemand mehr ein. Auch Michael Bräus (CSU) Einwand, dass früher der Streckendienst das Bad vor der Eröffnung hergerichtet habe und man die Becken doch im Herbst ausbaggern könne, verklang unkommentiert. Die Emotionen waren hochgekocht, das Machtspiel zwischen den beiden Kommunalpolitikerinnen in vollem Gang – und zum Ende des öffentlichen Teils war das Feuer längst noch nicht abgekühlt.

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