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Dicke Luft: In Murnaus Gemeinderat, hier eine Archivaufnahme, hängt der Haussegen schief.

Eklat um "Bürgerbeirat"

Gemeinderat Guntram Gattner wirft das Handtuch

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Murnau - Paukenschlag im Murnauer Gemeinderat: Guntram Gattner, ein Urgestein des ÖDP/Bürgerforums, hat im Zuge der aufgeheizten Debatte über den „Bürgerbeirat“ überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Als Grund nennt er die seiner Ansicht nach vergiftete Atmosphäre in der Ortspolitik.

Man konnte den Gemeinderäten in der Sitzung am Donnerstagabend die Anspannung anmerken. Das brisanteste Thema war am Ende des öffentlichen Teils an der Reihe: die erwartungsgemäße Aussprache zum Streitthema „Bürgerbeirat“. Wie berichtet, hatte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) diesen geheimen und exklusiven Kreis für Vertreter der Oberschicht offenbar im Alleingang ins Leben gerufen und, nachdem heftige Kritik aus den Reihen der Ortspolitik laut geworden war, wieder eingestellt. Eine 14-köpfige Gruppe von Gemeinderäten der Fraktionen CSU, Freie Wähler, SPD und Mehr bewegen, darunter auch die vier Fraktionssprecher, hatte dem Rathauschef dazu einen umfangreichen Fragenkatalog geschickt und einen Vertrauensbruch beklagt. Die ganze Sache ist Ortsgespräch – und erregt die Gemüter.

Guntram Gattner kämpfte sichtlich um Fassung, als er in einem kurzen Redebeitrag erklärte, sein Gemeinderatsmandat in naher Zukunft niederzulegen. Auf Tagblatt-Nachfrage bestätigte er diese Absicht. Er werde noch bis Sommer in dem Gremium arbeiten und dann aufhören. Bis dahin bleibe dem ÖDP/Bürgerforum genügend Zeit, die Frage zu klären, wer nachrücken soll, erklärt der 57-jährige Buchhändler, der seit über 14 Jahren in dem Kommunalparlament sitzt. Gattner gilt als profunder Murnau-Kenner und kühler Kopf. Seit einiger Zeit wird ihm aber eine gewisse Amtsmüdigkeit nachgesagt. Suchte er nur eine passende Gelegenheit, um auszusteigen? Nein, sagt der Kommunalpolitiker. „Ich war nicht am Absprung.“ Als Grund für den Rückzug gibt er die Feindseligkeiten in dem Gremium an. „Es wird keine Sachpolitik mehr betrieben. Es werden nur noch Ränke geschmiedet, um in erster Linie dem Bürgermeister zu schaden“, so Gattner. „Das Vertrauen ist zerstört.“

In der Sitzung verwies er auf den Hickhack um besagten „Bürgerbeirat“. Beuting habe sicherlich einen Fehler gemacht, räumte Gattner ein. Aber der öffentlich gemachte „Eskalationsmodus“ habe ihn „erschüttert“. Es habe sich um eine vertrauliche Angelegenheit gehandelt. „Das ist ein Armutszeugnis ersten Ranges.“ Gattner erwähnte in diesem Zusammenhang auch die Alpenhof-Geschäftsführung, die seiner Ansicht nach die Information über das erste Treffen von Beutings Zirkel der lokalen Eliten „unprofessionell nach außen getragen“ habe.

Im Bürgermeisterlager scheint sich vor allem Unmut darüber breit zu machen, dass die Causa überhaupt publik wurde. Auf seiner Facebook-Seite schrieb das Bürgerforum: „Das eigentliche Problem ist doch wieder einmal: Wie kommt das Tagblatt an Informationen aus dem nicht-öffentlichen Teil der Sitzung?“ Und Grünen-Gemeinderätin Veronika Jones dachte in der Sitzung gleich laut über einen „Untersuchungsausschuss“ nach.

Daraufhin platzte Freie-Wähler-Chef Welf Probst der Kragen. Sie, Jones, solle mal den Ball flach halten. Teilnehmer des „Bürgerbeirats“ hätten selbst das Ganze rumerzählt. Und überhaupt, so Probst weiter: Bürgermeister Beuting habe in einer anderen Sache, nämlich im Pfarrstraßen-Streit, selbst vertrauliches Material an den Elternvertreter Thomas von der Au weitergegeben.

 SPD-Sprecherin Elisabeth Hoechner rechtfertigte die Kritik an dem geplatzten „Bürgerbeirat“: „Das hat einem Großteil des Gemeinderats missfallen“, erklärte sie. Es hätte sich um ein Konstrukt gehandelt, „von dem keiner wissen darf“. Hoechners Fazit: „Das widerspricht meinem Demokratie-Verständnis.“

Beuting räumte indessen wiederholt einen „Fehler“ ein. „Ich bedaure das sehr“, sagte er. Es sei der „missverständliche Eindruck“ entstanden, dass ein neues Gremium, vergleichbar mit dem Senioren- oder Jugendbeirat, gegründet worden sei. Dies sei aber nicht der Fall gewesen. Es habe sich um einen privaten Gesprächskreis gehandelt, erklärte der Rathaus-Chef – mit dem Ziel, sich über Fragen der Ortsentwicklung zu unterhalten. Er habe dem Kind nur einen falschen Namen gegeben. Zu keiner Zeit seien Entscheidungs- oder Mitwirkungskompetenzen im Spiel gewesen. Das Projekt habe er beendet.

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