Heiß begehrt: das Murnauer Stromnetz, hier Masten im Norden des Marktes. Foto: Archiv lory

Gemeindewerke: Stromnetz-Übernahme zum Greifen nah

Murnau - Das Thema klingt bürokratisch, es geht aber um einen immens wichtigen Teil der Murnauer Infrastruktur: Die Gemeindewerke des Marktes sind auf dem besten Weg, das lokale Stromnetz von der Bayernwerk AG zu übernehmen.

Murnaus Ortspolitik liebäugelt schon seit Jahren damit, das örtliche Stromnetz unter ihre Fittiche zu bekommen. Solche Bemühungen sind bundesweit zu beobachten. Rekommunalisierung heißt das Schlagwort. Städte und Gemeinden erhoffen sich davon mehr Unabhängigkeit von den Energieriesen.

Murnau ist diesem Ziel ein großes Stück näher gekommen. Denn der Weg zum Stromnetz führt über das im so genannnten Konzessionsvertrag geregelte Wegerecht, auf Gemeinde-Grund Anlagen und Leitungen zur Versorgung mit Elektrizität zu betreiben. Das Entscheidende: Wer dieses Recht besitzt, hat auch einen Anspruch auf die vorhandene Infrastruktur.

Diese Konzession wurde jetzt im Zuge einer Neuvergabe den Murnauer Gemeindewerken zugesprochen. Der Eigenbetrieb des Marktes konnte sich gegen einen mächtigen Mitbewerber durchsetzen: die Bayernwerk AG, seit Jahren Murnaus Netzbetreiber. Dies wurde am Dienstagabend in einer der wenigen öffentlichen Sitzungen des Konzessionierungsausschusses bekannt gegeben. Das Gremium, besetzt mit Gemeinderäten, managt das aufwändige Vergabeverfahren, das mittlerweile seit etwa zwei Jahren läuft. Die eingereichten Konzepte wurden anhand einer Fülle an Kriterien benotet. Eine Rolle spielten beispielsweise die Betriebssicherheit, der Service und der Umweltschutz. Unterm Strich hatten die Gemeindewerke die Nase vorn, konnten, wie zu erfahren war, vor allem bei der Kundennähe punkten. Die Bayernwerk AG kann gegen das Ergebnis Einspruch einlegen.

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) freut sich über den Ausgang: „Ich halte das für eine historische Entscheidung. Das ist ein Donnerschlag im Oberland.“ Nun habe Murnau die Chance, die komplette Wertschöpfung aus einer Hand anzubieten, von der Erzeugung des Stroms bis zur Verteilung an die Verbraucher. Und dem Bürger könne man Ansprechpartner vor Ort anbieten. Der Rathaus-Chef betont, dass das Bewerbungsverfahren völlig neutral abgelaufen sei. „Das war ein ergebnisoffener Wettbewerb. Es hätte auch die Bayernwerk AG gewinnen können.“ Die Gemeindewerke streben seinen Angaben zufolge eine Partnerschaft mit den Stadtwerken München an. Diese sollen, so der Plan, das Stromnetz pachten und betreiben.

Eine harte Nuss ist aber noch zu knacken: Die Gemeindewerke müssen sich mit der Bayernwerk AG, einer hundertprozentigen Tochter des Eon-Konzerns und Noch-Eigentümerin der ganzen Technik, auf eine Ablösesumme verständigen. Dem Vernehmen nach steht ein Millionenbetrag im Raum. Nicht selten landet solch ein Preispoker vor Gericht. Auch können andere rechtliche Streitigkeiten aufkommen. Das Geschäft mit den Netzen gilt als lukrativ, jeder Stromanbieter muss eine Art Nutzungsgebühr bezahlen. Entsprechend hoch dürfte das Interesse der Großunternehmen sein, ihre Pfründe zu verteidigen. Das Risiko, in einen Rechtsstreit zu schlittern, erklärt die öffentliche Zurückhaltung der Marktgemeinde in dieser Angelegenheit.

Die Bayernwerk AG mit Hauptsitz in Regensburg gibt sich ebenfalls bedeckt. Zu der Murnauer Entscheidung wolle man sich momentan nicht äußern, teilt Pressesprecher Maximilian Zängl auf Tagblatt-Nachfrage mit. Diese werde intern bewertet. Grundsätzlich habe sich der Wettbewerb um Konzessionen in den letzten Jahren verschärft. „Diesen Wettbewerb nehmen wir an und behaupten uns seit vielen Jahren erfolgreich“, sagt Zängl. Es gehöre dazu, dass man diesen auch verlieren kann. „Punktuell trifft das auch uns. In den allermeisten Fällen entscheiden sich Kommunen unseres Netzgebiets jedoch wieder für uns als Infrastrukturpartner.“ Rund 1200 bayerische Kommunen setzten auf die Bayernwerk AG. (as)

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