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Freuen sich über den Konzessionsvertrag: (v.l.) Die Werkleiter Karl Steingruber und Helmut Hackl, die Zweite Bürgermeisterin Dr. Julia Stewens, Gerhard Lößlein von der SWM Infrastruktur, Bürgermeister Rolf Beuting, Guntram Gattner vom Konzessionierungsausschuss und Kämmerer Hubert Süß.

Energiewende in Murnau

Stromnetz-Übernahme: Wichtige Hürde gepackt

Murnau - Die Marktgemeinde Murnau ist dabei, das lokale Stromnetz zu übernehmen. Nun wurde dafür der Konzessionsvertrag unterschrieben.

Die Energieversorgung von Murnau liegt ab dem 1. Januar 2017 in kommunaler Hand. Bei der Vergabe der Stromkonzession haben sich die Gemeindewerke Murnau gegen die Eon-Tochter Bayerwerk AG, die das Stromnetz bisher betrieben und sich ebenfalls beworben hatte, durchgesetzt (wir berichteten). Kürzlich war der umfangreiche Konzessionsvertrag unterschriftsreif und wurde vom kaufmännischen Leiter der Gemeindewerke, Karl Steingruber, und vom Leiter des Konzessionsmanagements der SWM Infrastruktur, einer Tochter der Stadtwerke München, Gerhard Lößlein, unterzeichnet. Die SWM Infrastruktur wird künftig als Pächter in enger Zusammenarbeit mit den Gemeindewerken das 200 Kilometer lange Netz mit 3100 Hausanschlüssen betreiben. Der Grund hierfür ist ein juristischer: Verteilung und Vertrieb des Stroms dürfen nicht aus ein und derselben Hand kommen. Bei einer kleinen Feierstunde  wurde das Vorhaben im Murnauer Rathaus der Presse vorgestellt.

„Die regionale Energieversorgung liegt nun in kommunaler Hand“, freute sich Steingruber. „Das stärkt die Region und treibt die Energiewende in der Region weiter voran.“ Auch die Betreuung der Murnauer Bürger werde sich um ein Vielfaches verbessern: „Diese können bald bei Fragen zum Stromnetz, zu Hausanschlüssen, Zählern und zur Ablesung den guten Service der Gemeindewerke nutzen.“ Gemeinderat Guntram Gattner (ÖDP/Bürgerforum), der den eigens zu diesem Zweck gegründeten Konzessionierungsausschuss leitete, machte keinen Hehl daraus, dass es großer Anstrengungen und sehr viel Zeit bedurft hatte, sich in dem wettbewerblichen Verfahren durchzusetzen. So musste neben einem Konzessionsvertrag für die Ausschreibung ein umfangreiches Konzept für den künftigen Netzbetrieb vorgelegt werden. „Dieser Prozess hat in sehr sachlicher Atmosphäre stattgefunden“, unterstrich der Kommunalpolitiker. Insgesamt seien rund 1700 Seiten Papier durchgearbeitet worden. Sein Fazit: „Die Rekommunalisierung ist die Zukunft. Alle großen zentralen Werke machen Probleme.“

Als „Meilenstein“ bezeichnete Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) den Vertrag: „Dieser Tag wird in die Geschichtsbücher unserer Gemeinde eingehen. Hiermit übernehmen wir in der Region eine Vorreiterrolle.“ Was nun noch ausstehe, sei die Übernahme des Stromnetzes von der Bayernwerk AG durch die Gemeindewerke. Überdies muss die für die Infrastruktur nötige Technik abgelöst werden, wobei die Summe noch nicht feststeht. „Wir haben jetzt die Chance, als integrierter Energiedienstleister auf dem Markt aufzutreten.“ Erzeugung, Verteilung übers Netz und Vertrieb lägen nunmehr in einer Hand. Bisher sei die Verteilung von der Bayernwerk AG abgewickelt worden: „Das Netz in der Mitte bringt das Ganze erst zusammen und macht die Sache rund.“ Der Erfolg im Konzessionsverfahren sei nur durch die gute und partnerschaftliche Zusammenarbeit der Gemeindewerke und der SWM Infrastruktur möglich geworden. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit den Gemeindewerken, sagte Gerhard Lößlein. „Die ‚SWM Infrastruktur’ ist zwar nur Pächter, der die strategischen Entscheidungen der Gemeindewerke umsetzen wird. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir gemeinsam einen sicheren, preisgünstigen, effizienten, umwelt- und verbraucherfreundlichen Stromnetzbetrieb sicherstellen – zur Zufriedenheit aller.“ Ziel sei es, regionale Firmen im Netzbetrieb zu beauftragen und hierdurch Arbeitsplätze vor Ort zu sichern.

Heino Herpen

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