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Seit Jahrzehnten erfolgreich: Gerhard Polt.

Von Demograttlern und Kaulquappen-Nummerierern

Gerhard Polt rechnet mit Kuriositäten der Gesellschaft ab

Oberammergau -  "Braucht's des?": Dieser Frage ging Kabarett-Urgestein Gerhard Polt in Oberammergau nach. In gewohnter Manier: witzig, spritzig, gut. 

„Ausverkauft“ konnte ein zufriedener Wolfgang Ramadan, Veranstalter des Abo Ammergau, zum Auftakt des fünften Veranstaltungsjahres verkünden. Gerhard Polt, Urgestein des bayrischen Kabaretts, ließ Gäste von nah und fern ins Ammergauer Haus in Oberammergau strömen. Unter dem Titel „Braucht’s des?“ – so hieß auch die Ausstellung 2012 im Literaturhaus München anlässlich seines 70. Geburtstags – zeigte Polt einen Querschnitt seiner Figuren und Themen – teils bereits bekannt aus Rundfunk und Fernsehen.

Ein Mann, ein Mikrofon: Mit sparsamen Gesten, lebendiger Mimik, verändertem Dialekt und Tonlage brachte Polt seine Charaktere auf die Bühne. Ohne Begrüßung der Zuschauer, einleitende Floskeln, Erklärungen, mit einer beinahe schmerzhaften Langsamkeit, seinen für ihn so typischen Auslassungen, Wiederholungen und Stottern entwickelte er seine Figuren. Meist waren dies eher einfachere Gemüter, engstirnig und intolerant, die aber selbstbewusst ihre Meinung vertreten.  Zum Beispiel der passionierte Pkw-Freund, der begeistert von seinem „total equipten Auto“ erzählt, der sein Geld „lieber in die Sonderlackierung steckt als nach Athen“. Oder der Bericht eines Bürgers von Hausen, einer fiktiven bayrischen 1000-Seelen-Gemeinde, über den „kulturellen Mega-Event des Jahres“, der sich als die 125-Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr entpuppt. Besonders lobend erwähnt dieser die junge Feuerwehr-Kameraden, die in ihrem Enzianzelt mit zehn Cent je verkauftem Schnaps tausende Euro als Spenden für die Drogenprävention sammelten.

Überhaupt die Bayern und der Alkohol: Ein Thema, das Polt auch in seiner „Radiosendung“ thematisierte. Als Ansager, Moderatorin und Intervierwpartner mimte er einen „Alkoholsportler“, dessen Sohn eine andere Laufbahn eingeschlagen hat. Die des „Kampftrinkers und Bulimisten“. Vielen Zuhörern bekannt dürfte der Opa von „Burli“ gewesen sein, der an diesem Abend seinen Enkel über Demokratie und deutsche Geschichte aufklärt. Und was ein Demokrat so benötigt: „Beziehungen und Geld braucht man, sonst bist ein Demograttler.“

Eine Lehrstunde in Sachen Politik bekam der Zuhörer auch bei der Erzählung des Landrates, der sich bei einem Glas „Dom Perignan“ darüber auslässt, wie „Kaulquappen-Nummerierer“ aufstrebende Wirtschaftsunternehmen blockieren und Kleingeister sich über eine kleine 100 000-Euro-Geburtstagsfeier, von der Sparkasse ausgerichtet, aufregen. Ein Höhepunkt des Abends war sicherlich die Darstellung des indischen Priesters, der nach Bayern gekommen ist, um den katholischen Glauben wieder dorthin zurückzubringen. Da zeigte Polt, auf „indisch-englisch“, dass er auch temperamentvoll und schnell reden kann.

So bodenständig Polts Geschichten daherkamen, so hintergründig und schräg waren sie aber auch und erinnerten damit an Karl Valentin, den facettenreichen Künstler und Komiker. Als Zugabe erzählte Polt noch zwei Geschichten aus seiner Jugend, im Stil von Ludwig Thomas Lausbubengeschichten: die „Winterfreuden“ (wie man es schafft, einem Eisstock eine Falle zu bauen und ihn im See zu versenken) und über den „Sandkuchen als Bestandteil der mitteleuropäischen Küche“.

Am Schluss, bevor Polt endgültig hinter der Bühne verschwand, gab es dann aber doch noch ein Lächeln und ein Winken für sein begeistertes Publikum in Oberammergau. 

 Ulrike Bubenzer-Schmitz

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