Sturheit wird bestraft

Ammertaler bestreitet Diebstahl bis zum Schluss

Ammertal - Ein Ammertaler saß vor dem Gericht, weil er aus einem Geldbeutel 57 Euro geklaut hatte. Er leugnete die Tat hartnäckig, obwohl alles gegen ihn sprach. 

Alles sprach gegen ihn, sowohl der Verlauf der Tat als auch drei Zeugen. Doch bis zum Schluss der Strafverhandlung vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen bestritt der Angeklagte den Diebstahl. Und das, obwohl dieser mit einem Schaden von 57 Euro eher harmlos war.

Kein Wunder, dass wegen dieser Sturheit die Jugendstrafe mit 56 Sozialstunden nicht unbedingt gering sein konnte. Staatsanwalt Dr. Florian Schweyer hatte den freundlichen, jungen Ammertaler eines an sich sehr einfachen Delikts bezichtigt: Am 20. September 2015 soll er abends in der Wohnung eines Freundes aus dessen Geldbeutel 57 Euro entwendet haben. Doch davon wollte der Heranwachsende nichts wissen und verwickelte Richter Paul Georg Pfluger in komplizierte Schilderungen.

Der Angeklagte, der damals in Murnau wohnte und krankgeschrieben war, will den Tag zunächst mit drei Ammertaler Freunden in München verbracht haben. Diese hätten ihn, der gerade kein Geld hatte, dabei auch noch durchgefüttert. Bevor er dann gegen 20 Uhr mit der Bahn nach Murnau zurückfuhr, soll einer seiner Spezls den Geldbeutel gesucht haben – auch im Rucksack des Angeklagten, der darin T-Shirts deponiert hatte.

Erst später, als die misstrauisch gewordenen Ammertaler ihn dann in seiner Wohnung aufsuchten, löste sich das Rätsel: Nun fand einer der drei das Portemonnaie mit einem einzigen Griff in den Rucksack, wo es in ein T-Shirt eingewickelt war. Es waren zwar alle Karten und Ausweise noch drin enthalten, das Bargeld von 57 Euro indes war verschwunden.

„Ein noch detaillierterer Tatnachweis ist kaum denkbar“, konstatierte der Richter. Doch der Beschuldigte wies weiter jede Schuld von sich. „Das wäre doch Schwachsinn gewesen.“ Pfluger konterte kühl: „Nein, das wäre Diebstahl.“

Gutachterin Petra Steinsky wies danach darauf hin, dass dem jugendlichen Angeklagten früher einmal das ADS-Syndrom (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) bescheinigt worden sei. Zudem ist er bereits einmal vorbestraft.

Dennoch beantragte der Staatsanwalt für diese „schäbige Tat unter Freunden“ 56 Sozialstunden. Dem schloss sich der Richter mit dem Urteil an: „Für Sie gab es nicht annähernd einen Grund, die Freunde, die Ihnen vorher geholfen haben, auch noch zu beklauen“, sagte Pfluger, „und noch viel weniger hatten Sie Grund, das Delikt bis zum Ende der Verhandlung nicht einzuräumen“.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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