Unfall billigend in Kauf genommen

Brutales Überholmanöver in Mittenwald

Mittenwald - Nach Streit: Verkehrsrowdy provoziert Auffahrunfall in Mittenwald. Er erhält dafür eine saftige Geldstrafe plus Fahrsperre.

Rücksichtsloses Autofahren in einer Ortschaft kann teuer werden. Das musste jetzt ein 28-jähriger Münchner zur Kenntnis nehmen. Er hatte mitten im Karwendelort Mittenwald mit quietschenden Reifen einen Wagen überholt und derart knapp wieder eingeschert, dass der ausgebremste 41-jährige Mittenwalder auffuhr und einen Blechschaden von 1000 Euro verursachte. Das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen verurteilte den Verkehrsrowdy wegen Nötigung zu der ansehnlichen Geldstrafe von 4900 Euro (70 Tagessätze à 70 Euro) sowie neun Monaten Fahrerlaubnis-Sperre.

Der Vorfall hatte sich laut Staatsanwältin Caroline Pape am 21. Juni des vergangenen Jahres gegen 14.30 Uhr in der Karwendelstraße ereignet, als der Münchner und der Mittenwalder nahe dem Postkeller ortseinwärts unterwegs waren. Der Einheimische hielt demnach an in der erklärten Absicht, den nachfolgenden Autolenker darauf aufmerksam zu machen, dass er ihm viel zu nahe aufgefahren sei. Doch nach einem Wortgefecht habe den Münchner die Ungeduld gepackt. Er sei mit seinem Wagen dicht am stehenden Mittenwalder vorbeigespurtet und anschließend derart nah vor ihm eingeschert, dass der Isartaler prompt auffuhr.

Der Mittenwalder zeigte den Vorfall an – und den Münchner ereilte daraufhin wegen Straßenverkehrsgefährdung ein Strafbefehl von 4200 Euro samt neun Monaten Fahrerlaubnissperre. Doch weil er Einspruch erhob, saß er jetzt mit Anwalt Dr. Gunnar Geiger vor Richterin Linda Behmel. Er verteidigte sich mit dem Argument, dass er nur deshalb so schnell am Mittenwalder vorbeigezogen sei, um einen weiteren Konflikt mit ihm zu vermeiden: „Ich hatte aber durchaus genügend Abstand, sonst wäre ich ja bei seinem abrupten Anhalten auf seinen Wagen gefahren. Doch als ich dann überholte, bechleunigte er, ich bremste, und in diesem Moment fuhr er hinten in mein Auto“, erklärte er. Von Straßenverkehrsgefährdung könne keine Rede sein, ergänzte der Verteidiger: „Man konnte dort sehr wohl überholen, zumal kein Gegenverkehr war.“

Eine Zeugin wiederum wollte bemerkt haben, dass der Münchner „schon die ganze Zeit gedrängelt“ habe. Und ein anderer Beobachter schilderte den heftigen Disput, den nach dem Unfall die beiden Autofahrer hatten, ehe Anwalt Geiger in einem Beweisantrag ein Sachverständigen-Gutachten forderte. Doch das lehnte die Richterin ab – und die Staatsanwältin beantragte in der Überzeugung, dass der Münchner erst überholt und den Mittenwalder danach ausgebremst habe, eine Geldstrafe von 4200 Euro (60 mal 70 Euro) sowie sechs Monate Fahrerlaubnissperre. Verteidiger Geiger hingegen plädierte auf Freispruch. Richterin Behmel jedoch verhängte jedoch die besagte Geldahndung plus Fahrsperre, denn der Angeklagte habe mit seinem brutalen Überholen billigend in Kauf genommen, dass es zum Unfall gekommen sei.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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