Das kam vor Gericht heraus

Bub schlägt auf Meerschweinchen ein

Garmisch-Partenkirchen/Murnau - Unschöner Vorfall auf einem Bauernhof: Ein Sechsjähriger schlug brutal auf ein Meerschweinchen ein. Ein Arzt geht dazwischen und wird daraufhin von der Mutter verklagt.  

Was täten Sie eigentlich, verehrte Leser, wenn Sie einen sechsjährigen Buben dabei ertappen, wie er in einem kleinen Stall brutal auf ein winziges Meerschweinchen einschlägt? Vermutlich das gleiche wie ein 39-jähriger Arzt, der diese Szene in einem Dorf bei Murnau beobachtete und daraufhin den Bengel aus dem Stall zog und wegschubste. Doch genau dieser Arzt saß jetzt als Angeklagter in Garmisch-Partenkirchen vor dem Amtsrichter, denn die 38-jährige Mutter des Knaben, eine Italienerin, hatte ihn wegen seiner Handlungsweise angezeigt und der Doktor aus einem Ort bei Esslingen erhielt daraufhin wegen vorsätzlicher Körperverletzung prompt einen Strafbefehl von 4000 Euro.

Fast logisch, dass er Einspruch erhob und nunmehr mit seinem Anwalt Michael Erath (Stuttgart) den Sachverhalt vor dem Richter darstellte – und freigesprochen wurde.

Dieser seltsame Fall habe sich, so Staatsanwältin Luisa Schwermer, schon am 3. Juni 2015 auf dem Spielplatz eines Bauernhofes bei Murnau ereignet: Dort habe ein Gast in Gestalt des Arztes den Buben der Italienerin gesehen, als der in einem kleinen Stall das Meerschweinchen schlug und das Tier geschrien habe.

Prompt habe daraufhin der Arzt reagiert, indem er den Sechsjährigen, der den kleinen Nager solcherart gequält habe, aus dem Stall zog, schüttelte und wegschubste. Das war für die Mutter des Kindes zuviel, sie habe den Doktor bei der Polizei angezeigt und dem Beamten mitgeteilt, der Bub habe am Knie und an einem Finger leichte Schürfungen erlitten.

Was dann Monate später dazu führte, dass der Arzt, der selbst zwei Kinder hat, den üppigen Strafbefehl von 40 Tagessätzen à 100 Euro erhielt – und sofort Einspruch erhob. Sein Anwalt schilderte die Vorgänge jetzt detailgenau aus Sicht seines Mandanten, die Mutter des Buben jedoch sprach von „Gewalttätigkeit gegenüber meinem Sohn“. Denn der habe zwar zugegeben, er hätte das Meerschweinchen geschlagen, und sie habe dann zu dem Sechsjährigen gesagt „das macht man nicht“, doch der Arzt habe ihn trotzdem aus dem Stall gezogen, geschüttelt und geschubst.

Prompt äußerte die Staatsanwältin daraufhin wegen der recht widersprüchlichen Aussagen Zweifel an der vorsätzlichen Körperverletzung seitens des Arztes und beantragte Freispruch. „So oder so ähnlich wie er hätten ohnehin auch alle anderen Leute reagiert“, waren sich schließlich auch Verteidiger und Richter einig und Freispruch auf Staatskosten war angesagt.

Das arme Meerschweinchen soll übrigens bald nach der rüden Behandlung durch den Sechsjährigen verstorben sein, war im Anschluss an die Verhandlung von der Staatsanwältin zu hören. 

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa symbolbild

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