„Ich war nicht mehr Herr meiner Sinne“

Kamikazefahrt auf der Autobahn vom Richter bestraft

Eschenlohe - Er hat einen Dreifach-Unfall auf der Autobahn bei Eschenlohe angerichtet. Jetzt stand der 24-jährige Verursacher vor Gericht. Der Grund für den Vorfall war entscheidend. 

„Ich war nicht mehr Herr meiner Sinne“, sagte kleinlaut ein 24-Jähriger aus einem Dorf bei Murnau. Das Chaos, das er im September 2015 bei einem Dreifach-Unfall auf der Autobahn bei Eschenlohe angerichtet hat, spricht zwar durchaus für die Richtigkeit dieser Aussage – die wahre Ursache jedoch waren die 1,75 Promille Alkohol, die er intus hatte.

Weil er nämlich unbedingt bei einem Musiker-Ausflug dabei sein wollte, fuhr er im Suff zum Ausflugs-Start und prallte erst auf Baustellen-Sicherungen und sodann auf ein anderes Auto. Das brachte ihm nun im Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen eine Geldstrafe von 4200 Euro ein sowie elf Monate Fahrverbot.

Staatsanwalt Christoph Aumann hatte eingangs ausführlich geschildert, was sich alles ereignete, nachdem der Angeklagte an jenem 19. September des vergangenen Jahres gegen 7.30 Uhr früh mit mindestens 1,75 Promille Alkohol auf die Autobahn in Richtung Garmisch-Partenkirchen gefahren war. Auf Höhe Ohlstadt kam er an einer Baustelle von der Fahrbahn ab und beschädigte zunächst eine Warntafel sowie eine mobile Fahrbahnabtrennung, was einen ersten Sachschaden von 1200 Euro bedeutete. Ohne sich weiter um den Vorfall zu kümmern, setzte der Mann seine Fahrt fort, legte dann gar noch den Rückwärtsgang ein und streifte prompt ein Münchner Auto, das einen Schaden von knapp 6000 Euro hatte.

Obwohl durch die vorangegangenen Karambolagen auch an seinem eigenen Wagen nahezu ein Totalschaden entstanden war, fuhr er noch hundert Meter weiter, ehe er endgültig gestoppt wurde. Dieser Dreifach-Unfall brachte ihm schon vor einigen Monaten unter dem Vorwurf der Trunkenheit am Steuer, der Fahrerflucht und der Straßenverkehrsgefährdung einen Strafbefehl ein: 7000 Euro Geldstrafe und 19 Monate Sperre der Fahrerlaubnis.

Doch weil er wegen der Strafhöhe Einspruch erhoben hatte, saß er nun mit Anwalt Franz Großhauser vor Richter Paul Georg Pfluger und erläuterte den Hintergrund: Am Vorabend sei er mit seiner in Kochel beheimateten Freundin in Bad Tölz im Kino gewesen. Doch anschließend rief eine Bekannte seiner Lebensgefährtin an und lud zu einer Party, die bis 2 Uhr dauerte. Doch nach anschließender Übernachtung bei der Freundin habe er dann in aller Frühe von Freunden aus einem Dorf im Loisachtal eine SMS mit der Frage bekommen, wo er denn bleibe, schließlich sei doch der Musikantenausflug angesagt. Also ungeachtet der Promille um 7.30 Uhr früh rein ins Auto – mit all den Folgen.

Vor dem Kadi betonte er nicht nur, „dass ich mich seither sehr schäme“, sondern auch, dass die Versicherung wegen des Alkohols nunmehr 5500 Euro Regress fordere und er mittlerweile auch schon in Vorbereitung auf die MPU-Prüfung, im Volksmund Depperltest, sei.

Während der Staatsanwalt dann jedoch nur eine einkommensbedingte Minderung der Geldstrafe auf 4900 Euro beantragte, die Sperrfrist von 19 Monaten aber aufrecht erhielt, bat Verteidiger Großhauser um eine Kürzung der Sperrfrist sowie um weniger Tagessätze. Schließlich könne er bei seinem Mandanten fast garantieren, dass sich bei ihm eine solche Tat nicht wiederhole.

Dieses Argument fruchtete: Zwar sagte der Richter, dass es sich in diesem Fall nicht um die typische Trunkenheitsfahrt gehandelt habe. „Es muss vielmehr ein ganz erheblicher Rausch gewesen sein“, meinte Pfluger, dennoch reduzierte er die Geldstrafe.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: ©  dpa

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