88-Jährige hatte Monate davor einen Beinbruch

Seniorin drückt unabsichtlich aufs Gaspedal

Garmisch-Partenkirchen/Mittenwald - Eine 88-Jährige verursachte in Mittenwald einen Unfall. Sie verwechselte das Brems- und Gaspedal. Nun musste sie sich vor Gericht verantworten. 

Sie ist 88 Jahre alt, fühlt sich aber nach wie vor fit genug, um Auto zu fahren. Dennoch musste sich die Senioren aus Ansbach nun vor Amtsrichterin Linda Behmel verantworten. Der Vorwurf: Körperverletzung, fahrlässig.

Ursache für die Anklage war ein Unfall, der sich am 9. Dezember 2014 an der Mittenwalder Bahnhofstraße ereignet hatte. Die Frau verwechselte das Brems- mit dem Gaspedal, knallte daraufhin prompt gegen ein vor der Raiffeisenbank abgestelltes Fahrrad. Dessen 59-jährige Besitzerin erlitt schmerzende Prellungen, Blutergüsse und Schürfwunden. Daraufhin erhielt die Verursacherin einen Strafbefehl von 1000 Euro (25 Tagessätze à 40 Euro). Als aber nunmehr über ihren Einspruch gegen diese Ahndung verhandelt wurde, kam die Rentnerin noch günstiger davon. Die Geldstrafe fiel nunmehr mit 500 Euro (25mal 20 Euro) nur noch halb so hoch aus, wie es der ursprüngliche Strafbefehl vorgesehen hatte.

Staatsanwältin Ellen Buschuew stellte den Unfallhergang detailliert dar. Das Fahrrad war ans Bank-Schaufenster gelehnt. Als die Eignerin, eine Mittenwalder Angestellte, kam, passierte der Seniorin das Missgeschick. Ihr Verteidiger Klaus Huber (Ansbach) verdeutlichte aber einen Umstand, der dazu beigtragen hat. Die Frau hatte sich einige Monate vor dem Crash einen Bruch des rechten Oberschenkels zugezogen, der genagelt wurde. „Ich hatte also ein gesundheitliches Problem, weshalb es keine Unachtsamkeit meinerseits war“, erklärte die Beschuldigte. Außerdem habe sie kein Arzt darauf hingewiesen, dass sie sich nicht ans Steuer setzen dürfe. Eine Behauptung, die sich bewahrheitete, als das Krankenhaus-Attest verlesen wurde. Diesem war keine derartige Vorgabe zu entnehmen.

Anwalt Huber drängte darum auch auf eine Einstellung des Verfahrens. Dies jedoch lehnte die Richterin ab, weshalb die Verhandlung weiterlief. Doch auch zwei Polizeibeamte, die den Unfall erst hinterher mitbekamen, konnten keine aufschlussreichen weiteren Details liefern. Ebenso brachte auch die Beobachtung eines Passanten, dass „auf einmal der Motor aufgeheult hat, wie wenn man versehentlich aufs Gaspedal getreten ist“ nur die bereits von der Angeklagten zugegebene Tatsache, dass sie die Pedale verwechselt hat. Seine Mandantin hat also nicht gegen ihre Sorgfaltspflicht verstoßen, sagte der Verteidiger. „Sie ist in gutem geistigen und körperlichen Zustand“, machte er deutlich. Aus diesem Grund erhob er auch nicht gegen den Strafbefehl selbst, sondern nur wegen der Höhe des Tagessatzes von 40 Euro Einspruch. Ebenso wie gegen ein von der Staatsanwältin gefordertes einmonatiges Fahrverbot für die 88-Jährige. Dies blieb der Seniorin schließlich erspart.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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