Er musste Arbeitslosengeld beantragen

Gericht: Soldat verweigert Befehl

Garmisch-Partenkirchen/Mittenwald - Sowas hat Konsequenzen: Ein Hauptgefreiter der Gebirgstruppe missachtete einen Befehl. Er handelte aus privaten Gründen. 

„Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren wird bestraft, wer darauf beharrt, einen Befehl nicht zu befolgen, nachdem dieser wiederholt worden ist.“ Genau das, was das Wehrstrafgesetz so unmissverständlich beschreibt, passierte bei der Mittenwalder Gebirgstruppe. Doch der 19-jährige Hauptgefreite, der dieses Delikt gegenüber einem Hauptfeldwebel begangen hatte, kam jetzt im Amtsgericht gut davon: Weil er sich einsichtig zeigte und vor allem, weil er seinerzeit auch ein geplagter alleinerziehender Vater war, ließ ihn Richter Stefan Lindig mit nur 80 Stunden Sozialarbeit davonkommen.

Weil viel Arbeit angefallen war, hatte der damals als Rechnungsführer-Gehilfe beim Mittenwalder Bataillon tätige Wehrpflichtige am 7. August des vergangenen Jahres den Befehl erhalten, seine Tätigkeit nicht schon um 16.15 Uhr zu beenden, sondern erst um 19 Uhr, erklärte Staatsanwältin Magdalena Gellner in der Anklage. Schon mittags habe ihn sein Chef auf diesen Befehl hingewiesen, doch der renitente junge Mensch habe nichts anderes zu tun gehabt, als das entsprechende Papier zu zerreißen, in den Papierkorb zu werfen und sich dann um 16 Uhr ganz kühl beim Hauptfeldwebel zu verabschieden. Wohl klar, dass der Vorgesetzte ob dieser Frechheit vor Wut schäumte, als er dem 19-Jährigen zum zweiten Mal mitteilte, dass sich bei der Dienstzeitverlängerung um einen ausdrücklichen Befehl handle.

Prompt erfolgte dann nicht nur dienstliche Ahndung, sondern auch Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und somit nunmehr auch die zivile Verhandlung im Amtsgericht. „Der Hauptfeldwebel hat damals gemeint“, verteidigte sich der schon seit einem Jahr aus der Bundeswehr ausgeschiedene Angeklagte jetzt, „dass ich seine Arbeit mit den DVU-Eingaben im Computer mache, er wollte mir eine reinwürgen und das ist ihm auch gelungen.“ Seinerzeit sei er jedoch unter erheblichem Druck gestanden: Er habe an jenem Nachmittag für die Zeit nach dem Militär Arbeitslosengeld beantragen müssen. Obendrein sei er auch ein sehr gestresster alleinerziehender Vater gewesen, nachdem ihn die Mutter seines Sohns (2) verlassen hat. Das Gespräch zwischen Hauptfeldwebel und dem Hauptgefreiten soll jedenfalls kaum zu überhören gewesen sein, erinnerte sich ein Oberfeldwebel vor Gericht. Der Angeklagte aber erklärte mit fester Stimme, dass es ihm aus den privaten Gründen nicht möglich war, den Befehl zu befolgen.

Die Staatsanwältin beantragte daraufhin gemäß dem Erwachsenenrecht eine Geldstrafe von 750 Euro. Richter Lindig jedoch hielt dem Befehlsverweigerer noch jugendliche Unreife zugute sowie Überforderung als Alleinerzieher und bestrafte ihn, der ohnehin derzeit nur Arbeitslosengeld bezieht, zu 80 Stunden Sozialarbeit – abzuleisten binnen der kommenden sechs Monate.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa

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