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Hinweis am Lebensmittelgeschäft Wunder in Ohlstadt.

Vor dem Bürgerentscheid

Unter Händlern geht die Angst um

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Ohlstadt - Die Ohlstädter haben’s in der Hand: Am 22. November entscheidet das Dorf, ob es am Josefplatz einen Einkaufsmarkt will. Unter Händlern in der Ortsmitte macht sich bereits Angst breit. Sie fürchten schlicht um ihre Existenz

Die Betreiber des Lebensmittelgeschäfts Wunder an der Hauptstraße weilen bis 14. November in Urlaub. Doch sie ließen jede Menge Gesprächsstoff zurück – in Form eines Hinweises am Laden: Man werde das Geschäft mit sämtlichen Dienstleistungen weiterführen, heißt es darauf. Erst wenn der Bürgerentscheid (in Sachen Einkaufsmarkt am 22. November, Anm. d. Red.) „negativ für uns ausfällt, müssen wir das Geschäft aus wirtschaftlichen Gründen schließen“.

Unter Händlern in Ohlstadts Ortsmitte geht die Angst um. Viele füchten ein mögliches „Ja“ für einen angedachten Einkaufsmarkt im Bereich Josefplatz, das ihnen einen Konkurrenten größeren Formats bescheren könnte – und damit sinkende Einnahmen. Christoph Angelmahr, der mit seiner Frau einen Lebensmittelladen im Zentrum betreibt und zwei Angestellte beschäftigt, stellt schnörkellos klar: „Wenn der Supermarkt kommt, dann muss ich aufhören, da brauchen wir nicht zu reden. Die Sache ist dann nicht mehr interessant.“

Damit würde eine Ära in Ohlstadt, die noch ein paar Jahre hätte andauern sollen, vorzeitig enden. Seit den 1930er, 1940er Jahren betreibt die Familie das Geschäft – mit Erfolg: „Die Leute kommen zu uns, ich kann mich nicht beschweren“, sagt Angelmahr.

Auch Stefan Luidl, dem eine Bäckerei an der Hauptstraße gehört, hat auf Ohlstadt als Standort gesetzt und zuletzt „sehr viel Geld“ in die Hand genommen, um das alte Geschäftshaus abzureißen und ein neues zu errichten, das erst Ende August eröffnet wurde. Noch während der Bauphase kam ihm das Supermarkt-Thema zu Ohren. „Da ist man natürlich nicht erfreut“, sagt Luidl. Denn er geht fest davon aus: Kommt ein Supermarkt, dann „ganz sicher mit Backshop“. Luidl zeigt sich überzeugt, dass die Geschäfte im Ortskern einen größeren Konkurrenten zu spüren bekommen würden – und zwar nicht nur jene, die Sortimentsüberschneidungen mit einem Einkaufsmarkt aufweisen würden. „In der Geschäftsstraße würde weniger los sein, und von einer geringeren Frequenz sind alle Läden betroffen“, argumentiert Luidl.

„Alle haben Angst und sind verunsichert“: Diesen Eindruck hat Andrea Backhaus gewonnen, was die Stimmung unter den eventuell betroffenen Geschäftsleuten angeht. Sie betreibt seit knapp zwei Jahen an der Hauptstraße einen Zeitungs-, Tabak- und Lotto-Toto-Laden, hat anfangs viel investiert. Nun plagt sie Angst um die eigene wirtschaftliche Existenz. „Wenn mir 20 Prozent wegbrechen, wird es schon schwierig“, sagt Backhaus.

Die allgemeine Frucht – Christian Scheuerer (parteifrei) kann sie nachvollziehen, „absolut“. Der Bürgermeister sieht das Risiko, dass ein Vollsortimenter Geld aus dem Zentrum abschöpfen könnte – und muss gleichzeitig mit der Voranfrage eines Projektentwicklers umgehen, der einen Supermarkt errichten möchte. Scheuerer, der glaubt, dass der Ort auf lange Sicht einen Vollsortimenter braucht, wiederholt gebetsmühlenartig, dass die Ohlstädter beim Bürgerentscheid nicht über Größe oder Betreiber eines Marktes abstimmen werden. Es geht darum, den grundsätzlichen Willen im Dorf zu eruieren, die Richtung, in die Ohlstadt bei der Nahversorgung steuern soll. „Wir schaffen uns eine gemeinsame Planungsgrundlage“, sagt Scheuerer.

Die Stimmung im Ort lässt sich nur schwer eindeutig ausmachen: Es gibt klare Befürworter eines Vollsortimenters und absolute Gegner. Bei der Bürgerversammlung vor einer Woche meldeten sich vor allem Kritiker zu Wort. Da gab es den Appell, ums Zentrum zu kämpfen, da war die Rede von der „Angst um unsere Ortsmitte“, von einer drohenden „Geisterstadt“ – und es wurde „Solidarität mit den örtlichen Geschäftsleuten“ angemahnt. Seit diesem Abend, meint Angelmahr, habe sich die Stimmung im Ort „etwas gedreht“. Ein Eindruck, den Scheuerer zu einem gewissen Grad teilt: „Das denke ich auch ein bisschen.“

Silke Jandretzki

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