Mehrwertsteuer: Verfahren gegen Gemeinde vor BGH

Gesundheitszentrum Oberammergau: Erfolgsmodell am Lärchenhügel

Oberammergau - Von diesen Zahlen können viele Hotels nur träumen: Eine Durchschnittsbelegung von fast 99 Prozent erreichte im vergangenen Jahr das Gesundheitszentrum in Oberammergau.

Vor ein paar Tagen trafen sie sich zum gemeinsamen Langlaufen in Graswang: „Das war mehr Gaudi als sportliche Betätigung, wir haben unseren Spaß gehabt. Manchmal brauchen wir sowas“, sagt Ulrich Tonak, einer der drei Gesellschafter des Gesundheitszentrums Oberammergau, und spielt damit auf das gute Verhältnis zu seinen beiden Partnern Norbert Schaknat und Dr. Jürgen Grundnig an. Die gute Laune des Trios kommt nicht von ungefähr, denn das vergangene Jahr lief aus betriebswirtschaftlicher Sicht hervorragend: Die Fachklinik für Anschlussheilbehandlung, Prävention und Reha in Verbindung mit dem Aktiv- und Vital-Hotel war 2011 durchschnittlich zu 98,4 Prozent belegt. Eine eindrucksvolle Marke für das 172-Betten-Haus am Lärchenhügel.

Als die drei Gesellschafter im November 2007 die Einrichtung übernahmen, lag die Durchschnittsbelegung noch bei knapp 50 Prozent. Die Zahl der damals 55 Mitarbeiter hat sich inzwischen verdoppelt. Norbert Schaknat hält es für sehr wichtig, „an unserer Erfolgsgeschichte auch unsere Beschäftigten teilhaben zu lassen“. So habe man durch Bonuszahlungen und weitere freiwillige Leistungen über 13 Jahresgehälter ausbezahlen können. „Wir sind stolz auf unsere Mannschaft, weil sich jeder Einzelne vorbildlich für unsere Gäste und Patienten engagiert, betonen die drei Gesellschafter unisono.

Trotz der guten Zahlen: Sich auf den Lorbeeren auszuruhen, ist nicht die Devise von Tonak, Schaknat und Grundnig. Es gelte, den hohen Standard des Hauses immer weiter aufzuwerten, um im Wettbewerb bestehen zu können, sagen sie. Im vergangenen Jahr investierten die Besitzer über eine halbe Million Euro in den Betrieb, für Umgestaltungs- und Renovierungsmaßnahmen sowie in die Verbesserung der personellen Situation. Derzeit macht der Hotelbereich des Hauses etwa ein Drittel aus, zwei Drittel betreffen den medizinischen Sektor unter Leitung von Dr. Jürgen Grundnig: „An dieser Ausrichtung wollen wir auch nichts verändern. Die Medizin mit dem Schwerpunkt der Anschlussheilbehandlungen ist und bleibt die Grundlage.“

Angesichts des erfolgreichen Kurses, den das Gesundheitszentrum steuert, darf sich auch die Gemeinde Oberammergau die Hände reiben, denn in die öffentlichen Kassen floss 2011 an Gewerbesteuer und Fremdenverkehrsabgabe ein sechsstelliger Betrag. Das Unternehmen ist also ein willkommener Steuerzahler, dennoch erscheint das Verhältnis Klinik-Kommune eher gespalten. Grund ist der Streit um die Mehrwertsteuer-Erstattung bei den Passionsspielen 2010. Demnächst verhandelt der Bundesgerichtshof die Angelegenheit, bei der es um über 100 000 Euro geht. Mit den meisten größeren Vermietern hat sich die Gemeinde hier ja einigen können, nicht so mit dem Gesundheitszentrum. Dazu Norbert Schaknat: „Die Sache ist noch nicht ausgestanden.“

Derweil ist der Fokus der Chefs auf den bevorstehenden König-Ludwig-Lauf (4./5. Februar) gerichtet. „Da haben wir 250 Leute im Haus, darunter den mehrfachen Olympiasieger und Weltmeister Petter Northug aus Norwegen.“ Ebenfalls ein prominenter Teilnehmer logierte übrigens vergangenes Jahr im Haus - nämlich der (fitte und sportbegeisterte) Ministerpräsident von Estland, Staatschef Andrus Ansip, der eigens für den Ludwigslauf in Oberammergau angereist war.

Ludwig Hutter

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